Grund dafür sind längst nicht mehr nur Wetterkapriolen und Missernten. Vielmehr sorgen politische Fehlentscheidungen und illegale Preisabsprachen dafür, dass sich immer mehr Menschen immer weniger Essen leisten können. Experten warnten bereits vor den fatalen Folgen einer neuerlichen Lebensmittelkrise.
Lebensmittelpreise steigen wieder
Der monatlich von der Welternährungsorganisation (FAO) herausgegebene Lebensmittelindex ist alarmierend. Demnach sind die Preise für Getreide, Fleisch und Molkereiprodukte in 90 Ländern im März um 22 Prozent gegenüber dem Vorjahr gestiegen. Während sie damit noch knapp unter den Spitzenwerten von 2008 liegen, stiegen die Preise für Getreide und Reis auf einigen asiatischen Märkten sogar um bis zu 70 Prozent über den Wert von 2008.
Fehler der Politik
Die Regierungen führen Trockenheit und steigende Ölpreise ins Feld, um die dramatische Entwicklung zu erklären. Doch Kritiker geben gerade in Ländern wie Indien, Argentinien und Ägypten der Politik Mitschuld an der wachsenden Lebensmittelknappheit und den damit verbundenen Preissteigerungen.
Proteste in Ägypten
In Ägypten stiegen die Preise für Fleisch in den vergangenen Wochen um 50 Prozent. Ein Kilogramm Rindfleisch kostet inzwischen umgerechnet zehn Euro. Ein horrender Preis angesichts des seit 1984 festgeschriebenen Mindestlohns von fünf Euro im Monat. Immer wieder kommt es wegen der hohen Lebensmittelpreise zu Protesten und Boykottbewegungen.
"Bedrohung des sozialen Friedens"
Mahmud al-Askalani vom Verbraucherverband "Bürger gegen die hohen Lebenshaltungskosten" warnt vor einer wachsenden Bedrohung des sozialen Friedens. "Die Ägypter sind inzwischen wie trockenes Holz, das jederzeit Feuer fangen kann." Bereits 2008 kam es wegen einer Verknappung subventionierten Brotes zu Unruhen, bei denen zehn Menschen ums Leben kamen.
Preis für Reis verdoppelt
Andere Länder in Afrika sind noch schlimmer von den steigenden Preisen betroffen. So hat sich der Preis für ein Kilogramm Reis in Mauretanien, Westafrika, in den letzten drei Monaten verdoppelt. Gleichzeitig stieg in Zimbabwe der Preis für Kukuruz um 59 Prozent, im benachbarten Mozambique um 57 Prozent.
In der Demokratischen Republik Kongo kostete eine Portion Fisch vor einem Jahr noch zehn Dollar (8,3 Euro), heute sind es 25 Dollar (20,8 Euro). Für einen 25-Kilogramm-Sack Reis müssen die Menschen mittlerweile 30 Dollar bezahlen - für viele nicht finanzierbar.
Preise in Entwicklungsländern bleiben hoch
Die Bevölkerung kann sich die hohen Preise längst nicht mehr erklären. "Als die Währung gefallen ist, sind die Preise gestiegen. Aber als sich die Währung wieder erholt hat, sind die Preise gleich geblieben", kritisierte ein Geschäftsbesitzer in Kinshasa gegenüber der Nachrichtenagentur AP.
Laut Greg Barrow, dem Sprecher des World Food Program (WFP), ist das auf die wachsenden Transportkosten und die schwache Konkurrenz zurückzuführen. "Ende 2008 sind die Lebensmittelpreise auf den internationalen Märkten dramatisch gesunken, aber gerade in Entwicklungsländern blieben die Preise auf vielen lokalen Märkten hoch", erklärte Barrow. Und es werde noch lange dauern, bis die Preise wieder fallen.
Angst vor Unterernährung
Laut einer WFP-Umfrage in Entwicklungsländern verzichten immer mehr Menschen mittlerweile nicht nur auf teure Lebensmittel, sondern auf ganze Mahlzeiten. Das führt zur Sorge vor Unterernährung.
Kein Fleisch mehr in Argentinien
Selbst in Ländern wie Venezuela und Argentinien geben immer mehr Menschen an, sich Fleisch gar nicht mehr oder nur zu besonderen Anlässen leisten zu können. In Argentinien, wo der übermäßige Sojaanbau für Biotreibstoffe oder Futtermittel dazu geführt hat, dass immer weniger Getreide und Gemüse für den täglichen Bedarf angebaut wurde, hat nun die Regierung eingegriffen.
Langfristige Maßnahmen gefordert
Sie hat höhere Steuern auf Soja erlassen, Exporte beschränkt, Fleischpreise in den Supermärkten unter Kontrolle gestellt und Gemüsebauern Unterstützungsgelder gezahlt.
Doch die ganzen Maßnahmen sorgten nur kurzfristig für Entspannung. Denn die Rindfleischproduzenten verkleinerten umgehend ihre Herden. Der Preis für ein Kilo Fleisch hat sich im Vergleich zum Vorjahr fast verdoppelt.
Misswirtschaft in Indien
Auch in Indien, wo die Durchschnittseinkommen in den letzten Jahren gestiegen sind und die Menschen mehr konsumieren können, wirkt sich nun eine völlig verfehlte Agrarpolitik aus. Seit Jahren leidet die Landwirtschaft unter schlechter Produktivität und falschen Anbauplänen. Zudem wurde das Land im letzten Jahr von der schlimmsten Dürre seit 37 Jahren getroffen. Anstatt langfristige Maßnahmen zu setzen, hofft die Regierung auf einen ergiebigen Monsunregen.
Doch weder Regen noch Regelungen zur Preisgestaltung können das dahinterliegende Problem lösen. Denn längst kann die Landwirtschaft mit der wachsenden Konsumgesellschaft nicht mehr Schritt halten. Und die Regierungen schauen tatenlos zu.
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