Journalisten verlieren Kontrolle
Für die Journalisten der Abendzeitung bedeutet der Einstieg der Investoren eine historische Zäsur. Sie übten über die Redakteursgesellschaft SRM und ihre Partner bisher die Macht im Unternehmen aus. Mit dem Einstieg von Berge und seinen Partnern wird der Kapitalanteil der Journalisten nun verwässert. Die Redaktion verliert erstmals die Kontrolle über die Zeitung.
Sperrminorität für Redakteure möglich
Berge, der gemeinsam mit dem Bankier Matthieu Pigasse und dem Gründer des Internet-Anbieters Free, Xavier Niel, antrat, will den Redakteuren allerdings ihre Freiheiten garantieren. Sogar eine Sperrminorität soll es geben. Das könne die Basis für die Unabhängigkeit sein, sagte zuletzt "Le Monde"-Herausgeber Eric Fottorino.
Eine Analyse des Medienhistorikers Patrick Eveno dazu veröffentlichte das französische Nachrichtenportal Rue89.com.
Sarkozy mischte sich ein
Für Schlagzeilen hatte der Bieterwettkampf wegen der Einmischung von Frankreichs Präsident Nicolas Sarkozy gesorgt. Er favorisierte als Geldgeber eine Investorengruppe um den Eigner des Nachrichtenmagazins "Le Nouvel Observateur", Claude Perdriel, und den teilstaatlichen Telefonkonzern Orange (France Telecom).
Diese warf allerdings überraschend das Handtuch, nachdem sie bei der vorentscheidenden Abstimmung der Gesellschaft der "Monde"-Journalisten klar verloren hatte. Diese sprachen sich am Freitag mit mehr als 90 Prozent für Berge und dessen Partner aus. Bei den Angestellten waren sogar 100 Prozent für den langjährigen Lebensgefährten des 2008 verstorbenen Modeschöpfers Yves Saint Laurent und Förderer der Sozialistin Segolene Royal.
Sarkozy bevorzugte Konkurrenten
Für Sarkozy bedeutet das einen herben Rückschlag: Er hatte dem Herausgeber von "Le Monde" unmissverständlich klargemacht, dass er das Angebot von France Telecom und dessen Tochterfirma Orange bevorzuge. An der Spitze von France Telecom steht Sarkozys Vertrauter Stephane Richard. Der Präsident soll sogar gedroht haben, der Zeitung die staatliche Subventionen zu entziehen.
Orange war vor allem am Internet-Geschäft der "Monde" interessiert und trat mit dem "Nouvel Observateur"-Verleger Perdriel und dem spanischen Verlag Prisa ("El Pais") an, die beide schon anteile an der Monde-Gruppe halten.
Linksliberale Ausrichtung
Die 1944 gegründete "Le Monde" gehört zu den wichtigsten Zeitung Frankreichs und gilt als linksliberal. Neben der Tageszeitung gibt der Monde-Verlag auch Zeitschriften wie "La Vie", "Telerama" und "Courrier international" heraus.
Zeitungskrise ließ Schuldenberg wachsen
Rückläufige Werbeeinnahmen und hohe Investitionen in das Internet-Geschäft hatten dem Blatt über die Jahre rote Zahlen und einen Schuldenberg eingebracht. Im vergangenen Jahr musste die Gruppe sich 25 Millionen Euro leihen. Bereits 2005 hatte sie sich knapp 70 Millionen Euro geborgt, die teilweise bereits dieses Jahr zurückgezahlt werden müssen.
"Le Monde" bleibt aber auch in der Krise eine starke Marke: In 120 Ländern wird das Blatt verkauft, 400.000 Exemplare werden im Schnitt pro Tag gedruckt. Täglich sollen rund zwei Millionen Franzosen einen Blick in die Tageszeitung werfen, die sich ganz unbescheiden selbst den Anspruch setzt, "eine der besten der Weltpresse zu sein".
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