Wie das isländische Fernsehen in der Nacht zum Sonntag nach Auszählung der Hälfte der Stimmzettel berichtete, votierten 93,6 Prozent der Wähler gegen das Ende 2009 vom Parlament angenommene Entschädigungsgesetz. Nur 1,6 Prozent waren dafür.
Nach Meinungsumfragen vor dem Referendum waren 70 bis 80 Prozent Neinstimmen erwartet worden.
Empörung über Zinsen
Das zur Abstimmung gestandene Gesetz sollte die schrittweise Rückzahlung von rund 3,8 Milliarden Euro regeln, die Sparer aus Großbritannien und den Niederlanden bei der isländischen Direktbank Icesave im Zuge der Finanzkrise verloren hatten.
Beide Länder hatten die Sparer voll entschädigt und fordern das Geld nun von Island zurück. Die Summe entspricht mehr als einem Drittel der jährlichen Wirtschaftsleistung des Landes.
Unter den 320.000 Bürgern hatte vor allem die im Icesave-Gesetz vorgesehene Zinsbelastung große Empörung ausgelöst.
Rücktritt ausgeschlossen
Unmittelbar nach Bekanntwerden der ersten Teilergebnisse erklärte Islands Regierung, dass sie den Sieg des Nein-Lagers anerkennen wolle.
Ministerpräsidentin Johanna Sigurdardottir sagte im isländischen Fernsehen, dass das Ergebnis nicht unerwartet gekommen sei. Das Gesetz sei nach weiteren Verhandlungen der vergangenen Wochen mit den Niederlanden und Großbritannien bereits obsolet gewesen, und die Volksabstimmung habe das lediglich bestätigt.
Sigurdardottir hatte am Vortag die Bürger dazu aufgerufen, nicht zur Abstimmung zu gehen, und angekündigt, selbst nicht abzustimmen. Einen Rücktritt für den Fall der allseits erwarteten Ablehnung des Gesetzes schloss Sigurdardottir bereits im Vorfeld aus.
Auswirkungen auf EU-Beitrittsbestrebungen?
Beobachter erwarten, dass das Nein der Bevölkerung nun die Zahlung internationaler Hilfsgelder verzögern und damit die Wirtschaft des Landes weiter schwächen könnte.
Zudem könnte sich das Referendum noch problematisch für die EU-Beitrittsbestrebungen Islands erweisen.
Die Regierung in Reykjavik kündigte noch vor dem Referendum an, schon kommende Woche weitere Gespräche mit den Regierungen in Großbritannien und den Niederlanden über eine neue Rückzahlungsvereinbarung führen zu wollen.
"Wahl zwischen Demokratie und Finanzmärkten"
Erzwungen wurde das Referendum von Präsident Olafur Grimsson, der wegen breiter Kritik an dem Vorhaben sein Veto gegen das bereits vom Parlament verabschiedete Gesetz eingelegt hatte.
"Ich bin zu der Überzeugung gelangt, dass Sie sich bei der Wahl zwischen der Demokratie und den Finanzmärkten für die Demokratie entscheiden müssen", sagte Grimsson am Samstag in seiner Residenz nahe der Hauptstadt Reykjavik.
Im Übrigen habe die Ansetzung des Referendums bereits den positiven Effekt gehabt, dass die Milliardenentschädigung auf den Prüfstand gestellt wurde. Zahlreiche Experten seien dabei zu dem Schluss gekommen, "dass die Briten und Niederländer Island über Gebühr gehänselt haben".
Proteste in Reykjavik
Ihren Unmut über das Icesave-Gesetz bekundeten rund 2.000 Isländer am Abstimmungstag auch lautstark bei einer Protestveranstaltung in Reykjavik. Eine Protestkundgebung gab es auch vor der isländischen Botschaft in Oslo.
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