"Eindeutig identifiziert"
Eine Stimme der im Cockpit zusätzlich Anwesenden sei "eindeutig identifiziert" worden, bei den übrigen bedürfe es noch zusätzlicher Informationen aus Polen, sagte Tatjana Anodina vom russischen Luftfahrtkomitee (IAC), zugleich Leiterin der bilateralen Untersuchungskommission MAK, am Mittwoch in Moskau.
Wer im Cockpit war und worum sich die Gespräche drehten, wollte sie mehr als fünf Wochen nach dem Unglück zunächst nicht sagen. Die polnische Seite arbeitet demnach derzeit daran, alle aufgezeichneten Stimmen eindeutig zuzuordnen.
Die polnische Präsidentenmaschine mit Kaczynski und 95 weiteren ranghohen Passagieren war am 10. April abgestürzt. Niemand überlebte. Die Delegation, darunter Kaczynskis Frau, war auf dem Weg zu einer Gedenkfeier im westrussischen Katyn, dem Ort eines sowjetischen Massakers an rund 22.000 Polen im Frühjahr 1940.
Bestätigen sich Spekulationen?
Unmittelbar nach der Katastrophe waren Spekulationen laut geworden, dass Kaczynski Druck auf die Piloten ausgeübt haben könnte, trotz des Nebels zu landen.
Im Sommer 2008 soll Kaczynski auf dem Flug in das von Russland bedrängte Georgien mit einem Wutanfall auf die Entscheidung des Piloten reagiert haben, aus Sicherheitsgründen im benachbarten Aserbaidschan zu landen. Später hatte er dem Piloten Feigheit vorgeworfen und soll seine Entlassung bewirkt haben.
Spekuliert wurde, dass Kaczynski auf keinen Fall zu spät zur Gedenkfeier kommen wollte. Nach Angaben der Ermittler war die Maschine schon mit deutlicher Verspätung in Polen gestartet.
Mehrmalige Warnungen
Die Untersuchungskommission MAK gab den Piloten zumindest eine Mitschuld am verheerenden Unglück. Denn die Crew an Bord versuchte trotz mehrfacher Warnung vor dichtem Nebel zu landen.
Der Fluglotse habe die Besatzung "zweimal gewarnt", dass der Flughafen von Smolensk im Nebel liege und die Sichtweite nur rund 400 Meter betrage, sagte Alexej Morosow vom IAC. Der Besatzung sei gesagt worden, dass die Bedingungen für eine Landung nicht gegeben seien.
Wenig erfahrene Piloten
Die offizielle Untersuchung des Absturzes mit insgesamt 96 Toten habe zudem ergeben, dass die Piloten nicht besonders flugerfahren gewesen seien und in Polen kein spezielles Krisentraining erhalten hätten.
Kein technisches Gebrechen
Weiters habe die Untersuchung ergeben, dass "weder ein technischer Ausfall noch eine Explosion oder ein Brand" an Bord für das Unglück verantwortlich gewesen seien, sagte Anodina. Auch ein Attentat könne ausgeschlossen werden, und die Motoren hätten einwandfrei funktioniert.
Laut dem Cheftechniker Morosow streifte die Tupolew beim Landeversuch einen Baum. Danach hätten die Piloten die Kontrolle über das Flugzeug verloren.
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