Hunderttausende Liter Heiz- und Dieselöl waren am Vortag aus drei Tanks der Raffinerie Lombarda Petroli di Villasanta ausgelaufen und in den Po-Zufluss Lambro geflossen.
Rettungsaktion läuft
Mit mehreren Sperren auf dem Lambro südlich von Mailand versuchte der Zivilschutz am Mittwoch, größeren Schaden von der 650 Kilometer langen Wasserader abzuwenden. Der Ölfilm erreichte zwar gegen Mittag den Po, doch hoffte der Zivilschutz, eine größere Ölpest dort noch in letzter Minute vermeiden zu können.
Barrieren können Öl nicht stoppen
Die Ölschicht erreichte den Po südlich von San Zenone al Lambro, dort, wo der Nebenfluss in den Strom mündet. Der Po ist in diesem Abschnitt normalerweise sauber.
Trotz der schwimmenden Barrieren auf dem Lambro war es dem Zivilschutz und den Feuerwehren zunächst aber nicht gelungen, die schwarze Flut zu stoppen, so dass neue Sperren aufgebaut werden mussten, um den Ölfilm dann absaugen zu können.
Bauspekulationen als Hintergrund?
Nach ersten Polizeiangaben steht zweifelsfrei fest, dass das Öl absichtlich durch Öffnen der Ventile in den Po-Nebenfluss geleitet wurde. Die Hintergründe der Tat waren zunächst unklar. In der Nähe der seit Jahren stillgelegten Raffinerie sind große Bauprojekte geplant.
Bauspekulationen könnten somit hinter der kriminellen Tat stehen, meinten italienische Medien. Die Raffinerieverantwortlichen hätten auch nur zögerlich Alarm geschlagen, heißt es. Die schwarze Ölflut sei erst in einer Kläranlage bei Monza bemerkt worden.
Zögernder Alarm
"Das war ein krimineller Akt", sagte der Präsident der Lombardei, Roberto Formigoni. Seinen Angaben zufolge liefen etwa 600.000 Liter Öl aus.
Zudem hätten die Raffinerieverantwortlichen nur zögernd Alarm geschlagen. Erst relativ spät sei so das ausgetretene Öl in einer Kläranlage bei Monza bemerkt worden.
Schaden in Millionenhöhe
Hunderte Tiere, vor allem Vögel, seien bereits verendet, hieß es. In der klebrigen Masse auf der Flussoberfläche trieben bereits tote Enten. Der Schaden unter anderem an Fauna und Flora dürfte in die Millionen gehen, zumal auch die Kläranlage stärker beschädigt wurde, so der "Corriere della Sera".
Die Mailänder Präfektur hat einen Krisenstab eingerichtet, um noch möglichst viel Öl mit Sperren südlich der italienischen Wirtschaftsmetropole auffangen zu können.
Trinkwasser noch genießbar
"Das ist ein großes Umweltdesaster, Folge eines kriminellen Aktes, aber auch der schuldhaften Nachlässigkeit seitens des Unternehmens", sagte der Umweltverantwortliche der Region Lombardei, Massimo Ponzoni. Das Trinkwasser der Region sei weiter genießbar, "auch wenn es einen unangenehmen Geruch haben sollte", sagen die Behörden.
"Gefährliche Kettenreaktion"
Das Becken des Lambro gilt ohnehin bereits als eine der am stärksten verschmutzten Gegenden Italiens.
Die Umweltschutzorganisation WWF äußerte sich zutiefst besorgt. Das Öl habe eine "gefährliche Kettenreaktion" in Gang gesetzt, vielerorts in der Region seien durch die Verschmutzung die Kläranlagen ausgefallen, erklärte die deutsche WWF-Vertretung am Mittwoch. Auch der nahe gelegene Naturpark könne durch die Ölpest in Mitleidenschaft gezogen werden.
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