US-Justiz ermittelt gegen BP

BP entstanden bisher bereits knapp eine Mrd. Dollar Kosten.
Die Ölkatastrophe im Golf von Mexiko wird für den britischen Energiekonzern BP immer mehr auch wirtschaftlich zu einem Alptraum. Rund 990 Mio. Dollar (814 Mio. Euro) sind dem Konzern laut eigenen Angaben bisher an Kosten entstanden. Zu den zu erwartenden Gesamtkosten des Desasters äußerte sich das Unternehmen nicht.

Analysten warnen bereits davor, dass die Ölkatastrophe das Ende für BP bedeuten könnte:
"Es geht hier längst nicht mehr darum, ob BP-Chef Tony Hayward gefeuert wird oder ob die Aktionäre geringere Dividenden ausgezahlt bekommen. Das hat den Geruch des Todes", sagte Analyst Dougie Youngson von Arbuthnot Securities. BP könnte möglicherweise bald Kandidat für eine Übernahme durch ein anderes Unternehmen werden.

Unsicherheit schreckt Investoren bisher ab
Die verspielte Glaubwürdigkeit des Konzerns und die bisher noch nicht abzuschätzenden Kosten für die Bekämpfung der Ölpest hielten Investoren jedoch noch zurück.

Vor allem dann, wenn BP seine Aktivitäten in den USA nicht mehr halten könnte, könne der Konzern zum Übernahmekandidaten werden, sagte Youngson. "Die Versuche am vergangenen Wochenende waren die letzte Chance, das Leck zu stopfen. Was sie jetzt als Nächstes vorschlagen, wird die Situation eher verschlimmern", fügte er hinzu.

Börsenwert an einem Tag um 23 Mrd. gesunken
Auslöser für die düsteren Prognosen waren jüngste Kurseinbrüche der BP-Aktie an der Londoner Börse. Nach dem gescheiterten Versuch, das Leck mit der "Top Kill"-Methode zu schließen, stürzte am Dienstag die Aktie des Unternehmens um mehr als 15 Prozent ab. Allein am Dienstag wurden somit 23 Milliarden Dollar des Börsenwerts von BP vernichtet.

Seit der Explosion der Bohrinsel vor sechs Wochen summiert sich die Wertminderungen der BP-Aktie auf mehr als ein Drittel oder insgesamt 67 Milliarden Dollar des Börsenwerts.

Minus 15 Prozent auch an New Yorker Börse
Auch die in den USA gelisteten BP-Papiere stürzten ab und büßten am Dienstag knapp 15 Prozent ein. Am Montag waren die Börsen in London und New York wegen Feiertagen geschlossen gewesen, nun reagierten sie.

BP erweist sich dabei für die ganze Branche als Belastungsfaktor: Die Ölpest werde auch den anderen Ölgiganten für eine Weile schaden, sagte Kurt Brunner von Swarthmore in Philadelphia. Die Dividendenpapiere des Ölfelddienstleisters Halliburton stürzten ebenfalls um 15 Prozent ab.

Die US-Regierung glaubt allerdings nicht, dass die Ölpest BP tatsächlich in den Ruin treiben könnte. Der britische Konzern sei groß genug, um die finanziellen Folgen der Krise auf sich nehmen zu können, sagte Robert Gibbs, Sprecher des Weißen Hauses, am Dienstag.

Neuer Versuch
Ingenieure von BP versuchen unterdessen in einem neuen, riskanten Anlauf, die Ölpest einzudämmen. Sie begannen damit, mit Hilfe von Robotern das defekte Steigrohr abzusägen. Anschließend soll ein Auffangbehälter über der Öffnung platziert und das Öl auf ein Schiff abgeleitet werden, gab die US-Regierung bekannt.

Die Aktion gilt als riskant, weil nach dem Absägen zumindest zeitweise wesentlich mehr Öl ins Meer sprudeln könnte als zuvor. Allein das Absägen des Steigrohrs könnte 24 bis 36 Stunden dauern, sagte Admiral Thad Allen, der Einsatzleiter der US-Regierung.

Zugleich machte Allen deutlich, dass die USA ausländische Hilfe im Kampf gegen die Ölkatastrophe suchen. Die US-Regierung denke dabei an Unterstützung aus Ländern wie den Niederlanden, Kanada und Mexiko.

Justiz untersucht BP-Vorgehen
Gestiegen ist nicht nur der Druck der Anleger auf BP, sondern auch jener der US-Regierung: Die Bundesbehörden leiteten strafrechtliche Ermittlungen ein. Sie betreffen die Explosion auf der Bohrinsel "Deepwater Horizon" und die dadurch ausgelöste Umweltkatastrophe, wie Justizminister Eric Holder am Dienstag mitteilte. Gegen wen sich die Ermittlungen richten könnten, sagte Holder nicht.

Die Handlungen aller Beteiligten würden genau geprüft, und bei Hinweisen auf "gesetzwidriges Verhalten" werde eine "extrem konsequente" Antwort folgen, sagte der Justizminister in New Orleans.

Obama: Gesetze nötigenfalls ändern
"Wenn unsere Gesetze gebrochen wurden, ... dann verspreche ich feierlich, dass wir die Verantwortlichen vor Gericht bringen werden", hatte US-Präsident Barack Obama zuvor erklärt. Nötigenfalls wolle er zudem die Gesetze ändern, um zu verhindern, dass sich eine solche Katastrophe wiederhole. Die Ölpest sei "die schlimmste Umweltkatastrophe dieser Art" in der Geschichte der USA, so Obama.

Fischfangverbot ausgeweitet
Unterdessen weitete die US-Klima- und -Ozeanbehörde (NOAA) das Fischfangverbot im Golf von Mexiko um eine Fläche von 2.600 Quadratkilometern aus. Insgesamt gilt das Verbot damit in einem Gebiet von 160.200 Quadratkilometern. Das entspricht 25 Prozent des gesamten Golfs von Mexiko, das gesperrte Gebiet ist damit etwa doppelt so groß wie Österreich.

Aussterben Dutzender Fischarten "möglich"
Die Ölkatastrophe könnte auch zu einem Aussterben zahlreicher Fischarten führen. Forscher entdeckten im Golf von Mexiko riesige Ölschwaden unter der Wasseroberfläche. "Diese Schwaden machen den Fischen im Norden des Golfs das Überleben sehr schwierig", sagte Prosanta Chakrabarty von der Universität Louisiana State. "Es ist sehr gut möglich, dass wir Dutzende Fischarten verlieren werden."

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