Vor allem in den USA wird nun Kritik an fehlenden Reformen und dem Bankenrettungsplan laut. Der unabhängige Prüfer des staatlichen Rettungspakets Troubled Asset Relief Program (TARP) im Umfang von 700 Milliarden Dollar (500 Mrd. Euro) warnte vor einer erneuten schweren Krise der Branche in den kommenden Jahren, sollte das System nicht grundlegend reformiert werden.
Laut seinem Rechenschaftsbericht habe das Rettungspaket die riskanten Geschäfte der Branche nur noch stärker gefördert.
"Too big to fail"
"Der Markt ist mehr denn je davon überzeugt, dass die Regierung notfalls einspringt, um für das System relevante Institutionen zu retten", betonte der Prüfer Neil Barofsky in seinem am Wochenende vorgelegten Bericht. Er vertritt im Auftrag der US-Regierung die Interessen der Steuerzahler.
Die Banken, die 2008 als zu groß galten, um sie in den Bankrott zu schicken ("too big to fail"), seien durch die Unterstützung aus dem Bankenpaket noch größer geworden, analysiert der Bericht. Viele Banken zahlten bereits große Teile der Staatshilfe zurück und lieferten sich dabei einen regelrechten Wettbewerb.
Ziele kaum erreicht
Dadurch verliere die Regierung auch die Chance, von den Finanzinstituten Zugeständnisse zu bekommen und politische Ziele - wie etwa eine großzügigere Kreditvergabe an den Mittelstand - zu erreichen, warnt Barofsky.
Von den angestrebten Zielen des Bankenrettungsprogramms, Arbeitsplätze und Hausbesitzer zu schützen, wurde wenig erreicht. Die Arbeitslosenrate bewegt sich bei zehn Prozent. Und nur ein kleiner Anteil von Hypotheken wurde laut Barofsky neu gestaltet.
Ursachen nicht bekämpft
Zudem sei bisher wenig erreicht worden, um die Probleme zu beheben, die die Finanzkrise ausgelöst hatten: "Selbst wenn TARP unser Finanzsystem davor bewahrt hat, 2008 vom Rand der Klippe abzustürzen, fahren wir ohne grundlegende Reformen noch immer dieselbe kurvenreiche Bergstraße hoch - diesmal allerdings in einem schnelleren Fahrzeug", warnte Barofsky.
Eine "ähnliche oder noch schwerere Finanzmarktkrise in zwei, fünf oder zehn Jahren" sei daher nicht auszuschließen.
Es sei noch zu wenig gegen die Ursachen der 2008 ausgebrochene Finanzkrise - die Immobilienblase und die übertriebene Risikobereitschaft der Banken - eingeleitet worden.
"Kultur überzogener Vergütungen"
Vielmehr laufe der Staat Gefahr, durch seine Unterstützungen die Immobilienpreise zu stützen und dadurch die Bildung einer neuen Blase zu fördern. "Die Regierung trat an die Stelle, wo bisher Private tätig waren", sagte Barofsky in einem Interview mit der Nachrichtenagentur AP. Demzufolge habe der Staat weit mehr gemacht, als den Hypothekenmarkt zu unterstützen. Er "wurde der Hypothekenmarkt", so Barofsky. Das Risiko trage der Steuerzahler.
An der Börse seien auch "kaum grundlegende Änderungen in der Kultur überzogener Vergütungen" festzustellen, machte der Prüfer Anspielungen auf großzügige Bonuszahlungen von Wall-Street-Managern.
Garantieboni für Ex-Lehman-Mitarbeiter
Der "Spiegel" veröffentlichte unter Berufung auf Insider, dass die 2.500 ehemaligen Mitarbeiter der zusammengebrochenen US-Investmentbank Lehman Brothers in Europa für die Krisenjahre 2008 und 2009 Garantieboni in Höhe von zwei Milliarden Dollar kassierten. Jeder Manager habe im Schnitt rund 400.000 Dollar verdient.
Laut dem Bericht wurden die Banker im Oktober 2008 vom japanischen Finanzhaus Nomura übernommen und mit Garantieboni zum Bleiben überredet.
Links:
- US-Finanzministerium
- Spiegel
- TARP (Wikipedia)