Widerstand gegen Sparpläne

Derzeit studieren in Großbritannien 42 Prozent der 18- bis 30-Jährigen an einer Universität.
Im internationalen Vergleich können sich britische Universitäten sehen lassen. Elite-Unis wie Oxford und Cambridge liegen in Unirankings meist in den Top Ten. Diese Stellung der traditionsreichen Kaderschmieden gerät nun ins Wanken.

Nach den heftigen Studentenprotesten in Österreich und Deutschland wehren sich die britischen Universitäten gegen die Sparpläne der Regierung.

Rund 449 Millionen Pfund (514 Mio. Euro) weniger sollen die Unis 2010/2011 bekommen - ein Minus von fünf Prozent. Insgesamt sollen in den nächsten drei Jahren 950 Mio. Pfund (knapp eine Mrd. Euro) gespart werden.

Postgraduate-Absolventen statt Professoren
Univertreter warnen, dass die Kürzungen einen "verheerenden Effekt haben werden - nicht nur auf die Studenten und das Personal, sondern auch auf die britische internationale Wettbewerbsfähigkeit, die Wirtschaft und die Fähigkeit, sich von der Rezession zu erholen".

Die Vertreter der Universitäten schlugen Alarm und kündigten drastische Maßnahmen an, die durch die Einsparungen notwendig geworden seien. So könnten etwa Postgraduate-Absolventen Professoren ersetzen. Bis zu 15.000 Posten drohen laut der University and College Union (UCU) verloren zu gehen. Auch von stärkeren Maßnahmen war bereits die Rede. Lektoren der Universität Leeds kündigten für diese Woche einen Streik an.

Campusschließungen möglich
An einigen Universitäten würden Campusschließungen und die Absetzung von Lehrveranstaltungen notwendig. Geisteswissenschaftliche Fächer seien von den Kürzungen laut Professoren mehr betroffen als naturwissenschaftliche und technische Studien.

Wirtschaftsminister Peter Mandelson wies diese Vorwürfe zurück und sprach von "groben Übertreibungen": "Wir diktieren Universitäten nicht, welche Kurse sie anbieten", sagte er im "Guardian".

Suche nach neuen Geldquellen
Die universitären Institutionen sollten die geplanten Budgetkürzungen vielmehr als Chance sehen, ihre Organisationsstruktur zu überdenken. "Engere Budgets können die britischen Universitäten zu einer weiteren Ausdifferenzierung von Geldquellen anspornen", so Mandelson.

Einige Universitäten denken bereits Kooperationen mit der Wirtschaft an. Im Gegensatz zu US-Elitehochschulen sind die britischen Topunis vor allem vom Staat und damit von den Steuerzahlern finanziert.

Skepsis gegenüber US-Weg
Nun warnen britische Unis, dass sie in die Richtung der quasi-privatisierten US-Institutionen gedrängt werden. Mit dem Schritt, Bildungsausgaben zu kürzen, geht die britische Regierung einen gegensätzlichen Weg zu US-Präsident Barack Obama, der die Bildungsausgaben um über 30 Prozent steigern möchte.

Die Möglichkeiten der Unis, selbst Gelder aufzustellen, sind begrenzt. Stiftungsgelder sind bescheiden, die Studiengebühren sind auf rund 4.000 Pfund pro Jahr gesetzlich begrenzt.

Plätze beschränkt
Die Regierung deckelt nun die Zahl der Studienplätze auf der Höhe von 2008 für Studierende aus Großbritannien und anderen EU-Staaten. Für Studierende aus Ländern außerhalb der Europäischen Union hingegen gebe es keine Beschränkungen.

Einige Unis planen daher, über eine höhere Zahl von außereuropäischen Studenten mit höheren Studiengebühren das Budget aufzubessern.

Wie am Montag veröffentlichte Zahlen zeigen, gab es bei den neuen Unibewerbungen mit einem Zuwachs von knapp 23 Prozent einen neuen Rekord. Demnach gab es um über 100.000 Bewerber mehr als im vergangenen Jahr. Diese Zahlen seien laut der Servicestelle für Bewerbungen (UCAS) auch aufgrund der schlechten Wirtschaftssituation gestiegen, berichtete die "Times". Insgesamt werde es gleichzeitig aber um rund 6.000 Plätze weniger geben.

Verschärft werde diese Situation auch dadurch, dass Universitäten mit 4.000 Pfund (4.576 Euro) pro Student, der über der festgelegten Quote aufgenommen wird, bestraft werden. Die Platzproblematik könnte auch in Großbritannien zu einer Art weiterer Zugangsbeschränkungen führen. Einige Unis könnten für bereits absolvierte Bewerbungen bessere Noten fordern, berichtete etwa die britische Zeitung "Telegraph".

Regierung verteidigt sich
In den vergangenen Jahren habe die Regierung enorm viel in das Bildungssystem investiert. Nun seien angesichts des hohen Budgetdefizits Kürzungen auch bei den Universitäten notwendig, verteidigte Mandelson die Sparpläne.

Seit 1997 seien die Förderungen für die Universitäten um 25 Prozent gestiegen. Universitäten müssten nun "nicht mehr tun, als ihren fairen Anteil daran zu leisten, den Gürtel enger zu schnallen".

Bisher verfolgte die Regierung das Ziel, den Zugang zu Universitäten auszuweiten. Der Anteil der 18- bis 30-Jährigen, die in Großbritannien studieren, stieg demnach auf 42 Prozent. Damit dürfte angesichts der geplanten Kürzungen auch ein vorläufiger Höhepunkt erreicht sein.

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