"Es gibt auch noch die Wühlmäuse"

Situation entlang der Oder und Weichsel weiter kritisch: Höhepunkt des Hochwassers noch nicht erreicht.
Nach den schweren Unwettern mit bisher 15 Toten glaubt Polens Innenminister Jerzy Miller die Verantwortlichen dafür gefunden zu haben: Biber. "Der größte Feind der Deiche ist ein Tier, das sich Biber nennt. Biber leben überall an den Weichsel-Deichen und tragen zu ihrer Zerstörung bei", sagte Miller bei einer Pressekonferenz am Dienstag in Warschau.

Mehr Tiere zur Jagd freigegeben
Laut Angaben der polnischen Naturschutzbehörde leben 50.000 Biber im Land, die teilweise unter Schutz stehen. Nach den Überschwemmungen wurden nun aber mehr Tiere zur Jagd freigegeben.

"Destabilisieren Deiche"
Nicht alle Experten geben allerdings die Schuld den Bibern alleine. "Die Biber graben Tunnel in die Deiche und destabilisieren sie so von innen", sagte Feuerwehrsprecher Pawel Fratczak. "Aber sie sind nicht die Einzigen, es gibt auch noch die Wühlmäuse."

Rekordpegel an der Weichsel und Oder hatten in den vergangenen Tagen schwere Überschwemmungen in Polen ausgelöst, in Warschau war am Dienstag weiterhin eine große Uferstraße wegen der Wassermassen gesperrt. Rund 200 Warschauer Schulen in Ufernähe sind seit Montag geschlossen.

15.000 Feuerwehrleute im Einsatz
In Polen sind immer noch rund 15.000 Feuerwehrleute, 6.000 Polizisten und fast 5.000 Soldaten im Hochwassereinsatz. Die Regierung berät milliardenschwere Hilfen für die Flutopfer.

Das Hochwasser auf der Weichsel nähert sich mittlerweile langsam der Mündung und dürfte in Kürze die Danziger Bucht erreichen. An der Oder entspannte sich die Situation leicht. "Die Oder ist ruhiger als die Weichsel", sagte Miller, wollte aber nicht zu früh Entwarnung geben: "Das Risiko bleibt."

Kritische Lage in Zentralpolen
Nach wie vor kritisch war die Situation am Dienstag an der Warthe, einem Nebenfluss der Oder. In der Nähe von Konin in Zentralpolen mussten Dutzende Menschen in Sicherheit gebracht werden. In Posen, der größten Stadt der Region knapp 100 Kilometer weiter nördlich, galt ebenfalls weiter Hochwasseralarm.

Tausende Hektar Land verwüstet
Bei Plock nordwestlich von Warschau ging unterdessen der Kampf gegen die Wassermassen der Weichsel weiter, die nach einem Deichbruch am Sonntag 23 Ortschaften überflutet hatte. Das Wasser gehe zurück, die Lage bleibe aber sehr ernst, sagte der Chef des zentralpolnischen Verwaltungsbezirkes Mazowsze, Jacek Kozlowski.

Die Weichsel verwüstete ein Gebiet von 8.000 Hektar, 2.400 Menschen mussten gerettet werden. Erst die Sprengung der Deiche an anderen Stellen brachte Entlastung, ein Teil des Wassers kehrte ins Flussbett zurück. In Warschau ging der Pegel des Flusses weiter langsam, aber stetig zurück, die durchweichten Deiche blieben aber ein Risiko.

Alarm in Brandenburg
Auf der deutschen Seite der Grenze dürfte mit großer Wahrscheinlichkeit am Wochenende Hochwasseralarmstufe vier ausgerufen werden, wie der Präsident des Landesumweltamtes, Matthias Freude, in Frankfurt an der Oder ankündigte.

Bei Alarmstufe vier besteht die Gefahr, dass Deiche und Dämme überflutet werden. "Es geht am Freitag richtig los, jetzt steigt die Oder noch moderat", so Freude, schränkte aber ein: "Wir haben 1997 sechs Wochen Höchstwasserstände gehabt. So lange wird es dieses Mal bestimmt nicht dauern."

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