Rückschlag für US-Einfluss

Die strategischen Interessen der USA könnten gefährdet sein.
Almasbek Atambajew, Vizechef der kirgisischen Interimsregierung, ist am Freitag nach Moskau gereist, um von Russland Wirtschaftshilfe zu fordern, hieß es seitens der neuen Machthaber in Bischkek. Russland hatte die neue kirgisische Regierung zuvor im Gegensatz zu den USA umgehend anerkannt und ihr Unterstützung zugesagt.

Die Übergangsregierung sucht den Beistand Russlands und erwägt die frühzeitige Schließung des für die NATO in Afghanistan wichtigen US-Luftwaffenstützpunkts Manas. Die Laufzeit des Pachtvertrags für den US-Stützpunkt werde nun wohl gekürzt, hieß es aus der neuen Regierung. Den Stützpunkt nutzt die NATO zur Sicherung des Nachschubs für Afghanistan. Und auch sonst haben die USA strategische Interessen in dem Gebiet.

Regierung dankt Moskau
Die neuen Machthaber dankten Russland am Donnerstag für dessen Rolle beim Sturz von Präsident Kurmanbek Bakijew und erklärten Moskau zum wichtigsten strategischen Partner.

Telefonat mit Putin
Die bisherige Oppositionsführerin und neue Chefin der Übergangsregierung, Rosa Otunbajewa, hatte am Donnerstag gemeint, die wirtschaftliche Lage ihres Landes sei alarmierend. Premier Wladimir Putin habe bereits gefragt, wie Russland jetzt helfen könne. Putin hatte am Donnerstag mit Otunbajewa telefoniert.

"Er war freundlich"
Putin habe bei seinem Angebot zwar nicht von einer konkreten Geldsumme gesprochen. "Aber die Tatsache, dass er angerufen hat, freundlich war, ins Detail gegangen ist, nach Details gefragt hat - davon war ich angetan."

Temir Sarijew, Finanzminister der Übergangsregierung, sagte, er wisse, dass man sich in dieser Situation auf Russland verlassen könne. "Wir brauchen sowohl finanzielle als auch strategische Unterstützung", sagte er Reuters.

Hatte Russland die Hand im Spiel?
Putin zufolge hat sein Land die kirgisischen Proteste aber nicht unterstützt. "Russland hat seine eigene Rolle beim Sturz Bakijews gespielt", sagte Omurbek Tekebajew, ein Vertreter der Übergangsregierung, der Nachrichtenagentur Reuters und widersprach damit indirekt Putin. Die Freude Russlands über Bakijews Entmachtung sei offensichtlich gewesen, so Tekebajew.

USA: Kein anti-amerikanischer Putsch
Die USA erklärten unterdessen, noch nicht über die Anerkennung der Regierung Otunbajewa entschieden zu haben. Ein hochrangiger Berater der US-Regierung betonte jedoch, man stehe bereits seit Jahren mit den Personen in Kontakt, die nun offenbar die Macht in Kirgistan übernommen hätten.

"Das ist kein anti-amerikanischer Putsch. Und wir wissen sicher, dass der Umsturz nicht von den Russen gefördert wurde."

Strategische Interessen der USA
Kirgistan ist für den Westen von großem strategischen Interesse. Das an China grenzende Land liegt nördlich des Iran und Afghanistans und soll ein Bollwerk gegen islamische Extremisten bilden. Über den US-Luftwaffenstützpunkt Manas organisiert die NATO einen Teil ihres Nachschubs für die Truppen in Afghanistan.

Hin und Her bei Pachtvertrag
Die USA hatten Manas kurz nach Beginn des Krieges in Afghanistan 2001 gepachtet. 2009 hatte Bakijew Russland die Schließung zugesagt, nachdem ihm Moskau Milliardenhilfen in Aussicht gestellt hatte. Später machte der Präsident jedoch einen Rückzieher und erlaubte den USA zu bleiben - für eine höhere Pacht. Die nunmehrige Regierung könnte mit der Schließung allerdings Ernst machen.

US-Einfluss soll zurückgedrängt werden
Russland und die zentralasiatischen Republiken Kasachstan, Usbekistan, Tadschikistan und Kirgistan kooperieren zusammen mit China in der Schanghaier Organisation für Zusammenarbeit (SCO). Diese Gruppe wurde gebildet, um den Einfluss der USA in Zentralasien zurückzudrängen.

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