Dollar-Boykott gefordert

IntelCenter glaubt, Hinweise auf einen Al-Kaida-Anschlag in den "nächsten zwölf Monaten" zu erkennen.
Nur wenige Tage nach einer weiteren Anschlagsdrohung gegen die USA soll sich Al-Kaida-Chef Osama bin Laden am Freitag wieder zu Wort gemeldet haben. In einer von dem arabischen Fernsehsender al-Jazeera verbreiteten Audiobotschaft widmete sich Bin Laden diesmal offenbar dem Klimawandel.

"Alle industrialisierten Länder, vor allem die großen Staaten, sind verantwortlich für die Erderwärmung", sagte Bin Laden. Er gab dem Westen die Schuld an Hunger, Wüstenbildung und Überschwemmungen.

Kein "intellektueller Luxus"
Im Mittelpunkt der Kritik stand diesmal der frühere US-Präsident George W. Bush, da dieser das Kyoto-Protokoll zurückgewiesen habe. Klimawandel sei keine Angelegenheit von "intellektuellem Luxus", sondern eine reale Tatsache. Statt Teilreduzierungen von Treibhausgasen seien "drastische Lösungen" erforderlich.

Die mutmaßliche Al-Kaida-Botschaft stützt sich auch auf Argumente aus dem Westen. Der US-kritische Wissenschaftler Noam Chomsky habe recht, wenn er die US-Politik mit der Mafia vergleiche.

"Menschheit von Sklaverei befreien"
"Diese sind die wahren Terroristen", sagte Bin Laden in der verbreiteten Botschaft und forderte einen Boykott des Dollar. Man müsse diese Währung so schnell wie möglich loswerden. Das werde zwar "enorme Auswirkungen" haben, es sei aber "das einzige Mittel, um die Menschheit von der Sklaverei durch die Amerikaner und ihre Unternehmen zu befreien".

Umweltthemen zählten bisher kaum zu den Schwerpunkten in Bin Ladens Botschaften an die westliche Welt. Die Echtheit der aktuellen Botschaft konnte zunächst nicht bestätigt werden.

Neue Anschlagsdrohungen
Schon am Wochenende wurde Bin Laden eine Audiobotschaft zugeschrieben. Darin drohte er den USA mit neuen Anschlägen, sollte nicht der Nahost-Konflikt gelöst werden. Bin Laden richtete darin auch direkte Worte an US-Präsident Barack Obama. "Von Osama an Obama: Wenn euch unsere Botschaften mit Worten übermittelt werden könnten, hätten wir es nicht mit Flugzeugen getan."

In dem al-Jazeera zugespielten Tonband wurde der verhinderte Flugzeugattentäter Umar Faruk Abdulmutallab gelobt und als Held bezeichnet. Abdulmutallab hatte am ersten Weihnachtsfeiertag versucht, kurz vor der Landung in Detroit einen Sprengsatz zu zünden.

USA üben Gelassenheit
Zunächst war man noch davon ausgegangen, dass Bin Laden in der Botschaft die Verantwortung für den missglückten Anschlag auf das Flugzeug übernommen hatte. Eine sorgfältige Auswertung der Aufnahme habe aber keinen Hinweis darauf ergeben, dass Bin Laden tatsächlich die Verantwortung für den Anschlag übernommen habe, betonte der Koordinator der Terrorbekämpfung im US-Außenministerium, Daniel Benjamin.

Die USA reagierten gelassen auf die neuen Al-Kaida-Botschaften und versuchten, deren Bedeutung herunterzuspielen. Das Weiße Haus glaubte sogar ein Zeichen von Schwäche zu erkennen. Bin Ladens Organisation sei im Vergleich zu 2000 weniger stark, betonte Obama in einer ersten Reaktion.

Das zeige sich darin, dass Bin Laden offenbar versuche, seine Gruppierung mit dem missglückten Bombenanschlag in Verbindung zu bringen. Der Angriff war laut Obama aber "nicht notwendigerweise von ihm angeordnet worden".

Anschlag im nächsten Jahr?
Das auf die Beobachtung islamistischer Websites spezialisierte Unternehmen IntelCenter hingegen nahm die Warnung des Al-Kaida-Chefs ernster. Die Botschaft verfüge über ein "besonderes Vokabular", das Bin Laden auch in früheren Erklärungen verwendet habe. Das sei ein "Hinweis auf einen möglichen Anschlag in den nächsten zwölf Monaten".

Obama will Vorbild sein
Ohne direkt auf Bin Ladens Vorstoß zu reagieren, wies US-Präsident Obama die Regierung und Behörden am Freitag an, beim Klimaschutz mit gutem Beispiel voranzugehen. Alle Einrichtungen der US-Regierung müssten ihren Ausstoß an Treibhausgasen bis 2020 um 28 Prozent senken.

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