"Störung" seit 30. März

Alarmanlage im Pariser Museum der Modernen Kunst war seit Wochen kaputt.
Eine kaputte Alarmanlage hat den wahrscheinlich schwersten Kunstdiebstahl aller Zeiten in einem Pariser Museum ermöglicht. Ein Teil der Alarmanlage sei in einigen Räumen seit knapp vier Wochen defekt gewesen, teilte die Stadt Paris am Donnerstagabend auf ihrer Website mit. Den Angaben zufolge hatte der Schaden bisher nicht behoben werden können, da die zuständige Firma auf ein Ersatzteil eines Zulieferers gewartet habe.

Bürgermeister Bertrand Delanoe sprach Donnerstagabend von einer "teilweisen Störung" des Systems, die in einem Teil des Museums festgestellt wurde. Zwar sei noch am gleichen Tag, dem 30. März, Ersatzmaterial angefordert worden. Bisher sei das Alarmsystem jedoch nicht repariert worden.

Die Videoüberwachung im Museum für Moderne Kunst habe allerdings fehlerfrei funktioniert. Zudem seien jede Nacht drei Wächter im Dienst, die die Bilder direkt übertragen bekommen. Auf den Bildern sei ein maskierter Täter zu sehen gewesen.

Leere Rahmen zurückgelassen
Nach ersten Ermittlungen stieg der Mann in der Nacht einfach durch ein Fenster in das Museumsgebäude in der Nähe des Eiffelturms ein. Erst Donnerstagfrüh wurde das Fehlen der Bilder bei einem Rundgang bemerkt. Eine zerbrochene Scheibe und ein gewaltsam geöffnetes Vorhängeschloss ließen schnell auf einen Einbruch schließen.

Gefunden wurden schließlich die leeren Rahmen der Bilder, die vom Täter herausgeschnitten wurden. Über mögliche Komplizen und Auftraggeber war zunächst nichts bekannt. Vom Täter fehlt bisher jede Spur.

Menschliches Versagen?
Delanoe will nun im Rahmen einer Untersuchung aufklären, inwiefern technische Mängel oder menschliches Versagen dazu beigetragen haben, den Diebstahl zu ermöglichen. "Ich bin schockiert und traurig", kommentierte Delanoe die Ereignisse.

Aus dem Museum wurden insgesamt fünf Meisterwerke von Malern wie Picasso, Matisse und Modigliani gestohlen. Der anfangs von den Ermittlern genannte Schätzwert von rund einer halben Milliarde Euro wurde im Laufe des Tages nach unten revidiert. Die Leitung des städtischen Museums schätzte den Wert der Bilder auf rund 100 Millionen Euro.

Nicht versichert?
Offen ist derzeit, ob die gestohlenen Gemälde gegen Diebstahl versichert waren. Angezweifelt wurde das von Stefan Horsthemke vom Kunstversicherer Axa-Art: "Diese Objekte sind nach unserem Kenntnisstand nicht versichert", so Horsthemke nach Angaben der "Frankfurter Rundschau" (Freitag-Ausgabe). Die Axa-Art sei vom Museum angefragt worden, den Diebstahl mit aufzuklären.

Meisterwerk Picassos
Gestohlen wurden nur erlesene, weltberühmte Kunstwerke. Darunter befindet sich etwa Pablo Picassos 1911 entstandenes Gemälde "Pigeon aux petits pois" (wörtlich: "Taube mit Erbsen"), wie Justizvertreter mitteilten.

Die Beute umfasst zudem "La pastorale" ("Schäferspiel") vom französischen Maler Henri Matisse, "L'olivier pres de l'Estaque" ("Olivenbaum bei Estaque") von dessen Landsmann Georges Braque, "La femme a l'eventail" ("Die Frau mit dem Fächer") vom italienischen Maler Amedeo Modigliani sowie "Nature morte, chandeliers" ("Stillleben, Leuchter") vom Franzosen Fernand Leger.

Auftragsarbeit vermutet
Die französischen Behörden verbreiteten die Daten der Bilder umgehend weltweit über die internationale Polizeibehörde Interpol. Ermittler verweisen darauf, dass es sich bei Diebstählen bekannter Kunstwerke regelmäßig um Auftragsarbeiten handelt.

Denn auf dem freien Markt können ihre Werke nicht verkauft werden, ohne Aufsehen zu erregen. "Bestellt" werden die Diebstähle von reichen Sammlern. Die Beute verschwindet dann häufig auf Nimmerwiedersehen in ihren Tresoren.

Kritik an Sicherheitsvorkehrungen
In Frankreich sorgen immer wieder spektakuläre Kunstdiebstähle für Aufsehen. Museen kamen mehrmals wegen unzureichender Sicherheitsvorkehrungen in die Kritik. So konnten Unbekannte im Juni vergangenen Jahres während Bauarbeiten ein kostbares Skizzenbuch von Pablo Picasso aus dem ihm gewidmeten Museum im dritten Pariser Bezirk entwenden.

In der Nacht zu Silvester wurde in Marseille das Bild "Les Choristes" ("Die Chorsänger") von Edgar Degas im Wert von 800.000 Euro von einer Wand im Cantini-Museum gestohlen.

Paris hat außer dem städtischen Museum im Palais de Tokyo, in dem 8.000 Werke des 20. Jahrhunderts gezeigt werden, mit dem Centre Pompidou noch ein anderes großes Museum für moderne Kunst. Das staatliche Centre Pompidou befindet sich im ältesten Teil des Zentrums der französischen Hauptstadt.

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