US-Präsident reist in Katastrophengebiet

BP gibt Schwierigkeiten zu, das Leck unter Kontrolle zu bringen.
Noch am Freitag hat das Weiße Haus ausgeschlossen, dass US-Präsident Barack Obama die von einer Ölpest bedrohte Küste im Golf von Mexiko in den nächsten Tagen besuchen werde. Am Samstag kündigte er nun an, sich Sonntagvormittag (Ortszeit) persönlich die Lage vor Ort anzusehen und die bisher angeordneten Maßnahmen der Regierung zu überprüfen.

Nach tagelangem Warten und zunehmender Kritik am Krisenmanagement der Regierung nach der Explosion der Bohrinsel "Deepwater Horizon" geht Obama damit in die Offensive. Kritik an seiner Strategie im Kampf gegen die Katastrophe ist unterdessen sogar aus dem eigenen Lager zu hören.

Ölteppich breitet sich aus
Der Ölteppich wächst immer mehr. Nach Auswertungen der Universität von Miami haben sich der Ölteppich vno einer Größe von fast 3.000 Quadratkilometern am Donnerstag auf rund 9.900 Quadratkilometer am Freitag mehr als verdreifacht. Angesichts erster Verschmutzungen an der Küste des Bundesstaats Louisiana bereiten sich die USA auf eine der schwersten Umweltkatastrophen ihrer Geschichte vor. Nach Angaben der US-Regierung kämpfen derzeit 1.900 Einsatzkräfte mit 300 Booten und Flugzeugen gegen die Verschmutzung.

Zudem genehmigte das US-Verteidigungsministerium den Einsatz der Nationalgarde in Louisiana. Die dortige Regierung hatte 6.000 Reservisten angefordert.

Zwei Bohrinseln stoppen Produktion
Zudem wurde die Produktion bei zwei weiteren Bohrinseln im Golf von Mexiko am Samstag gestoppt. Nach Behördenangaben wurden die Arbeiten eingestellt, weil sich der Ölteppich in unmittelbarer Nähe befände. Es wird befürchtet, dass das Öl durch einen Funken in Brand geraten und die Bohrinseln gefährden könnte.

Sorge vor Unkontrollierbarkeit
Medienberichten zufolge befürchtet die US-Küstenwache ein noch schlimmeres Ausmaß der Ölkatastrophe. Unter Berufung auf einen vertraulichen Bericht der Nationalen Behörde für Ozeane und Atmosphäre berichtete die in Alabama erscheinende Zeitung "Mobile Press-Register" am Samstag, dass die Ölquelle völlig unkontrollierbar werden könnte, falls sich der Zustand des Steigrohrs der Ölplattform weiter verschlechtere.

Droht "Katrina"-Desaster?
Nun werden bereits Stimmen laut, dass Obama mit der Ölkatastrophe ein ähnliches Desaster drohen könnte wie seinem Vorgänger George W. Bush 2005 mit dem Hurrikan "Katrina". Dessen späte Reaktion und die unkoordinierte Krisenhilfe brachten Bush viel Kritik ein. Die Ölpest könnte nun Obamas Ansehen empfindlich schaden. Die Katastrophe werde zu "Obamas Katrina", stellte die Galionsfigur der Rechten, der TV-Moderator Rush Limbaugh, schadenfroh fest.

Auch die eher liberale "New York Times" meinte, dass die Regierung schneller hätte handeln können, aber stattdessen auf eine Lösung des Ölkonzerns BP gewartet habe.

Mit der angekündigten Reise will Obama nun offenbar gegensteuern. Bereits zuvor hatte er Innenminister Ken Salazar mit der Anfertigung eines Berichts zur "vollständigen Aufklärung" des Unglücks beauftragt.

BP gefordert
Die Politik fordert von BP nun noch stärkere Anstrengungen. "Wir können und werden nicht ruhen, bis BP das Bohrloch verschlossen und jeden Tropfen Öl beseitigt hat", sagte Salazar. Der Gouverneur von Louisiana, Bobby Jindal, forderte BP auf, noch mehr Hilfe von den Bundesbehörden anzufordern: "Ich habe die Sorge, dass die Ressourcen von BP nicht ausreichen."

BP hatte sich am Freitag bereiterklärt, die Verantwortung für die Ölkatastrophe zu übernehmen. Über das Ausmaß zeigte sich der Konzern überrascht. Was sich im Golf von Mexiko ereignet habe, sei beispiellos, sagte BP-Sprecher David Nicholas. "So etwas haben wir noch nicht erlebt, einen Ausbruch in dieser Tiefe."

Experten sehen geringe Erfolgschancen
BP hat zehn Unterseeroboter im Einsatz, die bisher erfolglos versuchten, die Lecks in 1.500 Meter Tiefe zu schließen. Gleichzeitig errichten Ingenieure eine riesige Kuppel, um das ausströmende Öl unter der Wasseroberfläche einzufangen und von dort abzupumpen. Die Fertigstellung wird aber mindestens zwei Wochen dauern.

Experten gehen davon aus, dass es BP kaum gelingen dürfte, das Leck schnell zu stopfen. Mindestens vier Wochen, wenn nicht zwei bis drei Monate dürfte es dauern, bis entweder ein Abzugsrohr das Öl in ein Schiff umleiten oder eine zweite Quelle angebohrt werden kann, aus der das Öl kontrolliert entweichen könnte. BP räumte selbst Schwierigkeiten ein, das Leck unter Kontrolle zu bringen.

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