Drei Österreicher mit Oscar-Chancen

Jeweils neun Nominierungen für "Avatar" und "The Hurt Locker".
Bei der 82. Oscar-Verleihung, die am 7. März in Hollywood über die Bühne geht, haben gleich drei österreichische Künstler Chancen auf die wichtigste Trophäe der Filmwelt.

Nicht nur Regisseur Michael Haneke und Schauspieler Christoph Waltz wurden am Dienstag für den Oscar nominiert, auch Hanekes Kameramann Christian Berger steht auf der offiziellen Nominierungsliste.

"Das weiße Band" nominiert
Haneke ist mit der österreichisch-deutsch-französisch-italienischen Koproduktion "Das weiße Band", die maßgeblich vom ORF kofinanziert wurde, im Rennen um den besten nicht-englischsprachigen Film. "Das weiße Band" hat bereits die Goldene Palme in Cannes und den Golden Globe gewonnen.

Bergers Nominierung überraschend
Waltz, der ebenfalls zuvor in Cannes und bei den Golden Globes erfolgreich war, hat mit seiner Darstellung eines sadistisch-charmanten SS-Offiziers in Quentin Tarantinos "Inglourious Basterds" Chancen, zum besten Nebendarsteller gekürt zu werden.

Die größte Überraschung dagegen ist Bergers Nominierung für seine brillante Kameraarbeit bei "Das weiße Band".

Neun Nominierungen für "Avatar"
Mit jeweils neun Nominierungen führt ein geschiedenes Regiesseurehepaar das Rennen an:
James Camerons "Avatar - Aufbruch nach Pandora" und der Irak-Kriegsfilm "Tödliches Kommando - The Hurt Locker" von Camerons Ex-Frau Kathryn Bigelow.

Beide Produktionen wurden am Dienstag in Los Angeles in je neun Kategorien für den Preis vorgeschlagen, darunter als beste Produktion des Jahres und für die beste Regie.

Zwei Filme sechsfach nominiert
Quentin Tarantino ist mit acht Oscar-Chancen seiner "Inglourious Basterds" dicht auf den Fersen der Favoriten.

Jeweils sechs Nominierungen konnten "Up in the Air" von Jason Reitman mit George Clooney als vielfliegender Entlassungsexperte und das beklemmende Sozialdrama "Precious" über ein von seinen Eltern geschlagenes und vergewaltigtes schwarzes Mädchen einheimsen.

Als weitere Anwärter in der Hauptkategorie sind "The Blind Side", "District 9", "Oben", "A Serious Man" und "An Education" nominiert.

Chancen für Clooney und Streep
Unter den Hoffnungsträgern für den Hauptrollen-Oscar sind Jeff Bridges als saufender Country-Musiker in "Crazy Heart", George Clooney ("Up in the Air"), Morgan Freeman ("Invictus"), Colin Firth ("A Single Man") und Jeremy Renner ("Tödliches Kommando - The Hurt Locker").

Bei den Schauspielerinnen erhielt Sandra Bullock nach dem Golden Globe auch eine Oscar-Nominierung für "Blind Side - Die große Chance". Chancen haben auch Helen Mirren ("Ein russischer Sommer"), Carey Mulligan ("An Education"), Gabourey Sidibe ("Precious") und Meryl Streep als Starköchin Julia Child in "Julie & Julia".
Für Streep ist es bereits die 16. Oscar-Nominierung.

Lebenswerk-Auszeichnung bereits vergeben
Mit den Ehrenoscars wurden die Schauspielerin Lauren Bacall, Regisseur Roger Corman und Kameramann Gordon Willis für ihr Lebenswerk ausgezeichnet.

Die Preise wurden bereits im November beim traditionellen "Governors Event" in Hollywood vor rund 600 prominenten Gästen übergeben. Die amerikanische Filmakademie brach damit mit der Tradition, alle Preise bei einer einzigen großen Galashow zu überreichen. Ausschnitte der Aufzeichnung der Veranstaltung sollen bei der 82. Oscar-Verleihzeremonie am 7. März 2010 gezeigt werden.

Heimische Politik und Branche begeistert
In den ersten Reaktionen auf die österreichischen Nominierungen schwang sowohl in Politik als auch bei Brancheninsidern Stolz und einhellige Freude mit. Schon die Nominierungen seien große Anerkennungen, betonte Kulturministerin Claudia Schmied (SPÖ): Der große Erfolg österreichischer Filmschaffender sei weltweit einzigartig", so die Ministerin.

"Das ist ein weiterer Meilenstein, der auch international das Können heimischer Filmschaffender unter Beweis stellt", erklärte BZÖ-Kultursprecher Stefan Petzner.

"In einer schon fast unglaublichen Serie bestätigt der österreichische Film seine enorme internationale Bedeutung", so Roland Teichmann, Direktor des Österreichischen Filminstitutes. "Das ist in mehrfacher Hinsicht ein Hattrick - nicht nur für Michael Hanekes "Das weiße Band", sondern für den österreichischen Film", freute man sich im Fachverband der Film- und Musikindustrie. ORF-Generaldirektor Alexander Wrabetz gratulierte Haneke, Waltz und Berger.

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