Parteichefin Eva Glawischnig gestand bei einer Pressekonferenz am Mittwoch erneut parteiinterne Probleme ein, von einer Krise will sie aber nichts wissen. Die angeblichen internen Querelen in Wien seien "Negativ-Klischees", herbeigeschrieben von den Medien.
Grabenkämpfe in Wien?
Kolportierte Grabenkämpfe etwa innerhalb der Bezirksgruppe Wien-Josefstadt wies Glawischnig bei einer Pressekonferenz zurück. Die Grünen hätten Probleme, "Strukturprobleme in den Ländern", würden diese aber anpacken, sagte die grüne Bundeschefin auch gegenüber Ö1 - mehr dazu in oe1.ORF.at.
"Ja, okay, wir stagnieren"
Zu den schlechten Wahlergebnissen im Burgenland und zuvor in Kärnten, Niederösterreich, Tirol, Salzburg und bei der Nationalratswahl sagte Glawischnig, die ihre Funktion im Vorjahr vom langjährigen grünen Bundessprecher Alexander Van der Bellen übernommen hatte: "Ja, okay, wir stagnieren. Aber wir werden weiterkämpfen."
Pilz: "Zu wenige geeignete Leute"
Auf den Punkt gebracht hatte die von Glawischnig angesprochenen "Strukturprobleme" in einem Gespräch mit dem "Standard" zuletzt Sicherheitssprecher Peter Pilz, der längstgediente Abgeordnete der Grünen.
Er kritisierte neben Strategiefehlern und "mangelnder Konfliktfähigkeit" vor allem auch die Personalpolitik: "Wir haben zu wenige geeignete Leute für Schlüsselpositionen. Und es fehlen die Jungen."
Meissner-Blau: "Kein Leben mehr drin"
"Da ist kein Leben mehr drin", resümierte die erste Parteivorsitzende der Grünen und Galionsfigur der Ökologiebewegung, Freda Meissner-Blau, gegenüber dem "Standard". "Ich weiß nicht, wo der Funken ist", so Meissner-Blau, "und ohne Funken geht's nicht."
"Grüner Kleingarten umzäunt"
Pilz sah das Ergebnis der Burgenland-Wahl, bei der die Grünen um ein Haar ihr Landtagsmandat verloren hätten, nicht als "regionales Malheur", sondern die Partei "in einer entscheidenden Phase". Die Grünen seien eine "Funktionärspartei" geworden, in der Pilz Stillstand ortet.
"Wir haben zu viele Leute, die den grünen Kleingarten einfach umzäunen und verteidigen wollen. Stattdessen müssten wir aber überlegen, wie wir die nächste Stufe schaffen. Wir müssen endlich einen Entwicklungsschritt machen."
Kurze erste Reihe, lange Hinterbank
Der "Standard" attestierte den Grünen schlicht auch ein Bekanntheitsproblem: "Von den 20 Abgeordneten, die die Grünen haben, sind die meisten in der Öffentlichkeit gänzlich unbekannt. Außer Eva Glawischnig, Peter Pilz und Alexander Van der Bellen kennt man vielleicht noch Karl Öllinger oder Werner Kogler. Der Rest hat es sich auf den Hinterbänken bequem gemacht."
Glawischnig will Nummer drei in Wien werden
Trotz des eingestandenen Strukturmankos steckte Glawischnig die Ziele für die Landtagswahlen in Wien im Oktober und kurz davor in der Steiermark zuletzt hoch. Um eine rot-schwarze Koalition in der Bundeshauptstadt zu verhindern, "wollen wir die ÖVP überholen und mindestens auf den dritten Platz kommen. Eine Koalition mit einem Wahlverlierer kann sich die SPÖ nicht leisten", sagte Glawischnig gegenüber der Tageszeitung "Österreich". Auch in der Steiermark wollen die Grünen "wachsen".
Kogler: "Jahrelang Überfuhr versäumt"
In der Steiermark räumte auch Kogler, Glawischnigs Stellvertreter auf Bundesebene und für die Partei erster Wahlkämpfer im Land, zuletzt Strukturschwächen ein. "Wir steuern da komplett gleich." Regional sei die Steiermark ein "hartes Terrain" und "Schwächegebiet".
Hier habe man "schon jahrelang die Überfuhr versäumt, das war ein Fehler". Die Steiermark wählt am 26. September einen neuen Landtag, Wien aller Voraussicht nach am 10. Oktober.
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