Gleichzeitig sind sie in vielen Ländern das einträglichste Geschäft im Verlagswesen. Konkrete Zahlen liegen etwa für 2007 in den USA vor, damals wurden 1,4 Milliarden Dollar mit den Herz-Schmerz-Geschichten umgesetzt. Die beiden Psychologen Anthony Cox und Maryanne Fisher hielten die Titel deshalb einer näheren Erforschung wert.
Fit und erfolgreich soll der Mann sein
Sie befüllten eine Datenbank mit den Titeln von 15.000 Liebesromanen, die im kanadischen Harlequin-Verlag von 1949 bis 2009 erschienen, wie das Wissenschaftsmagazin Miller-McCune berichtet. Ihre These lautet, dass man anhand der Titel der Heftchen auf die Wünsche der fast ausschließlich weiblichen Leserschaft schließen könnte.
Das Ergebnis ist naheliegend. Demnach wünschen sich Leserinnen von Liebesromanen Langzeitbeziehungen mit einem physisch fitten, finanziell abgesicherten Mann, der die Ressourcen bieten kann, erfolgreich eine Familie zu gründen.
Liebe, Braut, Baby
Die Forscher werteten die Titel der Romane statistisch aus. Das am häufigsten verwendete Wort war "Liebe" (840-mal), gefolgt von "Braut" (835-mal) und "Baby" (696-mal). Auf den Plätzen drei und vier folgen "Mann" mit 672 und "Ehe" mit 612 Nennungen.
Daraus lasse sich schließen, dass die Themen Langzeitbindungen und Reproduktion besonders im Vordergrund stünden. Das spiegle sich auch in den Geschichten selbst deutlich wider.
Vom Arzt bis zum Ritter
Weiters zählten Cox und Fisher, wie oft welche Berufsgruppen in den Heftchentiteln vorkommen. 388 der Charaktere sind Ärzte. Kein Wunder, meinen die Forscher, weil sich Mediziner um andere kümmern und (zumindest in den Romanen) viel verdienen.
Überraschend ist schon eher, dass mit 314 Nennungen auf Platz zwei Cowboys folgen. Die Studienautoren bringen das mit der Annahme in Verbindung, dass Cowboys attraktiv sind - im Sinne von muskulös und athletisch, weil sie schließlich harte körperliche Arbeit leisten müssen.
Platz drei scheint wieder logisch zu sein: Krankenschwestern (224). Sie sind entsprechend oft mit Ärzten liiert. Dahinter folgt der nicht näher spezifizierte "Boss", gefolgt vom Prinzen, danach kommen der Rancher und schließlich der Ritter.
Genug davon
Der kanadische Harlequin-Verlag, in dem die Forschungsobjekte von Cox und Fisher erschienen sind, ist laut Wikipedia weltweit eines der größten Unternehmen, die leichte bis seichte Literatur unter den Labels "romance" und "women's fiction" veröffentlichen.
Jeden Monat erscheinen 120 neue Titel in 29 verschiedenen Sprachen, 107 nationale Märkte werden versorgt. 1.300 Autoren schreiben an den Romanen, von denen alleine 2006 131 Millionen verkauft wurden.
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