Große Pläne, noch größere Hürden

Fünf Punkte, an denen sich Obamas Bankenpläne messen lassen müssen.
US-Präsident Barack Obama hat mit seiner Ankündigung, den Aktionsspielraum von Banken deutlich einzuengen, viel mediale Aufmerksamkeit erhalten. Zwar hat er in seiner Rede zur Lage der Nation manchen scharfen Ton gegenüber den Banken abgeschwächt. Doch Forderungen wie die Reduzierung der Größe von Banken, angetrieben auch von Beratern wie Paul Volcker, bleiben aufrecht - und zugleich vage.

Ob Obamas Ideen tatsächlich in die Tat umzusetzen sind, wird nicht nur in Bankenkreisen bezweifelt. Was für die Öffentlichkeit wie ein logischer und wünschenswerter Einschnitt in die Bankenstruktur nach der großen Finanzkrise klingt, könnte in der Praxis schwer zu verwirklichen sein.

Kein Wertpapiereigenhandel von Kundenbanken?
Da ist einmal die Forderung, dass der Eigenhandel der Banken mit Wertpapieren auf eigene Rechnung eingeschränkt werden soll bzw. Banken klar getrennt werden sollen in solche, die Kundengeschäfte machen, und solche, die Anlagegeschäfte tätigen. Bereits in den 1930er Jahren hatten die USA mit dem "Glass-Steagall Act" versucht, eine klare Trennlinie zwischen Kunden- und Investmentbanken zu ziehen. Auch damals galt es, auf eine Weltwirtschaftskrise zu reagieren.

Große Banken haben mit dem Eigenhandel mit Anleihen, Aktien und Investitionen in Hedge- und Beteiligungsfonds viel Geld verloren. Doch viel Geld wurde auch mit dem klassischen Kreditgeschäft in den Sand gesetzt.

Schwierige Trennung
Banken wie Goldman Sachs argumentieren, dass eine Trennung der Bereiche nicht machbar sei. Wenn ein Kunde Titel aus seinem Portfolio bei einer Bank verkaufen wolle, dann kaufe ja zunächst die Bank dieses Wertpapier. Was Kundenservice für das Depot des Kunden sei, stelle zugleich ein Risiko für die Bank dar.

Schwer zu ziehen könnte die Grenze auch bei den Bilanzen sein. Der Eigenhandel wird bisher nicht gesondert ausgewiesen. Außerdem, so argumentieren die Banken, haben ausgerechnet die (profitablen) Handelsgeschäfte im letzten Jahr geholfen, die Staatshilfen an den US-Staat zurückzuzahlen.

Eine Hemmung von Exzessen bei dieser Geschäftsform sehen manche Experten nur durch die Einführung einer Börsenumsatzsteuer, die man aber auf Finanzplätzen wieder nicht so gerne sieht.

Auch Trennung hätte Krise nicht verhindert
Die Sinnhaftigkeit einer Trennung zwischen Handels- und Kundenbanken kann auch aus einem anderen Blickwinkel hinterfragt werden. Obama-Berater Volcker möchte Banken kleiner machen. Das Prinzip "too big to fail" (zu groß, um in Konkurs gehen zu dürfen, ohne einen großen volkswirtschaftlichen Schaden anzurichten), dürfe nicht mehr zur Anwendung kommen.

Die Aufteilung der Geschäftsfelder würde Banken kleiner machen. Doch gerade AIG war keine Bank, die im klassischen Kundengeschäft tätig war. Dennoch hat man sie aus Systemgründen nicht an die Wand fahren lassen. Hier hätte die Verkleinerung nichts gebracht. Denn das Problem lag ja auch woanders, nämlich in der Verschränkung von Handels- und Kreditgeschäften.

Kredit- und Handelsgeschäft klar trennen
Die Mischform von Kredit- und Handelsgeschäft wäre klar trennbar. Immerhin war dieser Zweig ja der große Verlustbringer im Zuge der US-Finanzkrise. Banken hatten in Haushaltskredite investiert, die von anderen Instituten vergeben wurden. Eine Bank vergab Kredite, schnürte diese als Paket und verkaufte sie weiter. Das Ausfallen von Vertragspartnern (etwa Lehman Brothers und AIG) führte zu einem Dominoeffekt, der die ganze Branche nach unten zog.

Die Lösung, die hier manche sehen: Derivategeschäfte sollten nur noch über zentrale Vertragspartner abgewickelt werden. Der Handel über regulierte Börsen könnte die Transparenz stärken. Die Durchsetzung könnte allerdings schwer werden, vor allem, wenn sie nicht auf globaler Ebene erfolgt.

Bankerboni: Werden sie begrenzt?
Wie wirkungsvoll die Durchsetzung einer anderen Forderung ist, bleibt abzuwarten: die Begrenzung der Bankerboni. Sie waren es ja auch, die Banker dazu veranlasst hatten, überdurchschnittliche Risiken einzugehen - ohne gleichzeitig für die Folgen ihres Handelns zur Verantwortung gezogen zu werden. Auch hier sind erste Maßnahmen angekündigt. Wie wirkungsvoll sie umzusetzen sind (siehe die britische Idee einer Sondersteuer auf Boni), bleibt abzuwarten.

Mehr Eigenkapital
Deutlich gestärkt, da ist sich die G-20 einig, müsse die Eigenkapitalquote der Banken werden. Statt bisher vier Prozent soll die Eigenkapitalquote auf acht Prozent im Kreditgeschäft erhöht werden.

Manche Experten nennen eine zumindest zweistellige Kernkapitalquote notwendig. Hier lautet die Frage: Was zählt zum Kernkapital, was ist mit dem Hybridkapital, also Michformen aus Eigen- und Fremdkapital? Viele Banken haben ihr Geschäft gerade auf dieser Basis getätigt.

Fakt ist: Banken werden wohl frisches Geld brauchen - und da müssen sie Gewinne zurücklegen oder neue Aktien auflegen. Und für Letzteres sollten sie auf gesunden Beinen stehen.

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