Identität der fünften Person unklar

Die Identität einer weiteren Person im Cockpit wurde bisher nicht veröffentlicht.
Während des Absturzes der Maschine des polnischen Präsidenten Lech Kaczynski hat sich der Chef der polnischen Luftwaffe, Andrzej Blasik, im Cockpit aufgehalten. Das bestätigte der polnische Ermittler Edmund Klich am Dienstag dem Fernsehsender TVN.

"Ich werde nicht leugnen, dass bis zur allerletzten Minute eine fünfte Person im Cockpit war (...). Ja, es war General Blasik", sagte Klich. Wer außer dem General sowie Pilot und Kopilot im Cockpit war, sagte er nicht.

Keine Anzeichen für direkten Druck
In den Stimmaufzeichnungen gebe es keine Anzeichen für direkten Druck auf die Besatzung, sagte der Ermittler.

Dennoch dürfte er den Spekulationen neue Nahrung geben, die Piloten der Tupolew seien trotz widriger Bedingungen zur Landung gedrängt worden - von Kaczynski selbst oder seinem Umfeld. "Natürlich kann man den Druck auch durch die reine Präsenz erhöhen", sagte Klich.

Besatzung und zwei Personen im Cockpit
In der vergangenen Woche hatten russische Ermittler bereits erklärt, kurz vor der Katastrophe hätten sich außer der Besatzung zwei Personen im Cockpit aufgehalten.

Die polnische Präsidentenmaschine mit Kaczynski und 95 weiteren ranghohen Passagieren war am 10. April abgestürzt. Niemand überlebte. Die Delegation, darunter Kaczynskis Frau, war auf dem Weg zu einer Gedenkfeier im westrussischen Katyn, dem Ort eines sowjetischen Massakers an rund 22.000 Polen im Frühjahr 1940.

Fluglotsen empfahlen Ausweichflughafen
Die Fluglotsen hatten dem Piloten wegen schlechten Wetters empfohlen, Moskau oder die weißrussische Hauptstadt Minsk als Ausweichflughafen zu nutzen.

Unmittelbar nach der Katastrophe waren Spekulationen laut geworden, dass Kaczynski Druck auf die Piloten ausgeübt haben könnte, trotz des Nebels zu landen.

Drängte Kaczynski auf Landung?
Im Sommer 2008 soll Kaczynski auf dem Flug in das von Russland bedrängte Georgien mit einem Wutanfall auf die Entscheidung des Piloten reagiert haben, aus Sicherheitsgründen im benachbarten Aserbaidschan zu landen. Später hatte er dem Piloten Feigheit vorgeworfen und soll seine Entlassung erwirkt haben.

Spekuliert wurde, dass Kaczynski auf keinen Fall zu spät zur Gedenkfeier kommen wollte. Nach Angaben der Ermittler war die Maschine schon mit deutlicher Verspätung in Polen gestartet.

Landung trotz mehrfacher Warnung
Die Untersuchungskommission (MAK) gab den Piloten zumindest eine Mitschuld am verheerenden Unglück. Denn die Crew an Bord versuchte trotz mehrfacher Warnung vor dichtem Nebel zu landen.

Der Fluglotse habe die Besatzung "zweimal gewarnt", dass der Flughafen von Smolensk im Nebel liege und die Sichtweite nur rund 400 Meter betrage, sagte Alexej Morosow vom russischen Luftfahrtkomitee (IAC). Der Besatzung sei gesagt worden, dass die Bedingungen für eine Landung nicht gegeben seien.

Piloten nicht krisenerfahren
Die offizielle Untersuchung des Absturzes mit insgesamt 96 Toten habe zudem ergeben, dass die Piloten nicht besonders flugerfahren gewesen seien und in Polen kein spezielles Krisentraining erhalten hätten.

Weiters ergaben die Ermittlungen, dass "weder ein technischer Ausfall noch eine Explosion oder ein Brand" an Bord für das Unglück verantwortlich gewesen seien, sagte Tatjana Anodina vom IAC. Auch ein Attentat könne ausgeschlossen werden, und die Motoren hätten einwandfrei funktioniert.

Laut Cheftechniker Morosow streifte die Tupolew beim Landeversuch einen Baum. Danach hätten die Piloten die Kontrolle über das Flugzeug verloren.

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