Der Bericht, dessen deutsche Ausgabe am Donnerstag in Berlin vorgestellt wurde, kommt zum Schluss, dass umweltfreundliche Technologien und staatliche Maßnahmen nicht mehr ausreichen, um einen Zusammenbruch der menschlichen Zivilisation zu verhindern.
"Brauchten 1,3 Erdbälle"
Derzeit nimmt die Menschheit laut dem Bericht "Zur Lage der Welt" mehr Ressourcen und Dienstleistungen in Anspruch, als die Erde zu bieten hat. Es brauchte "1,3 Erdbälle", um den derzeitigen Konsum auszugleichen.
Die Hauptverantwortung für den Raubbau liegt der Studie zufolge bei den hoch industrialisierten Ländern. Doch habe sich der Konsum inzwischen fast auf der ganzen Welt als allgemeines kulturelles Leitbild etabliert, frei nach dem Motto: "Ich konsumiere, also bin ich."
Dramatische Zahlen
Der Bericht untermauert die längst "natürlich" erscheinende Macht des Konsumismus mit dramatischen Zahlen:
- Der Konsum stieg um 28 Prozent binnen zehn Jahren (1996 - 2006) und versechsfachte sich von 1960 bis 2006.
- Berücksichtigt man das Bevölkerungswachstum, hat sich der Pro-Kopf-Konsum in diesen 46 Jahren noch immer verdreifacht.
- Weltweit werden täglich Bodenschätze im Umfang von 112 Empire State Buildings gefördert.
- Wenn jeder so viel konsumieren würde, wie ein US-Bürger (88 Kilo), könnte die Erde nur 1,4 Mrd. Menschen erhalten. Selbst wenn alle Menschen das weltweite Durchschnittseinkommen hätten - das entspricht Thailand und Jordanien - könnte die Erde nicht alle derzeit lebenden 6,8 Milliarden Menschen erhalten.
"Umwälzung der kulturellen Muster"
Die Menschen suchten "Sinn, Zufriedenheit und gesellschaftliche Akzeptanz in dem, was sie konsumieren", erklärte Worldwatch-Direktor Erik Assadourian. Der Hauptautor des Berichts, an dem rund 60 weitere Wissenschaftler mitarbeiteten, fordert deshalb "nichts Geringeres als eine Umwälzung der herrschenden kulturellen Muster".
"Chance, nicht Verzicht"
"Nach dem Unvermögen der Regierungen, sich auf eine globale Antwort auf den Klimawandel zu verständigen, kommt es um so mehr auf die aufgeklärten Bürger an", erklärte auch Ralf Fücks von der Heinrich-Böll-Stiftung, die ebenso wie Germanwatch an dem Bericht mitarbeitete.
Jeder Einzelne könne zum "Vorreiter für ein nachhaltiges Wohlstandsmodell werden". Wichtig sei es dabei, das neue Konsumverhalten nicht als Verzicht, sondern als Chance zu begreifen, sagte der Vorsitzende des Bundesverbandes der Verbraucherzentralen (vzbv), Gerd Billen.
Umweltschädliches Verhalten "ächten"
Laut Germanwatch-Autor Stefan Rostock bedeutet das im Umkehrschluss, dass "nicht nachhaltiges Verhalten sozial geächtet" werden müsse. Schon heute gebe es mehr und mehr Kinder, denen es peinlich sei, wenn ihre Eltern sie mit dem Auto bis vor die Schultür brächten. "Das müssen wir fördern", sagte Rostock.
Nach Auffassung von Germanwatch-Vorstandsmitglied Hendrik Vygen ist auch der Staat gefordert. Er müsse die Rahmenbedingungen schaffen, die es Bürgern erst ermöglicht, verantwortungsvoll mit den Ressourcen umzugehen: "Nachhaltiges Handeln muss zum Normalfall werden, nicht-nachhaltiges Handeln hingegen teurer und reguliert."
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