Für 38 Prozent der 300 in einer Blitzumfrage Befragten veränderte sich die Einstellung zur katholischen Kirche grundlegend. 56 Prozent können sich nicht oder nicht mehr vorstellen, ihre Kinder einer Einrichtung der katholischen Kirche anzuvertrauen.
Bemühen um Aufklärung unglaubwürdig?
Nur 28 Prozent glauben daran, dass die Kirche die Vorfälle selbst aufklärt: Mehr als zwei Drittel halten das für unglaubwürdig. 51 Prozent verlangen, dass die starke Bevorzugung kirchlicher Einrichtungen im Staat, basierend auf dem Konkordat, abgeschafft wird.
In Auftrag gegeben wurde die Studie von der "Unabhängigen Plattform/Privaten Initiative zum Schutz der Opfer kirchlicher Gewalt". Namentlich tritt noch niemand für die Plattform auf, die aber eine Website eingerichtet hat.
Landeskirchen werben um Vertrauen
Die Landeskirchen versuchen bereits nach Kräften, mit vertrauensbildenden Maßnahmen gegenzusteuern: Nach entsprechenden Stimmen aus Deutschland befürwortet nun auch die Erzdiözese Wien eine Pflicht kirchlicher Stellen, Fälle von Missbrauchsverdacht anzeigen zu müssen.
Ob der für Samstag erwartete Hirtenbrief des Papstes zweifelnde Kirchenmitglieder versöhnen kann, bleibt abzuwarten. Benedikt XVI. will es offenbar bei schon im Dezember angekündigten Äußerungen zum Missbrauchsskandal in der irischen Kirche belassen.
Missmut auch in der Kurie
Sogar im Vatikan sehen das manche offenbar als den falschen Weg: Laut der römischen Zeitung "La Repubblica" gab es in der Kurie einige, die sich angesichts der Ausweitung des Skandals in anderen Ländern eine allgemeine "Instruktion" an die gesamte Kirche gewünscht hätten.
Statt einer allgemeinen Aussage werden die Gläubigen in anderen Ländern aufgefordert, das Schreiben an die irische Kirche auf sich selbst zu beziehen. Wenn der Papst spreche, spreche er schließlich immer für die ganze Kirche, sagte etwa der Münchner Erzbischof Reinhard Marx.
Papst will "deutlich den Weg weisen"
Kurienkardinal Jose Saraiva Martins meinte am Donnerstag in Rom wiederum: "Der Heilige Vater wird den irischen Katholiken, aber auch allen Episkopaten deutlich die nötigen Wege weisen, wie die Plage der Pädophilie in der Kirche ausgemerzt werden kann."
Im Vatikan hatte es geheißen, der sich ständig ausweitende Missbrauchsskandal habe das Erscheinen des Hirtenbriefes verzögert. Das Schreiben des Papstes werde auf Englisch und Italienisch erscheinen, teilte das vatikanische Presseamt am Donnerstag mit.
Klärende Worte am Karfreitag?
Die Gläubigen richten ihre Hoffnung unterdessen bereits darauf, dass bei der Kreuzwegmeditation am Karfreitag in Rom klärende Worte des Vatikans folgen könnten. Laut Radio Vatikan ist noch offen, ob die Andacht auch auf den Skandal in der Kirche eingehen wird.
Vor fünf Jahren hatte der heutige Papst Joseph Ratzinger als Präfekt der Glaubenskongregation die Meditation verfasst und dabei bekannt: "Das verschmutzte Gewand und Gesicht deiner Kirche erschüttert uns. Aber wir selber sind es doch, die sie verschmutzen."
Links: