Aufschlüsse für Terrorverletzungen erhofft

Forscher rechtfertigen Experiment: Kann Menschenleben retten.
Nun treiben auch in Großbritannien Tierversuche mit Schweinen die Tierschützer auf die Barrikaden: In einem Militärlabor wurden lebende Schweine in die Luft gesprengt. Damit sollte nach Angaben britischer Medien der Effekt von Terrorattacken auf Menschen untersucht werden.

In Tirol hatten Forscher erst kürzlich bei einem Lawinenexperiment Schweine lebendig im Schnee vergraben.

Tiere betäubt
Bei dem Sprengversuch auf einem Militärstützpunkt in England wurden 18 Tiere erst in Brandschutzdecken gehüllt. Anschließend wurde rund zwei Meter entfernt Sprengstoff gezündet.

Die Wissenschaftler ließen die Schweine ausbluten, um zu überprüfen, wie lange sie am Leben blieben. Das hatte die Zeitung "Sunday Times" berichtet. Die Schweine wurden vor der Explosion betäubt. Keines der Tiere überlebte.

"Rettet Menschenleben"
Die "Sunday Times" zitierte aus dem britischen Forschungspapier, das Sprengexperiment sei nötig, weil Verletzungen durch Explosionen wegen der Terrorgefahr ein immer größeres Problem würden. Eine Sprecherin des Labors Porton Down sagte der Zeitung, es gebe bereits Nachweise, dass mit dem Experiment Menschenleben gerettet werden können. Die Versuche seien bereits im Jahr 2002 erfolgt. Sie wollte sich nicht dazu äußern, ob auch jetzt noch Tiere in ähnlicher Weise für Experimente gebraucht würden.

Die Forschung würde demnach sowohl britischen Soldaten in Afghanistan als auch zivilen Opfern von Anschlägen helfen: So hätten 94 Prozent der Schwerverletzten bei den Bombenanschlägen von Madrid 2004 Lungenverletzungen durch den starken Schock einer Druckwelle erlitten.

Versuche sinnlos?
Der britische Verband gegen Tierversuche (British Union for the Abolition of Vivisection) stellte den Test jedoch infrage. Die Wirkung einer Bombe auf betäubte Schweine würde sich "wesentlich" von der auf Menschen, die bei Bewusstsein sind, unterscheiden.

Mysteriöses Labor
Das Forschungszentrum Porton Down in Wiltshire war 1916, also mitten im Ersten Weltkrieg, gegründet worden und gilt seitdem als recht mysteriös. In dem Labor war vor allem mit Giftgas und chemischen Kampfstoffen experimentiert worden.

Zwei mysteriöse Todesfälle brachten Porton Down in die Schlagzeilen. 1953 starb ein Soldat nach einem Experiment mit Sarin, neun Jahre später erlag der Wissenschaftler Geoffrey Bacon der Pest.

Protest auch aus Österreich
Auch heimische Tierschützer zeigten sich am Montag entsetzt über die britischen Experimente. Johanna Stadler, Geschäftsführerin des Tierschutzvereins Vier Pfoten in Österreich, erklärte in einer Mitteilung: "Tiere aus Versuchsgründen in die Luft zu sprengen ist massiv tierquälerisch, unethisch und obendrein sinnlos."

In Tirol hatten Wissenschaftler lebendige Schweine in Schneemassen verschüttet und sie beim langsamen Ersticken und Erfrieren beobachtet. Eine landesweite Protestwelle führte schließlich dazu, dass die Forscher der Medizinischen Universität Innsbruck die Studie abbrachen.

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