Noch überraschender: Bei gesunden Mäusen verbesserte die Strahlung das Erinnerungsvermögen. Warum das so ist, sei nicht genau bekannt, räumten die Mediziner um Gary Arendash ein. Sie halten ihre Ergebnisse aber auch für den Menschen für relevant.
Käfige rund um Antenne gruppiert
Die Forscher vom Alzheimer-Forschungszentrum der Universität hatten knapp 100 Mäuse in ihre Tests einbezogen. Die meisten waren "Modellmäuse" für Alzheimer - genetisch veränderte Tiere, in deren Gehirn sich die typischen Ablagerungen des Peptids Beta-Amyloid bilden.
Die Mäuse saßen in Käfigen, die um eine Antenne gruppiert waren. Sie sandte eine für Mobiltelefone übliche elektromagnetische Strahlung mit einer Frequenz von 918 Megahertz aus - jeweils zweimal eine Stunde täglich, sieben bis neun Monate lang.
Dosis wie bei normalen Gesprächen
Die Dosis von 0,25 Watt/kg entspricht jener, die bei ans Ohr gehaltenem Handy auf das menschliche Gehirn einwirkt. Bei jungen, nicht erkrankten Tieren bildeten sich - anders als sonst - während des Versuchs keine Beta-Amyloid-Plaques im Gehirn, zeigten Analysen.
Verhaltenstests machten deutlich, dass die kognitiven Fähigkeiten der Tiere vollständig erhalten blieben. Bei älteren Tieren mit Alzheimer stellten die Mediziner fest, dass sie bei Leistungstests nach der mehrmonatigen Bestrahlung ebenso gut abschnitten wie völlig gesunde Mäuse.
Merkfähigkeit gewachsen
Im Hirn fanden sich weniger Ablagerungen. Und das war noch nicht alles: Setzten die Mediziner gesunde, genetisch nicht veränderte Mäuse den elektromagnetischen Wellen aus, schnitten diese anschließend besser bei den Gedächtnistests ab als zuvor.
Kopf heizt sich auf
Es sei anzunehmen, dass die Ergebnisse auch für den Menschen relevant seien, betonen die Forscher. Möglicherweise ergebe sich eine neue, effektive Alzheimer-Therapie. Die Ursache der Effekte müsse allerdings noch weiter erforscht werden.
Nachgewiesen sei bisher nur, dass sich die Temperatur des Gehirns von Alzheimer-Mäusen im Versuchsverlauf leicht erhöhte. Der Temperaturanstieg unterstütze möglicherweise die Ablösung der schädlichen Ablagerungen, nehmen die Forscher an.
Sauna fürs Gehirn
Die gestiegenen Hirnleistungen gesunder Tiere erklären die Mediziner damit, dass durch die Strahlung die Aktivität der Hirnzellen angeregt werde, Blutfluss und Energieumsatz seien dadurch höher. Die exakten Mechanismen seien aber noch unklar, wurde betont.
Dass die möglichen positiven Effekte der Handystrahlung auf das Gedächtnis bisher verborgen blieben, könnte den Forschern zufolge daran liegen, dass es noch keine Langzeitstudien dazu gegeben habe, heißt es in der Mitteilung der Universität.
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