"Ungesetzliches Verhalten" ohne "bösartigen Vorsatz"

Eltern und Geschwister Jackson ebenfalls bei Gericht.
Im Zusammenhang mit dem Tod von Popstar Michael Jackson hat die Staatsanwaltschaft in Los Angeles Anklage gegen dessen Leibarzt Conrad Murray erhoben. Die Klage laute auf fahrlässige Tötung, teilte das Büro des Distriktsstaatsanwalts von Los Angeles am Montag mit.

Murray habe Jacksons Tod durch "ungesetzliches" Verhalten verursacht, ohne dass er dabei einen "bösartigen Vorsatz" verfolgt habe, hieß es in einer Erklärung. Darauf stehen nach kalifornischem Recht bis zu vier Jahre Haft. Murray plädierte auf nicht schuldig.

75.000 Dollar Kaution
Die Kaution wurde lauit dem Internetdienst TMZ.com mit 75.000 Dollar in etwa dreimal so hoch angesetzt wie in vergleichbaren Fällen. Die Staatsanwaltschaft wollte sogar 300.000 Dollar, doch der Leiter von Murrays Anwaltsteam, Edward Chernoff, hielt dagegen, dass keine Fluchtgefahr bestehe. Murray musste trotzdem seinen Reisepass abgeben.

Auf Anordnung des Gerichts darf der Arzt auch keine Betäubungsmittel mehr besitzen oder verschreiben. Die nächste Anhörung soll am 5. April stattfinden.

Jackson-Familie anwesend
Schon Stunden vorher bezogen zahlreiche TV-Reporterteams mit Satellitenwagen Position. Jacksons Eltern Katherine und Joe sowie seine Geschwister Tito und LaToya trafen ebenfalls bereits ein. Demonstranten schwenkten vor dem Gebäude Spruchbänder mit Parolen wie "Die Welt fordert Gerechtigkeit für Michael".

Tödliche Dosis Schlafmittel
Der Kardiologe war der Letzte, der Jackson lebend sah. Er stand seit dessen plötzlichem Tod am 25. Juni im Zentrum der Ermittlungen. Murray war bei Jackson, als dieser im Alter von 50 Jahren starb, wenige Wochen vor einer geplanten Serie von Comeback-Konzerten in London.

Laut Autopsiebericht wurde der Tod durch das Betäubungsmittel Propofol in Verbindung mit weiteren Beruhigungsmitteln ausgelöst. Murray hatte zugegeben, dem an Schlafstörungen leidenden Popstar kurz vor dessen Tod Propofol und andere Beruhigungsmittel verabreicht zu haben, um ihm zum Einschlafen zu verhelfen.

Grobe Fahrlässigkeit?
Murray erklärte, nichts von dem, was er dem Popstar gegeben habe, hätte Jackson töten dürfen. In einem Prozess dürften Experten mit Aussagen über den Einsatz von Propofol zu Wort kommen. Unter anderem müsste geklärt werden, ob es sich um grobe Fahrlässigkeit handeln kann, wenn das Mittel in einem Privathaushalt verabreicht wird. Üblicherweise wird es in Krankenhäusern eingesetzt.

Als Leibarzt eingestellt
Murray war von Jackson als Leibarzt eingestellt worden, während sich der Popstar auf seine Comeback-Konzerte vorbereitete. Der Mediziner schloss für die mit 150.000 Dollar (110.000 Euro) dotierte Stelle bei Jackson seine kardiologischen Praxen in Houston und Las Vegas, um sich gänzlich der Betreuung Jacksons widmen und ihn auf Reisen begleiten zu können.

Im November erklärte Chernoff dazu, Murray habe für die Zeit als Jacksons Arzt kein Honorar bekommen. Der Mediziner habe seit sieben Monaten kein Geld mehr verdient, und es sei fraglich, ob er sein Haus behalten und seine Familie unterhalten könne.

Gezerre um Termin
Seit sich die Hinweise auf eine Anklageerhebung gegen den Arzt in der vergangenen Woche verdichteten, verschob sich der Termin für die Anklageerhebung immer wieder: Dabei ging es vor allem um die Frage, ob es Murray ermöglicht wird, sich der Justiz selbst zu stellen, oder ob er von der Polizei verhaftet und in Handschellen vorgeführt wird. Seine Anwälte wollten es Murray ersparen, vor einem Millionenpublikum - einschließlich potenzieller Geschworener für den Prozess - in Handschellen aufzutreten.

Einige hartnäckige Jackson-Fans wollten aber genau das erreichen und hatten in einer Telefonaktion die Polizei in Los Angeles mit der Forderung bestürmt, Murray Handschellen anzulegen. Für den Fall, dass sich der Arzt freiwillig den Behörden stellen dürfte, hatten sie Proteste vor dem Gericht in Flughafennähe angekündigt. Ihre Wünsche wurden aber schließlich doch nicht erfüllt: Murray musste keine Handschellen tragen.

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