"Jeder Tag kostbar"

In Umfragen stellte sich ein Großteil der Briten hinter Pratchetts Wunsch nach Legalisierung der Sterbehilfe.
Das Thema Sterbehilfe löst weltweit regelmäßig hitzige Debatten aus. In Europa gibt es nur in Belgien, den Niederlanden, Luxemburg und in der Schweiz gesetzliche Regeln für die aktive Sterbebegleitung.

In Großbritannien heizte Bestsellerautor Terry Pratchett nun mit einer Fernsehansprache die Diskussion an. Er fordert ein Recht auf Sterbehilfe.

Entscheidung durch Kommission
Der Autor, der mit seinen Fantasy-Romanen weltweit bekanntwurde, ist selbst an Alzheimer erkrankt. Er tritt für die Einrichtung einer Kommission ein, die Anträge lebensmüder Briten auf Sterbehilfe prüfen soll.

Pratchett wolle sich selbst als Testfall zur Verfügung stellen, berichtete die britische Nachrichtenagentur PA. Der Autor erörterte seinen Vorschlag am Montagabend in der vom Fernsehsender BBC organisierten "Richard Dimbleby Lecture".

Widersprüchliche Gerichtsurteile
Die Debatte über die Sterbehilfe ist in Großbritannien nach zwei aufsehenerregenden Gerichtsurteilen hochaktuell. Erst kürzlich war eine Frau, die ihrem schwer hirngeschädigten Sohn eine Überdosis Heroin verabreicht hatte, wegen Mordes zu neun Jahren Haft verurteilt worden.

Eine andere Mutter, die ihrer gelähmten Tochter half, ihr Leben zu beenden, wurde dagegen freigesprochen.

Kommission soll Entscheidung treffen
Pratchett wirbt in der von britischen Medien abgedruckten Rede: "Wenn ich wüsste, dass ich sterben könnte, wann immer ich will, dann wäre plötzlich jeder Tag so kostbar wie eine Million Pfund. Wenn ich wüsste, dass ich sterben könnte, würde ich leben."

Von einer Kommission soll laut Pratchett für jeden Fall individuell entschieden werden ob Sterbehilfe gewährt werden soll.

Schutz vor Missbrauch
Es müsse sichergestellt werden, dass Patienten mit einer lebensbedrohenden, unheilbaren Krankheit bei vollem Bewusstsein und ohne äußeren Einfluss eigenständig beschließen können, Sterbehilfe in Anspruch zu nehmen.

Die Kommission soll Sterbehilfemissbrauch verhindern und nach Pratchetts Ansicht aus einem Anwalt und einem Arzt bestehen.

Sterbehilfe auch Teil der Medizin
Der Autor betont, dass das Recht auf freie Entscheidung sowohl für den Patienten als auch für den Sterbehilfe leistenden Arzt gelten muss. "Mein Leben, mein Tod, meine Wahl" formuliert er seinen Wunsch.

Abschließend appellierte Pratchett: "Es erscheint mir vernünftig, uns an die Medizin zu wenden, die uns über Jahrhunderte hinweg geholfen hat, ein gesünderes und längeres Leben zu führen. Sie sollte uns nun helfen, friedlich im Kreis unserer Lieben zu sterben, ohne vorher lange in Gottes Wartezimmer verbracht zu haben."

Zustimmung in der Bevölkerung
Der Vorstoß stieß in der britischen Öffentlichkeit auf große Resonanz. In einer Umfrage im Auftrag des "Daily Telegraph" erklärten 75 Prozent der 2.500 Befragten, die Sterbehilfe sollte legalisiert werden.

In einer BBC-Erhebung sagten 73 Prozent der Befragten, Freunde und Verwandte sterbenskranker Menschen sollten für Beihilfe zum Selbstmord nicht bestraft werden.

Links: