"Einige wenige profitieren", beklagt Zuma das Verfehlen der Ziele des "Black Economic Empowerment"-Programms (BEE). Die Masse der schwarzen Bevölkerung, eigentliche Zielgruppe des Wirtschaftsförderungsplans, gehe leer aus. Nach wie vor seien die meisten Unternehmen in weißer Hand, berichtete das Wirtschaftsmagazin "Economist".
Obwohl die Armut durch umfassende Sozialmaßnahmen gemildert worden sei, vergrößere sich die Kluft zwischen Arm und Reich. Die reichsten vier Prozent der Südafrikaner verdienen im Schnitt umgerechnet 60.000 Euro jährlich und verfügen damit über das Hundertfache der meisten ihrer Landsleute.
Gesetz zur gerechten Jobverteilung
In den Jahren der Apartheid-Politik war es für die schwarze Mehrheit Südafrikas schwierig, Zugang zu guter Ausbildung und qualifizierten Arbeitsplätzen zu erhalten. Durch den im Jahr 1998 beschlossenen Employment Equity Act, ein Gesetz zur Gleichstellung im Berufsleben, sollte die Jobverteilung zwischen den Bevölkerungsgruppen entsprechend ihrem Anteil an der Gesamtbevölkerung in Stufenplänen durchgesetzt werden.
Über ein Jahrzehnt später ist von diesen Plänen noch nicht viel umgesetzt. Immer noch stellen Weiße mehr als drei Viertel der Führungskräfte in der Privatwirtschaft. Dagegen sind nur zwölf Prozent der Leitungspositionen mit Schwarzen besetzt. Die restlichen zwölf Prozent verteilen sich auf Angehörige anderer ethnischer Herkunft. Die Verteilung ist somit fast entgegengesetzt zu den angestrebten Quoten.
Kaum Schwarze in Führungspositionen
Von den 295 an der Johannesburger Börse (JSE) notierten Unternehmen stehen nur vier Prozent unter der Leitung eines schwarzen Geschäftsführers, zwei Prozent haben einen schwarzen Finanzvorstand und 15 Prozent einen Schwarzen in einer anderen Führungsposition.
Das South African Institute of Race Relations (SAIRR) bezeichnet die angestrebten Quoten als absurd: Noch immer werden rund 40 Prozent der Universitätsabschlüsse von Weißen gemacht, laut Quote stünden ihnen aber nur knapp zehn Prozent der qualifizierten Positionen zu.
Quoten statt Motivation
SAIRR-Direktor John Kane-Bermann argumentiert, dass die Wirtschaftsförderungen, soweit sie bisher umgesetzt wurden, der Bevölkerung eher geschadet als genützt hätten: Schwarze würden dadurch entmutigt und demotiviert, und der Unternehmergeist werde gebremst. Kane-Bermann kritisiert zusätzlich, dass die Regierung nicht Talente fördere, sondern rein auf die Einführung und Überwachung der Quotenregelungen Wert lege.
Ein integraler Bestandteil der Initiative ist eine Wertungsliste, die Firmen mit einem jährlichen Umsatz von mindestens fünf Millionen Rand (rund 511.000 Euro) nach ihrem "Empowerment"-Fortschritt beurteilt. Das Ranking der Unternehmen ist unter anderem bei der Vergabe von Aufträgen der öffentlichen Hand sowie von Lizenzen und Konzessionen ausschlaggebend.
Der Analyst und Unternehmer Moeletsi Mbeki, Bruder des ehemaligen südafrikanischen Präsidenten Thabo Mbeki, sieht im BEE einen "tödlichen Schlag gegen die Entstehung von schwarzem Unternehmertum durch Schaffung einer kleinen Klasse von unterqualifizierten schwarzen Kapitalisten in höheren, durch Protektion und Quoten errungenen Positionen".
Angst vor Verstaatlichungen
Die Idee zur gesetzlichen Regelung wurde ursprünglich von einflussreichen weißen Geschäftsmännern unterstützt, wenn auch nicht ohne Hintergedanken. Sie wollten damit die Verstaatlichung wichtiger Unternehmen verhindern und so durch minimale Zugeständnisse den großen Anteil am Kuchen behalten. Betrachtet man die aktuellen Zahlen, haben sie recht behalten: Weiße halten noch immer den Großteil am südafrikanischen Reichtum.
Trotzdem macht sich in der weißen Bevölkerung Unmut über die Regelungen breit. Wie das SAIRR ermittelte, verließ in den letzten 15 Jahren rund ein Fünftel der weißen Bevölkerung das Land, großteils junge Menschen. Sie fühlen sich durch die Gesetze aus den Jobs gedrängt, beklagen eskalierende Gewalt und fehlende Zukunftschancen.
Umsetzung funktioniert schlecht
Der Großteil der führenden Wirtschaftstreibenden, unabhängig von der Hautfarbe, sieht das BEE jedoch als wichtigen Impuls für Südafrika - auch wenn sie einräumen müssen, dass die Umsetzung bisher schlecht funktioniert.
Präsident Zuma versprach nun eine Überprüfung. Er bedauerte, dass die wirtschaftliche Verwandlung des Landes, die Umverteilung von Macht und Reichtum "enttäuschend langsam" vorangehe. Unlängst berief er einen neuen Rat ein, der über eine viel breiter angelegte Neuauflage der Initiative beraten soll.
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