"Ich glaube, wir kommen alle zu dem Schluss, das Tony Hayward nicht vor einer Zweitkarriere als PR-Berater steht", sagte Emanuel in einem Interview des US-Fernsehsenders ABC, das am Sonntag ausgestrahlt werden sollte. "Das ist nur ein weiterer aus einer ganzen Reihe von PR-Ausrutschern und Fehlern", fügte der enge Vertraute von Präsident Barack Obama an.
"Er hat sein Leben wieder"
"Nun, um Tony Hayward zu zitieren - er hat sein Leben wieder, wie er sagen würde", sagte er. Emanuel spielt damit auf eine Äußerung des BP-Chefs an, der inmitten der Umweltkatastrophe erklärt hatte, er wolle "sein Leben wiederhaben". Später entschuldigte Hayward sich dafür.
Hayward war am Freitag von dem Konzern aus der Schusslinie genommen worden. Das Tagesgeschäft im Kampf gegen die Ölpest wird nun von Bob Dudley übernommen, seit vergangenem Jahr geschäftsführender Direktor des Ölkonzerns. Das bedeute aber nicht, dass Hayward zurücktrete, betonte eine Unternehmenssprecherin.
Von Fotografen auf Segelschiff abgelichtet
Hayward sorgte nur einen Tag nach seiner Ablöse vom Krisenmanagement mit seinem Besuch bei einer Jachtregatta in seiner englischen Heimat für Empörung. Hayward wurde am Samstag von Fotografen auf seinem luxuriösen Segelschiff "Bob" bei der Regatta vor der Isle of Wight im Ärmelkanal abgelichtet.
Senator: Gipfel der Arroganz
Der Senator aus Alabama, Richard Shelby, dessen Bundesstaat mit den Folgen der Ölpest zu kämpfen hat, nannte Haywards Teilnahme an der Regatta im TV-Sender Fox News "den Gipfel der Arroganz". Die Umweltschutzorganisation Greenpeace prangerte das "verletzende" Verhalten des BP-Chefs an. "Das streut Salz in die Wunden", sagte Sprecher Charlie Kronick.
"Sein erster freier Tag"
BP verteidigte dagegen das Verhalten seines Spitzenmanagers. Hayward sei "immer" auf dem Laufenden bei den Entwicklungen im Konzern, sagte Sprecher John Curry. Sprecher Robert Wine sagte, der Samstag sei Haywards erster freier Tag seit Beginn der Ölkatastrophe gewesen.
20-Mrd.-Dollar-Entschädigungsfonds
Hayward war in einer Anhörung vor dem US-Kongress am Donnerstag äußerst scharf angegangen worden und hatte schwere Versäumnisse im Zusammenhang mit dem Ölunfall im Golf von Mexiko eingestanden.
BP hatte am Mittwoch auf Druck von US-Präsident Obama 20 Milliarden Dollar (16 Mrd. Euro) für einen Entschädigungsfonds zugesagt.
64.000 Klagen
BP hat nach eigenen Angaben bereits 104 Millionen Dollar (knapp 84 Mio. Euro) an Entschädigungen gezahlt und bereits 64.000 Klagen erhalten, teilte das Unternehmen am Samstag (Ortszeit) mit.
Es sei das Ziel des Konzerns, dass all diejenigen, "die wegen der Ölpest kein Geld verdienen konnten", entschädigt würden, hieß es in der Erklärung. Das betreffe vor allem Fischer.
Millionen Liter an Öl
Nach Angaben von BP ist ein Team von rund tausend Angestellten mit der Bearbeitung der Flut an Schadenersatzforderungen beschäftigt. In den von der schlimmsten Ölpest in der US-Geschichte betroffenen Bundesstaaten Louisiana, Mississippi, Alabama und Florida seien insgesamt 33 Außenstellen dafür eingerichtet worden.
Die von BP betriebene Ölplattform "Deepwater Horizon" war am 20. April explodiert und zwei Tage später gesunken. Seitdem sprudeln Millionen Liter Rohöl aus dem lecken Bohrloch ins Meer. BP war wiederholt scharf für sein Krisenmanagement kritisiert worden.
Links:
- Weißes Haus
- BP
- Livestreams vom Ölleck (Kameras von BP-Robotern)