Auf anderer Seite der Bucht
Das umstrittene Gefangenenlager von Guantanamo, in dem inzwischen weniger als 200 Menschen festgehalten werden, sei auf der anderen Seite der Bucht in Kuba etwa 30 Minuten Fährfahrt entfernt.
Es würden bereits die Sanitätseinrichtungen getestet, Feldbetten und andere Angebote bereitgestellt, so Copeman gegenüber dem "Miami Herald".
Für bis zu 40.000 Menschen
Der Militärstützpunkt könne ohne Probleme 10.000 Flüchtlinge aufnehmen. Mit zusätzlichen Nachrüstungen könne man im Falle einer humanitären Krise sogar bis zu 40.000 Menschen eine Unterkunft bieten, berichtet der "Miami Herald".
Ansturm bis jetzt ausgeblieben
Bisher habe die US-Küstenwache jedoch keine Anzeichen gesehen, dass Haitianer nach dem verheerenden Erdbeben massenweise über den Seeweg ihr Land verlassen und deshalb in Kuba ankommen könnten, hieß es.
Die Haitianer würden im Moment aus den betroffenen Stadtgebieten eher in ländliche Gebiete beispielsweise zu Verwandten fliehen, berichtet Christopher O'Neil gegenüber dem "Miami Herald".
Bereits in den 90er Jahren beherbergten das Militär und die Küstenwache auf dem Areal in Guantanamo monatelang 45.000 haitianische und kubanische Zuwanderer in Zelten. Unter Präsident Bill Clinton wurden die Flüchtlinge wiedereingebürgert.
Der nachfolgende US-Präsident George W. Bush investierte mehrere Millionen Dollar in die Errichtung des Haftlagers für Terrorverdächtige.
Rettungsmannschaften stoppen Suche
Die Rettungskräfte fahren unterdessen die Suche nach Überlebenden zurück. Eine Hilfsmannschaft aus dem US-Bundesstaat Florida verließ den Karibikstaat. Berichten zufolge zogen sich auch Teams aus Belgien, Luxemburg und Großbritannien zurück.
US-Soldaten brachten unterdessen schweres Räumgerät an Land. Am Strand wurden Lebensmittelpakete und Zelte an die Haitianer verteilt. Zudem traf ein US-Krankenhausschiff mit Operationssälen in den Gewässern vor Haiti ein. Es bietet Kapazitäten für 1.000 Patienten.
Hafen wieder benutzbar
Auch die ersten Schiffe konnten neun Tage nach dem Beben wieder im Hafen vor Anker gehen. Ein Frachter mit 123 Tonnen dringend benötigter Fracht habe am Donnerstag angelegt und sei sofort entladen worden, sagte ein UNO-Sprecher in New York. "Ein Teil des Hafens ist wieder benutzbar, was die Situation erheblich entlastet."
Bisher etwa 120 Überlebende geborgen
Laut UNO-Nothilfekoordinator John Holmes sind seit dem Beben am 12. Jänner mit der Stärke 7,0 insgesamt mehr als 120 Überlebende geborgen worden. Das Ziel der Vereinten Nationen bleibe, zwei Millionen Menschen sechs Monate lang versorgen zu können. "Das ist ein harter Weg und wir stehen noch ganz am Anfang."
Insgesamt wurden nach Angaben der EU-Kommission bisher etwa 80.000 bei dem Erdbeben getötete Menschen begraben. Die Zahl der Obdachlosen liege bei zwei Millionen. Nach wie vor würden rund 1.000 EU-Bürger in Haiti vermisst.
Wieder Nachbeben
Unterdessen wurde Haiti am Donnerstag erneut von zwei Nachbeben erschüttert, die die notleidenden Menschen abermals in Panik versetzten. Einer der Erdstöße erreichte nach Angaben der US-Erdbebenwarte eine Stärke von 4,9.
Links:
- "Miami Herald"-Artikel
- UNO
- EU
- Haiti (Wikipedia)