NHTSA im schiefen Licht

Der Behörde fehlt es auch an Kompetenz, die Elektronik zu überprüfen.
Nach der Pannenserie und der Rückrufaktion von Millionen Fahrzeugen des japanischen Autokonzerns Toyota gerät die kontrollierende US-Behörde für Verkehrssicherheit (NHTSA) in ein schiefes Licht.

Es erhärten sich derzeit Vorwürfe, Toyota habe sich mit der US-Aufsichtsbehörde auf eine Sparlösung zur Reparatur der seit Jahren bekannten Probleme mit den Gaspedalen verständigt. Das erhöhte den Druck auf Konzernchef Akio Toyoda, der am Mittwoch vor dem Kongress in Washington aussagen muss.

Brisante Papiere
Interne Dokumente, die Toyota den Ausschüssen überlassen hatte, untermauern diese Sichtweise. Darin rühmt sich der Konzern, vor drei Jahren durch gute Lobbyarbeit in den USA einen massiven Rückruf vermieden zu haben. Dadurch habe das Unternehmen 100 Millionen Dollar gespart, hieß es in den Papieren.

Probleme mit Gaspedal seit 2003 bekannt
Bereits damals ging es um das ungewollte Beschleunigen durch klemmende Fußmatten in einigen Toyota-Modellen. Am Ende der Diskussion mit der US-Behörde rief der japanische Hersteller im September 2007 lediglich 55.000 Autos zurück.

Die Untersuchung wegen der unabsichtlichen Beschleunigung wurde beigelegt, indem lediglich Fußmatten ausgetauscht wurden. Der NHTSA sollen die Probleme aber schon seit 2003 bekannt gewesen sein. Mittlerweile sind es 5,3 Millionen Wagen, die alleine wegen dieses Mangels in die Werkstätten müssen.

Toyota: Schlussfolgerung falsch
"Die Sicherheit unserer Kunden hat für uns oberste Priorität", hieß es von Toyota. "Etwas anderes auf Basis einer internen Präsentation zu schlussfolgern ist falsch."

Ministerium: Vielsagend
Das US-Verkehrsministerium betrachtet das Dokument als Beweis dafür, dass Toyota nur zögerlich auf die Sicherheitsprobleme reagiert hat. "Dieses Dokument ist sehr vielsagend", sagte eine Sprecherin.

Die Vorwürfe könnten einen Rückschlag für die von Toyoda zur Chefsache erklärte Qualitätsoffensive bedeuten. Der Konzern rechnet damit, dass die Rückrufe im Geschäftsjahr bis Ende März operativ zwei Mrd. Dollar kosten. Allein in den USA brach der Absatz um 16 Prozent ein.

Abgeordnete: Unzulängliche Fehlersuche
Die führenden Köpfe eines der Ausschüsse, welche die Pannenserie bei Toyota aufklären sollen, die Kongressabgeordneten Henry Waxman und Bart Stupak, gehen vor den Terminen mit Toyota hart ins Gericht.

Sie werfen dem Autohersteller eine unzulängliche Fehlersuche vor. Sie bemängeln, dass Toyota schon früh Probleme mit der Elektronik als Grund für das ungewollte Beschleunigen ausgeschlossen habe.

Behörde konnte Fehler nicht erkennen
Die Abgeordneten führen Belege an, die auf Mängel in der Elektronik hindeuten. Wie bei vielen anderen Autoherstellern auch ist das Gaspedal bei Toyota zumeist nur über Sensoren und Chips mit dem Motor verbunden. Der althergebrachte Seilzug fehlt.

Der US-Behörde für Verkehrssicherheit fehle es aber an der Kompetenz, Defekte in der Elektronik zu erkennen, sagen Waxman und Stupak.

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