An der New Yorker Wall Street - und nicht nur dort - sorgte schon die Ankündigung, die Bankenlandschaft kräftig zurückzustutzen, für Katerstimmung. Die Börsen in den USA und Europa verloren deutlich an Terrain.
Verpflichtung zu weniger Risiko
Konkret plant Obama etwa, den Wertpapier-Eigenhandel von Banken zu beschränken. Für die Institute würde eine derartige Verpflichtung auf weniger Risiko deutlich schmälere Gewinnaussichten bedeuten. Obama begründet seine Absichten mit der Beschränkung exzessiver Risiken, die zu einem guten Teil den Boden für die globale Finanz- und Wirtschaftskrise Mitte 2007 bereitet hatten.
Schluss mit "too big to fail"
Weiters will der US-Präsident die Finanzverbindlichkeiten großer Unternehmen ähnlich deckeln wie die Größe von Banken. "Zurechtgestutzte" Kreditinstitute sollen im Fall einer Insolvenz künftig keine Gefahr für die gesamte Volkswirtschaft mehr darstellen können.
Mehrfach hatte die US-Regierung Großbanken, die de facto vor dem Zusammenbruch gestanden waren, mit Milliarden Steuergeld unter die Arme greifen müssen, um Schäden an der Gesamtwirtschaft (Stichwort: "too big to fail") abzuwenden. Nie mehr dürfe der US-Steuerzahler zur "Geisel einer Bank" werden, die durch ihren Kollaps die gesamte Wirtschaft mit sich reißen könne, erklärte Obama.
"Wir wollen unser Geld zurück"
Bereits in der vergangenen Woche hatte er angekündigt, die größten US-Banken für die Kosten der Krise zur Kassa bitten zu wollen - und zwar für die 117 Mrd. Dollar (82,5 Mrd. Euro), die ihnen die US-Regierung vorgeschossen hatte. "Wir wollen unser Geld zurück, und wir werden es zurückbekommen", sagte der US-Präsident vergangenen Donnerstag.
Investments nur noch für Kunden
Der nunmehrige Vorstoß zielt im Kern darauf ab, Investmentbanking künftig stärker vom übrigen Geschäft zu trennen. Beschränkungen im Eigenhandel hätten etwa zur
Folge, dass Banken künftig keine Anteile an Investment- oder Hedgefonds mehr halten dürfen - ausgenommen, sie tun es für Kunden.
"Wir sollten den Banken nicht erlauben, dass sie sich zu weit von ihrer Kernaufgabe entfernen, nämlich ihre Kunden zu bedienen", so Obama am Donnerstag. In den vergangenen Jahren hätten zu viele Finanzinstitute das Geld der Steuerzahler risikoreich eingesetzt. Nach wie vor seien die Banken unter den Regeln tätig, die zum Kollaps des Finanzsektors geführt hätten, kritisierte der US-Präsident.
Widerstand programmiert
Für die Umsetzung seiner Pläne braucht Obama die Zustimmung des US-Kongresses. Dort dürften die Ideen des Präsidenten allerdings auf zähen Widerstand stoßen. Obama zeigte sich kämpferisch. "Wenn die Leute darüber streiten wollen, ich bin bereit", zitierte der US-Wirtschaftsnachrichtendienst Bloomberg den Präsidenten.
Katerstimmung an den Börsen
An der Wall Street reichte am Donnerstag allerdings schon deren Ankündigung für verständliche Nervosität. US-Banken wie Goldman Sachs und JPMorgan Chase, die zuletzt in der laufenden Berichtssaison ihre Geschäftsergebnisse präsentierten, hatten im letzten - schwierigen - Quartal deutlich positive Zahlen im Investmentgeschäft erreicht.
Verluste von New York bis Wien
Der Dow-Jones-Index schloss am Donnerstag mit einem Minus von 2,01 Prozent bei 10.389,88 Zählern, der breiter gefasste S&P-500 mit minus 1,89 Prozent bei 1.116,48 Punkten. Die Technologiebörse NASDAQ verlor 1,12 Prozent auf 2.265,70 Zähler.
Der Wiener ATX rutschte um 1,57 Prozent auf 2.606,36 Punkte ab, der DAX in Frankfurt schloss mit einem Minus von 1,79 Prozent bei 5.746,97 Zählern, der Euro-Stoxx 50 mit minus 1,76 Prozent bei 2.863,25 Punkten.
Erneut schlechtere Zahlen vom US-Arbeitsmarkt, die Ankündigung Chinas, seine Geldpolitik zu drosseln, und unter den Erwartungen gebliebene Ergebnisse von Goldman Sachs drücken zusätzlich auf die Stimmung der Börsianer.
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