Eine Aschewolke stieg nach Angaben von Magnus Tumi Gudmundsson von der Universität von Island 8,5 Kilometer weit in die Höhe. Noch am Freitag hatten Experten vermutet, dass sich die Eruptionen abschwächen werden.
Von Eis abhängig
Wenn festgestellt werden könne, wie viel Eis geschmolzen sei, könnten bessere Prognosen darüber erstellt werden, wie lange der Ausbruch anhalten werde, sagte Gudmundsson. Solange noch ausreichend Eis vorhanden sei, könnten sich weitere Aschewolken bilden. Der Flugverkehr würde damit noch längere Zeit behindert.
Der Wind verbesserte die Sicht am Vulkan, so dass sich Wissenschaftler am Samstag erstmals aus der Luft ein Bild von der Lage machen können.
Die "Route" der Wolke
Am Samstag sollte die gegenwärtig über weiten Teilen Europas liegende Aschewolke laut Prognosen der ORF-Wetterredaktion wieder nach Norden zurückgedrängt werden. Die Asche selbst kann sich lange halten, nur ein minimaler Teil der Partikeln könnte zum Erdboden sinken. Wegen der geringen Konzentration ist sie unbedenklich.
Allerdings werde die riesige Aschewolke weiter über Europa hinwegziehen, sagte der Sprecher des isländischen Umweltministeriums, Gudmundur Gundmundsson.
Dass die Asche durch Regen ausgewaschen wird, ist eher unwahrscheinlich, denn die Regenwolken reichen nicht in die Höhe der stärksten Aschekonzentrationen. Der Wettersatellit Meteosat-9 zeigt die "Route" der Wolke über Europa.
Unsichtbar und harmlos
Die Zentralanstalt für Meteorologie und Geodynamik (ZAMG) auf der Hohen Warte in Wien betonte, dass die Wolke in einer Höhe von 3.000 bis 5.000 Metern über Österreich hinwegziehe und - außer für Flugzeuge - vollkommen harmlos sei.
"Das ist keine Katastrophe, das ist keine Giftgaswolke. Man wird gar nichts merken", sagte Thomas Turecek von der ZAMG. Lediglich Feinstaubmessstellen könnten sie registrieren.
Meteorologisches Problem
Die gravierenden Auswirkungen der Aschewolke sind nach Ansicht des deutschen Vulkanologen Bernd Zimanowski in erster Linie ein meteorologisches Phänomen.
Die Eruption des Vulkans sei nicht ungewöhnlich gewesen, jedoch habe die Windrichtung die Ausbreitung der Aschewolke nach Süden und Osten begünstigt, sagte der Experte vom Physikalisch-Vulkanologischen Labor der Universität Würzburg. Nur deshalb sei die Wolke nach Mitteleuropa gelangt. Bei Westwind wäre sie in Richtung Norwegen abgetrieben.
Ausbreitung in Westen und Süden
Die Wolke bewege sich mit einem Tempo von rund 50 Stundenkilometern, hieß es von der ZAMG. Ihre Größe sei schwer zu bemessen, da auf den Satellitenbildern immer nur ein Teil zu sehen sei. "Die Wolke ist extrem ausgedünnt, sie reicht aber über mehrere europäische Länder."
Aufnahmen der Wettersatelliten zufolge sei zu erwarten, dass sich der westliche Teil der Wolke, der sich am Freitag über Norddeutschland befand, weiter nach Westen über Nordfrankreich und die Benelux-Staaten verlagert. Auch in Großbritannien wurde befürchtet, dass die Asche von Skandinavien retourkommt. Für den östlichen Bereich der Wolke zeigen die Berechnungen in allen Höhen eine weitere Verlagerung nach Süden.
Entwicklung nicht absehbar
Wie sich der Ausbruch weiterentwickelt, weiß natürlich niemand, auch die isländischen Vulkanologen nicht. Die Sprecherin der Isländischen Luftfahrtbehörde (ISAVIA), Hjördis Gudmundsdottir: "Das wissen nur die Wettergötter. Es kann ein paar Tage dauern, aber auch ein paar Jahre."
Letzter Ausbruch 1821
Vulkanexperten in Reykjavik verwiesen darauf, dass der letzte Ausbruch des Vulkans unter dem Eyjafjalla-Gletscher im Jahr 1821 erst nach zwei Jahren endete. Dabei hätten Phasen mit starker und schwacher oder gar keiner Aktivität einander abgelöst.
Der feuerspeiende Berg liegt unter Islands fünftgrößtem Gletscher. Der Vulkan ist seit Beginn der Besiedlung der Atlantik-Insel im neunten Jahrhundert fünfmal aktiv geworden.
Unterdessen befürchten isländische Geologen, dass die Aktivität den nahe gelegenen Vulkan Katla wachrütteln könnte, der ebenfalls unter einer dicken Eisschicht liegt. Bei einem Ausbruch würden starke Überschwemmungen und explosionsartige Stöße drohen.
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