Die Forscher rekonstruierten eine Zeitleiste der bekannten 205 Ausbrüche isländischer Vulkane über die letzten 1.100 Jahre. Sie kamen dabei zu dem Schluss, dass die Ausbrüche in Zyklen geschehen. Die relativ ruhige Phase der letzten 50 Jahre komme nun zu einem Ende, so die Experten.
Warnung vor nahenden Eruptionen
Weitere Vulkanausbrüche seien zu erwarten. Zumindest drei der großen isländischen Vulkane zeigten Anzeichen für einen nahenden Ausbruch, so der Leiter einer Forschungsgruppe, der Vulkanologe Thor Thordarson von der Universität Edinburgh.
"Die Häufigkeit der Eruptionen auf Island scheint in einem Zyklus von rund 140 Jahren stärker und schwächer zu werden", so Thordarson. In der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts sei man in der weniger aktiven Periode gewesen. Jetzt gebe es Anzeichen dafür, dass man bald die Spitze erreichen könnte.
Nur das Vorspiel?
Die Erkenntnisse gehen Hand in Hand mit den Warnungen vor neuen Ausbrüchen des Vulkans unterhalb des Eyjafjalla-Gletschers, der den europäischen Flugverkehr über Monate, möglicherweise sogar Jahre beinträchtigen könnte.
Bei den drei von Thordarson genannten Vulkanen, die nahe einer Eruption sein könnten, handelt es sich um die wesentlich größeren Grimsvötn, Hekla und Askja.
3,2 Kubikkilometer Lava
Und deren Ausbrüche waren in der Vergangenheit immer verheerend. Allein die Hekla brach seit dem Jahr 874 zwanzigmal aus. Der Ausstoß betrug rund 3,2 Kubikkilometer Lava. Sie drang aus zahlreichen Spalten, die sich wie ein Netzwerk über den Berg ziehen.
Zu einer kleineren Eruption kam es im Jahr 2000. Wie damals schmilzt auch jetzt der Schnee auf dem Gipfel der Hekla. Experten nehmen das als Zeichen für einen nahenden Ausbruch.
Temperatur fast drei Jahre niedriger
Die Grimsvötn, ein weiterer hochaktiver Vulkan, liegen unter dem Vatna-Gletscher im Südosten Islands. Bei einem Ausbruch 1996 schmolz das meiste Gletschereis und verursachte eine verheerende Flut. Er ist offenbar mit dem Laki-Krater verbunden.
Der Ausbruch des Laki stieß 1783 so viel Asche in die Atmosphäre, dass es auf der gesamten nördlichen Hemisphäre für fast drei Jahre kühler als normal wurde. Als Auswirkung der niederen Temperaturen kam es zu Missernten, durch die fast zwei Millionen Menschen starben.
Warnung auch vor Katla-Ausbruch
Auch vor dem Ausbruch eines vierten Vulkans, der Katla, der nur etwas über 20 Kilometer vom Eyjafjalla-Gletscher entfernt ist, wird immer wieder gewarnt. Zwei von drei ihrer früheren Eruptionen scheinen mit dem des kleineren Nachbarn zusammenzuhängen.
In einem Lagebericht wurde kurz vor dem Ausbruch des Eyjafjalla-Vulkans gewarnt, dass sich auch die Katla kurz vor einer Eruption befindet.
Im Zyklus mit der Erdkruste
Thordarson glaubt, dass das Verhalten der Vulkane von Bewegungen in der Erdkruste abhängt, die unterirdisch Druck erzeugen. Er sieht darin einen Zyklus. Wenn der Druck zu groß wird, brechen die Vulkane aus, der Druck verschwindet und baut sich später über Bewegungen in der Erdkruste wieder auf.
Kritiker: Zufall
Die Theorie ist allerdings nicht unumstritten. Gillian Foulger, Professor für Geophysik an der Universität Durham, widerspricht Thordarson. Die Ausbrüche brauchten keinen Zyklus, sie könnten genauso gut durch Zufall entstehen. Für die Untermauerung der Theorie Thordarson seien noch bessere Messungen und Daten notwendig.
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