Die Vorwürfe richten sich gegen einen Verantwortlichen der Schulbrüder. Dieser habe bereits vor Wochen alle seine kirchlichen Funktionen bis zur Klärung der Vorwürfe ruhend gestellt, teilte Generalvikar Franz Schuster mit.
Orden wehrt sich
Der Orden der Schulbrüder wies die Vorwürfe des sexuellen Missbrauchs bei einer kurzfristig einberufenen Pressekonferenz zurück. "Sexuelle Übergriffe kann ich mit absoluter Sicherheit ausschließen", sagte Bruder Paul Kaiser, einer der Beschuldigten in einem Fall in den 90er Jahren. Dieser Vorwurf sei damals überprüft und die Unschuld der Beschuldigten bestätigt worden.
Vorwürfe aus Medien erfahren
Die Ordensbrüder hatten von der Anzeige der Klasnic-Kommission Dienstagfrüh aus den Medien erfahren. Die Unterlagen zur Sachverhaltsdarstellung habe man noch nicht bekommen, hieß es. Provinzial Johann Gassner geht aber davon aus, dass es sich bei den Vorwürfen um jene aus den 90er Jahren handelt.
"Ersuchen, bei Wahrheit zu bleiben"
Die Mutter eines damals Elfjährigen warf den Ordensbrüdern die Vergewaltigung ihres Sohnes vor. "Wir sind gerne bereit, für Fehler einzustehen, die wir begangen haben, ersuchen aber dringend, bei der Wahrheit zu bleiben", verlas Gassner aus einer Stellungnahme.
Kritik an Klasnic-Kommission
Gassner beklagte in einer Aussendung, dass dem Orden die konkreten Vorwürfe bisher nicht zugänglich gemacht worden seien. Stattdessen seien die Vorwürfe an die Medien gespielt worden, kritisierte Gassner indirekt die von der Kirche eingesetzte Opferschutzanwaltschaft unter Führung von Waltraud Klasnic.
Rechtsanwalt Farid Rifaat, der nach eigenen Angaben die Schulbrüder seit Jahren vertritt, vermutet, dass manche die Klasnic-Kommission missbrauchen könnten, "um alte Fälle wieder aufzuwärmen", denn die Kommission leite "fast alles" an die Staatsanwaltschaft weiter.
Weitere Nachforschungen
Von der Erzdiözese wurden laut eigenen Angaben - trotz der Einstellung eines Verfahrens in den 1990er Jahren - über die Ombudsstelle für die Opfer sexuellen Missbrauchs weiterhin Nachforschungen angestellt.
Nachdem sich Opfer auch bei der unabhängigen Opferschutzanwaltschaft gemeldet und schwerwiegende Vorwürfe vorgebracht hatten, sei seitens des Generalvikars im Einvernehmen mit dem zuständigen Ordensoberen entsprechend den geltenden diözesanen Regeln für Verdachtsfälle sexuellen Missbrauchs gehandelt worden, so die Erzdiözese in einer Aussendung.
Erste Anzeige
Zuvor hatte das Ö1-Morgenjournal berichtet, dass die von Kardinal Christoph Schönborn eingesetzte Opferschutzanwaltschaft eine erste Anzeige erstattet habe. Die Anzeige erfolgte demnach auf Wunsch der Mutter eines angeblichen Opfers, deren Sohn im Jahr 1993 mit elf Jahren mehrmals im Internat vergewaltigt worden sein soll.
Vorwürfe nicht verjährt
Die Vorwürfe seien nicht verjährt und würden sich gegen zum Teil hochrangige Angehörige und Mitarbeiter des Ordens richten, hieß es im Ö1-Morgenjournal. In der Sachverhaltsdarstellung soll es um mutmaßlichen schweren sexuellen Missbrauch in zumindest einer Internatseinrichtung in den 90er Jahren gehen.
Laut der Mutter wurde ihr damals elfjähriger Sohn 1993 von insgesamt sieben zum Teil hochrangigen Ordensangehörigen und Mitgliedern der Schulbrüder in Wien-Strebersdorf missbraucht. Dabei sollen mehrere Männer gleichzeitig anwesend gewesen sein und den Buben festgehalten haben. Unter anderem wegen der erlittenen Verletzungen beziehe der Sohn nun eine Invaliditätspension.
Erhebungen zweimal eingestellt
Zweimal wurden Erhebungen nach entsprechender Anzeige von der Staatsanwaltschaft eingestellt. Die Untersuchungsrichterin, die die erste Anzeige zurückwies, ist auch heute noch überzeugt, dass die Vorwürfe erfunden sind. Nun hat sich aber offensichtlich ein weiteres mutmaßliches Missbrauchsopfer gemeldet.
Abzuwarten bleibt nun, wie die Staatsanwaltschaft aufgrund der Anzeige der Klasnic-Kommission ermittelt.
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