Nach Angaben des thailändischen Fernsehens wurde auch einer der Führer der Oppositionsbewegung angeschossen und schwer verletzt. General Khattiya Sawasdipol wurde den Berichten zufolge während eines Interviews mit sieben ausländischen Journalisten in den Kopf geschossen. Der Zustand von Khattiyas wurde von einer Krankenschwester der Hua-Chiew-Klinik als "sehr ernst" bezeichnet. Sawasdipol werde künstlich beatmet.
Bei gewaltsamen Zusammenstößen zwischen Demonstranten und Sicherheitskräften wurde laut AFP zudem ein Demonstrant von einer Kugel tödlich am Kopf getroffen. Mindestens zwei weitere Menschen seien verletzt worden, als Sicherheitskräfte das Feuer auf mehrere hundert angreifende Demonstranten eröffneten.
Von Regierung als "Terrorist" bezeichnet
Wer für die Schüsse auf den General verantwortlich war, blieb zunächst unklar. Ein Sprecher des Oppositionsbündnisses UDD machte "Scharfschützen der Armee" verantwortlich, wie er dem Sender BBC sagte. "Die Armee will uns einschüchtern. Wir müssen verhindern, dass das ein zweites Tienanmen wird", sagte er in Anlehnung an das Massaker gegen Studenten auf dem Platz des Himmlischen Friedens in Peking 1989. Dort kamen seinerzeit mehrere hundert Menschen um.
Der 58-jährige General hatte in den vergangenen Wochen die "Rothemden" in ihrem erbitterten Protest gegen die Regierung bestärkt. Er zeichnete als "Militärchef" der Rothemden zudem verantwortlich für die Sicherheit der Demonstranten in dem besetzten Viertel.
Kattiya, besser bekannt als "Seh Daeng" ("Kommandant Rot"), wird von der thailändischen Regierung als "Terrorist" bezeichnet. Er soll in Dutzende Granatenangriffe involviert sein, die mehr als 100 Menschen verletzt haben sollen.
Krankenhäuser in Alarmbereitschaft
Rund zwei Monate nach Beginn der Unruhen wurde von Thailands Regierung zuletzt den Demonstranten ein Ultimatum zum Verlassen der besetzten Viertel gemacht. Die Regierung wolle dabei zunächst auf Blockade und Abriegelung setzen, wie Militärsprecher Sansern Kaewkamnerd mitteilte.
Dieser betonte am Donnerstag zudem, dass die Soldaten nur Gummigeschoße einsetzen würden - bei Angriffen würde allerdings auch mit scharfer Munition gegen die "Terroristen" vorgegangen. Wie ein Militärsprecher weiter ankündigte, seien Panzer und Scharfschützen zusammengezogen worden.
Donnerstagfrüh wurden mehrere Bahnhöfe geschlossen. Die Regierung rief Kliniken auf, für alle Fälle Ärzte und Rettungskräfte in Einsatzbereitschaft zu versetzen, Geschäfte wurden aufgefordert, ihren Mitarbeitern am Freitag frei zu geben.
US-Botschaft geschlossen
Die USA schlossen ihre Botschaft in Bangkok. Die US-Regierung sei "sehr besorgt" über die Gewalt, sagte ein Außenamtssprecher in Washington. Die britische Botschaft soll am Freitag geschlossen bleiben, wie eine Sprecherin des Außenministeriums in London mitteilte.
Der seit Anfang April für Bangkok geltende Ausnahmezustand wurde auf 15 Provinzen im Norden und Nordosten des Landes ausgeweitet, was als weiterer Hinweis auf die Hinfälligkeit des Versöhnungsplans der Regierung gewertet werden kann.
"Rothemden" wollen weiter kämpfen
Trotz der sich zuspitzenden Situation haben mehrere tausend "Rothemden" geschworen, jedem Räumungsversuch zu trotzen. Sie bewaffneten sich nach Augenzeugenberichten mit Steinen, Schleudern und scharf geschnitzten Bambusstöcken. Die Demonstranten haben sich seit Ostern in dem Geschäftsviertel hinter Autoreifen und Stacheldraht verbarrikadiert.
Zwischenzeitlich war die Hoffnung auf ein baldiges Ende der Staatskrise gewachsen, nachdem Ministerpräsident Abhisit Vejjajiva auf einige zentrale Forderungen der Opposition eingegangen war: Er kündigte vorgezogene Neuwahlen für November an. Außerdem erklärte er sich bereit, dass die Polizei seine Rolle und die seines Stellvertreters Suthep Thaugsuban bei den blutigen Auseinandersetzungen zwischen Demonstranten und Sicherheitskräften am 10. April untersucht.
Am Donnerstag zog der Premier allerdings das Angebot einer Neuwahl wieder zurück. Bisher kamen nach Regierungsangaben 29 Menschen ums Leben, mehr als 1.400 wurden verletzt.
Links:
- Thailändische Regierung
- Reiseinformation Thailand (Außenministerium)