Kein "geschenktes Geld"

Griechenland hofft auf ein Ende der Spekulationen mit dem Euro.
Die Euro-Länder haben sich am Sonntag kurzfristig auf einen Rettungsplan für das hoch verschuldete Griechenland festgelegt. Per Telefonkonferenz verständigten sich die Finanzminister der 16 Euro-Länder gemeinsam mit dem Internationalen Währungsfonds (IWF) auf einen 30-Milliarden-Euro-Kredit.

In Griechenland selbst zeigte man sich erleichtert: nicht so sehr über den Geldsegen, denn den wolle Athen vorerst nicht in Anspruch nehmen. Vielmehr erhofft sich die Regierung, dass damit die Spekulanten vorerst in die Schranken gewiesen werden.

Hilfe gemeinsam mit dem IWF
Die Euro-Länder würden Athen das Geld noch heuer zur Verfügung stellen, erklärte Euro-Gruppen-Chef Jean-Claude Juncker am Sonntag in Brüssel. Der Internationale Währungsfonds (IWF) würde das Programm kofinanzieren. "Es gab keine Entscheidung, den Mechanismus zu aktivieren - aber wir sind jetzt bereit, den Mechanismus in Gang zu setzen", sagte Juncker.

"Athen hat nicht um Geld gebeten"
Juncker sagte, die griechische Regierung habe bisher nicht nach Geld gefragt. "Die Minister haben nicht darüber entschieden, den Hilfsmechanismus in Gang zu setzen", stellte der luxemburgische Premier klar. Es sei über Details des Notfallplans entschieden worden. "Das ist ein Schritt zur Klärung, auf den die (Finanz-) Märkte warten."

Athen: Rettungspaket nicht notwendig
In Griechenland wurde die Einigung zwar begrüßte, in Anspruch nehmen wolle man das Rettungspakte aber nicht, erklärte der griechische Finanzminister, Giorgos Papakonstantinou, am Sonntag im staatlichen griechischen Fernsehen.

Vielmehr wolle die Regierung in Athen weiterhin Kredite auf den internationalen Finanzmärkten aufnehmen. "Unser Ziel ist es, und wir glauben daran, dass wir uns weiter von den Märkten Geld leihen werden können", sagte Papakonstantinou.

Kein "Spiel mit gemeinsamer Währung"
Ministerpräsident Giorgos Papandreou hofft, dass internationale Spekulanten mit der Entscheidung der Euro-Länder in die Schranken gewiesen werden. "Mit der heutigen Entscheidung sendet Europa ein klares Signal, dass nun niemand mehr mit unserer gemeinsamen Währung spielen kann, niemand kann mit unserem gemeinsamen Schicksal spielen", sagte Papandreou am Sonntagabend.

Auch Österreich am Rettungsplan beteiligt
Der Kredit mit bis zu drei Jahren Laufzeit kommt Griechenland aber nicht billig. Das Land müsste einen Zins von rund fünf Prozent bezahlen, sagte EU-Wirtschaftskommissar Olli Rehn. Das sei "kein geschenktes Geld", betonte auch Finanzminister Josef Pröll (ÖVP) am Sonntag im Gespräch mit der APA. Österreich werde sich auf Basis seines Anteils in der Europäischen Zentralbank (EZB) berechnet mit 2,86 Prozent beteiligen, so Pröll.

Mit der Einigung der Euro-Finanzminister ist es dem hoch verschuldeten Mittelmeerland nun möglich, binnen kurzer Zeit Geld vom IWF und einzelnen Euro-Staaten zu bekommen, sollte eine Finanzierung auf dem Kapitalmarkt überhaupt nicht mehr möglich sein.

Beteiligung des IWF als Voraussetzung
Dem Entschluss war ein langes Hin und Her vorangegangen. Die Euro-Länder hatten rund zwei Monate um den umstrittenen Notfallplan gerungen. Vor allem Deutschland hatte gezögert und schließlich strikte Bedingungen für Hilfen sowie die Beteiligung des IWF durchgesetzt. Ziel ist es, mit dem Notfallplan die Finanzmärkte von der Kreditwürdigkeit Griechenlands zu überzeugen.

Kreditwürdigkeit auf BBB- herabgestuft
Der Druck auf Griechenland, Hilfe anzunehmen, war zuletzt massiv gestiegen. In der vergangenen Woche waren die Risikoaufschläge für griechische Anleihen auf Rekordhöhe geklettert. Die Ratingagentur Fitch stufte am Freitag die Kreditwürdigkeit des Landes auf das äußerst schlechte BBB- ab. Zudem forderte die Ratingagentur die Regierung auf, den angebotenen Nothilfeplan so rasch wie möglich anzunehmen.

Nationalbankchef und EZB-Ratsmitglied Ewald Nowotny erklärte am Freitag im Ö1-"Mittagsjournal", die derzeit hohen Zinsen seien für Griechenland auf Dauer nicht zu bewältigen.

Staatspapiere um 1,2 Mrd. Euro
Um den Rettungsplan in Gang zu setzen, muss das mit 300 Milliarden Euro verschuldete Griechenland um Geld bitten. Das ist bisher noch nicht geschehen. Am Dienstag sollen neue Staatspapiere im Umfang von 1,2 Mrd. Euro ausgegeben werden.

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