Lange Zeit hat Theater für Kinder und Jugendliche als weniger wichtige Form gegolten, als eine Nebenspielstätte der darstellenden Kunst. Moralischer Zeigefinger und kindische Produktionen waren an der Tagesordnung, das junge Publikum wurde oft nicht ernst genommen.
In den letzten zwanzig Jahren hat sich das kontinuierlich geändert. Die Szene für Kinder- und Jugendtheater in Österreich hat sich in vieler Hinsicht weiterentwickelt und professionalisiert.
Qualität wie im Erwachsenentheater
Sowohl die Inszenierungen als auch der Umgang mit dem jungen Publikum sprechen heute großteils eine andere Sprache als noch vor wenigen Jahren. Es wird genauso Wert auf Qualität gelegt wie im Theater für Erwachsene, und die Szene bietet eine ähnliche Vielfalt an unterschiedlichen Zugängen.
Großes Angebot in Österreich
Die Bandbreite des Angebots in Österreich deckt alle Sparten der darstellenden Kunst ab: Vom Tanz-, Musik- und Sprechtheater bis hin zu performativen Inszenierungen reicht das Angebot der verschiedenen Institutionen, Vereine und Festivals.
Auch die angesprochene Zielgruppe ist sehr weit gefasst, sie reicht vom Krabbelalter bis zu jungen Erwachsenen. Angesprochen werden sowohl Kindergärten, Schulklassen und Vereine als auch Kinder und Jugendliche direkt.
Zu wenige Förderungen
Trotz aller positiven Entwicklungen fehlt es den Kinder- und Jugendtheatermachern nach wie vor an kulturpolitischer Konsequenz und einer besseren Förderung durch den Bund und die Länder.
Größere Produktionen lassen sich oft schwer realisieren, fixe Kinder- und Jugendensembles gibt es bisher nur an vier Theatern in Österreich: dem Theater der Jugend, am Next Liberty in Graz, im u\hof: Linz und im Linzer Theater des Kindes.
Stephan Rabl, Obmann der Internationalen Theatervereinigung für Kinder und Jugendliche in Österreich (ASSITEJ), wünscht sich etwa mehr Förderung für Autorenarbeit, den Aufbau einer besseren Struktur für Dramaturgen und Theaterpädagogen.
Ernstzunehmende Kulturform
"Eine Kulturnation wie Österreich zeichnet sich erst dadurch aus, was sie für junge
Menschen zu bieten hat und tut", fasst Rabl sein Anliegen zusammen.
Unter dem Motto "Das Recht auf Kunst ist ein Kinderrecht" feiert die ASSITEJ seit 2001 den Welttag des jungen Theaters. Eines der wichtigsten Anliegen dabei ist die Positionierung des Kinder- und Jugendtheaters als eigenständige und ernstzunehmende Form in der Kulturlandschaft.
Internationale Vernetzung
ASSITEJ versteht sich als treibende Kraft zur Vermittlung darstellender Kunst in theoretischer und praktischer Hinsicht an Kinder und Jugendliche. Sie ruft dazu auf, das kreative Potenzial von Kindern zu fördern. 1989 schlossen sich Kulturschaffende aus Österreich dem Verband an.
Mittlerweile sind 77 Nationen der Welt vertreten, etwa Australien, Simbabwe, Schweden, Brasilien, Kanada, Israel, Korea, Türkei, Mexiko, Estland, Kenia, Japan und Island.
Kontakt mit Nachbarländern
Neben der internationalen Vernetzung sucht der österreichische Ableger vermehrt Kontakt zu den Nachbarn Deutschland, Schweiz und Südosteuropa.
Diese Vernetzung ist nicht nur aus künstlerischem Standpunkt wichtig, sondern fördert auch die Kooperationen auf EU-Ebene. Bisher ist die österreichische Kinder- und Jugendtheaterszene nämlich fast aus allen EU-Projekten ausgenommen, da nötige Kontakte fehlen.
Veranstaltungshinweis
Am Samstag finden österreichweit über 25 Veranstaltungen zum internationalen Welttag des Theaters für junges Publikum statt (Programm 2010, PDF).
Buchhinweis
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