"Mörder werden zur Rechenschaft gezogen"

USA warnen nun vor Reisen in die Region um Ciudad Juarez.
Eine Welle der Gewalt hat am Wochenende in Mexiko über 70 Menschen das Leben gekostet. Auch vor diplomatischem Personal machten die Killer nicht halt: In der Grenzstadt Ciudad Juarez wurden aus einem Auto heraus eine amerikanische Mitarbeiterin des US-Konsulats, ihr Ehemann sowie der Ehemann einer mexikanischen Angestellten erschossen. Insgesamt starben allein in Ciudad Juarez am Wochenende 19 Menschen.

Der Mord passierte untertags auf offener Straße: Das US-Ehepaar war mit seinem Baby auf dem Heimweg von einer Kinderparty, als sie an einem Autobahnkreuz von ihren Mördern aufgehalten und erschossen wurden. Das Baby wurde von den Einsatzkräften schreiend im Fonds gefunden. Es war das erste Mal seit Jahren, dass die Drogenkartelle US-Botschaftspersonal angriffen.

"Abscheuliche Tat"
Nach der Ermordung der US-Bürger will die mexikanische Regierung bei der Fahndung nach den Tätern eng mit den US-Ermittlern zusammenarbeiten.

In einer am Sonntag veröffentlichten Erklärung sprach die Regierung in Mexiko-Stadt den Angehörigen der Opfer ihr Beileid aus und sprach von einer "abscheulichen Tat". Die mexikanischen Ermittler würden mit ihren US-Kollegen zusammenarbeiten, um die Verantwortlichen für die Morde zu stellen.

Obama "empört"
US-Präsident Barack Obama sei "zutiefst erschüttert und empört über die Berichte von den brutalen Morden an den drei Menschen, die mit dem US-Konsulat in Ciudad Juarez in Verbindung standen", hieß es in einer Mitteilung des Sprechers des Nationalen Sicherheitsrates, Mike Hammer. Er kündigte Kooperation mit den mexikanischen Behörden an und betonte, die Mörder würden "zur Rechenschaft" gezogen werden.

Eine der gefährlichsten Städte
Das Außenministerium in Washington sprach eine Reisewarnung aus und forderte die Beschäftigten von sechs grenznahen US-Konsulaten auf, ihre Angehörigen aus der Region in Sicherheit zu bringen. Ciudad Juarez gilt als eine der gefährlichsten Städte Mexikos.

Durch sie führt eine der wichtigen Drogenrouten in die USA. Im vergangenen Jahr kamen dort im Zuge des Drogenkriegs mehr als 2.600 Menschen ums Leben.

Streit um Drogenrouten
Mexikanische Rauschgiftkartelle machen einander in Ciudad Juarez und Tijuana gegenseitig die Schmuggelrouten für Drogen in die USA streitig.

Der Drogenmafia werden rund 14.000 Morde seit Amtsantritt des konservativen Präsidenten Calderon Ende 2006 angelastet. Selbst der Einsatz Zehntausender Soldaten konnte die Welle der brutalen Gewalt bisher nicht eindämmen geschweige denn stoppen.

28 Morde in Acapulco
Brennpunkt der blutigen Auseinandersetzungen war am Wochenende aber der Bundesstaat Guerrero im Süden Mexikos. In Acapulco am Pazifik wurden am Wochenende 28 Personen getötet, darunter sechs Polizisten, wie lokale Medien berichteten. Sonntagfrüh kam es in einer Straße des Badeortes zwischen rivalisierenden Drogenbanden zu einer Schießerei, bei der zehn Personen getötet wurden.

Beamte fanden zudem fünf von Kugeln durchsiebte Leichen und an einer anderen Stelle weitere drei Leichen. Auch in anderen Gebieten des Bundesstaates Guerrero, in dem Acapulco liegt, wurden bei Schießereien weitere Menschen getötet, manche von ihnen enthauptet. Außerdem wurde ein am Freitag entführter Journalist tot entdeckt.

Angreifer explodierte mit Granate
Im südlichen Bundesstaat Chiapas griffen Unbekannte Einrichtungen der Staatsanwaltschaft aus Fahrzeugen mit Handgranaten an. Wie die Zeitung "El Universal" meldete, wurde dabei einer der Angreifer getötet, weil eine Granate noch im Auto explodierte.

Überfall auf Geburtstagsfeier
In dem nördlichen Bundesstaat Sinaloa starben acht Menschen, als Bewaffnete eine Geburtstagsfeier in der Ortschaft Navolato überfielen. In Mexiko-Stadt lieferte ein Krimineller der Polizei eine Verfolgungsjagd. Er raste mit voller Wucht in ein Restaurant und tötete dabei einen Gast.

Tausende Tote in einem Jahr
Im Krieg der Drogenkartelle untereinander und des Staates gegen die Banden sind in ganz Mexiko im vergangenen Jahr mehr als 7.000 Menschen ums Leben gekommen.

Brennpunkte der blutigen Auseinandersetzungen sind vor allem die nördlichen Bundesstaaten, die an die USA angrenzen, aber auch die Hauptstadtregion und die sie umgebenden Bundesstaaten.

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