Empfang im Map Room

Obama empfing Dalai Lama unter Ausschluss der Öffentlichkeit.
Kühler Empfang für den Dalai Lama in Washington: Zwar hat US-Präsident Barack Obama am Donnerstag das Oberhaupt der Tibeter trotz Kritik aus China im Weißen Haus getroffen. Allerdings waren keinerlei Kameras und Mikrofone zugelassen, auch ein gemeinsamer Auftritt vor der Presse fand nicht statt.

Das gilt in Washington als Geste Obamas, die chinesische Führung nicht zusätzlich zu verärgern und die ohnehin angespannten Beziehungen zu China nicht weiter zu verschlechtern. Ein Sprecher des US-Außenministeriums sprach von "komplexen Beziehungen" beider Staaten.

Bilaterales Verhältnis belastet
Die Reaktion aus China folgte postwendend. Das Außenministerium bestellte am Freitag den US-Botschafter in Peking ein, um förmlich Protest gegen das Treffen einzulegen. Die Regierung in Peking hielt Obama vor, sein Verhalten habe den US-chinesischen Beziehungen "ernsthaft geschadet".

Die chinesische Regierung wirft dem Oberhaupt der Tibeter Separatismus vor. Umfangreiche US-Waffenlieferungen an Taiwan sowie anhaltende Differenzen in Handels- und Währungsfragen belasten die Beziehungen zusätzlich.

Offenbar aus Protest gegen das Treffen zeigte China im Vorfeld dem US-Flugzeugträger "USS Nimitz" und rund 5.000 US-Matrosen in Hongkong die kalte Schulter. Entgegen sonstigen Gepflogenheiten wollten chinesische Militärs dem Schiff keinen Besuch abstatten, berichtete die "South China Morning Post" am Donnerstag. Der Flugzeugträger und vier Begleitschiffe waren kurz zuvor zu einem viertägigen Besuch eingetroffen.

Privates Treffen
Angesichts der heftigen Proteste Chinas war das Treffen Obamas mit dem Dalai Lama mit großer Spannung erwartet worden. Spekuliert wurde weniger über die Gesprächsthemen als über den Rahmen der Begegnung am Donnerstagvormittag (Ortszeit) im Weißen Haus.

Allgemein wurde bereits im Vorfeld damit gerechnet, dass es ein privates Treffen bleiben würde - ohne Presse- und Fototermin und ohne öffentliche Erklärung.

Dafür sprach allein schon der Ort der Zusammenkunft: Obama empfing das tibetische Exil-Oberhaupt im Map Room, in den gewöhnlich Privatgäste des Präsidenten gebeten werden. Staatsempfänge finden dagegen im Oval Office statt. Offensichtlich war die US-Regierung darum bemüht, die chinesische Führung nicht noch weiter zu verärgern.

"Grobe Verletzung" internationaler Normen
Ungeachtet dessen verurteilte China das Treffen scharf. Obamas Gespräch mit dem geistlichen Oberhaupt der Tibeter habe "die in den internationalen Beziehungen herrschenden Regeln grob verletzt", erklärte das Außenministerium in Peking am Donnerstag nach Angaben der amtlichen Nachrichtenagentur Xinhua.

Das Treffen widerspreche außerdem den wiederholten Beteuerungen der USA, dass sie Unabhängigkeitsbestrebungen Tibets ablehnten und das Gebiet als Teil Chinas betrachteten, kritisierte Außenamtssprecher Ma Zhaoxu.

Tibeter zufrieden
Die Tibeter zeigten sich mit dem Treffen unterdessen zufrieden. Man habe das Gefühl, nicht gänzlich von der Welt vergessen zu werden, sagte Lodi Gyari, ein Gesandter des Dalai Lama.

"Nachhaltige Unterstützung"
Laut einer schriftlichen Erklärung des Weißen Hauses sagte Obama dem Dalai Lama seine "nachhaltige Unterstützung beim Erhalt von Tibets einzigartiger religiöser, kultureller und sprachlicher Identität" zu.

Obamas Unterstützung gelte auch "dem Schutz der Menschenrechte für Tibeter in der Volksrepublik China", hieß es in der Erklärung. Der Präsident habe ausdrücklich das "Engagement des Dalai Lama für Gewaltlosigkeit und Dialog" gewürdigt.

Der Dalai Lama sagte, er sei "sehr glücklich" über die rund 45-minütige Begegnung: "Der Präsident hat seine Unterstützung zugesagt."

Letztes öffentliches Treffen 2007
Auch frühere Treffen des Dalai Lama mit US-Präsidenten fanden in der Regel ohne Pressebegleitung statt.

Obamas Vorgänger George W. Bush zeigte sich allerdings 2007 mit dem Dalai Lama bei einem öffentlichen Termin, als dem Friedensnobelpreisträger eine hohe Auszeichnung des US-Kongresses verliehen wurde.

Experten: "Keine dramatische Zuspitzung"
China-Experten in Washington sehen allerdings ungeachtet der zunehmenden Spannungen zwischen Peking und den USA keine dramatische Zuspitzung voraus.

"Beiden Seiten wollen jeden ernsthaften Bruch vermeiden", sagte Robert Barnett von der Columbia-Universität in New York. Allerdings gebe sich Peking "immer selbstbewusster auf der internationalen Bühne" und dulde keine Einmischung in die Tibet-Frage.

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