Der deutsche Familienbetrieb Merz wiederum investiert, wie man diese Woche ankündigte, 176 Millionen Euro in das US-Unternehmen BioForm Medical. Das ist vergleichsweise bescheiden, bedenkt man, dass sich Novartis den Schritt weg vom traditionellen Medikamentengeschäft insgesamt rund 50 Milliarden Dollar kosten lässt.
Suche nach neuen Geschäftsfeldern
Insgesamt versuchen Pharmakonzerne schon seit gut zwei Jahren, ihr Geschäft zu verbreitern und in den erweiterten Gesundheits- und Lifestyle-Bereich einzusteigen. Steigerungen der Margen gibt es - wenn - in den Schwellenländern. Und bei einigen Konzernen laufen Patente aus - bzw. wird der Druck von Generika größer.
"Reduzierung von Risiken"
Die Suche nach den neuen Märkten im Pharmageschäft erklärt die Analystin Britta Holt von der Ratingagentur Fitch gegenüber dem "Handelsblatt" so: "Die Transaktionen sind Teil einer Strategie zur Reduzierung von Risiken im innovativen Pharmageschäft." Anders gesagt: Die Konzerne versuchen, das Risiko zu streuen. Sehr oft scheiterten gerade in den vergangenen Jahren Medikamente an der letzten klinischen Hürde vor der Einführung. Und ein Scheitern eines Medikaments in der Zulassungsphase kann große Abschreibungen bedeuten.
Konzerne schauen deshalb verstärkt in den Bereich der frei, also ohne Rezept, verkaufbaren Medikamente. Sowohl Sanofi Aventis als auch Glax-Smithkline bewegten sich in jüngerer Zeit in diese Richtung.
Suche nach neuen Spitzenmedikamenten
Zahlreiche Pharmakonzerne sind derzeit auf der Suche nach Nachfolgern für Spitzenmedikamente, die in den nächsten Jahren ihren Patentschutz verlieren. Die Ratingagentur Fitch sieht die Branche deshalb im nächsten Jahr verstärkt unter Druck
Krebsmedikamente als Zugpferde
Novartis treibt die Entwicklung wichtiger Krebsmedikamente voran. Zum Jahreswechsel stellte man in der EU und den USA die Zulassungsanträge für seine Mittel Tasigna und Zometat. Vor allem das Blutkrebsmittel Tasigna ist für das Unternehmen wichtig, weil es seinen zweitgrößten Umsatzbringer Glivec ersetzen soll, der in den nächsten Jahren den Patentschutz verlieren wird.
Marktführer bei Krebsmedikamenten ist der Schweizer Konkurrent Roche. Novartis stieg mittlerweile aber zur Nummer zwei in diesem Segment auf. Der Markt für Krebsmedikamente gilt als einer der lukrativsten für die internationalen Arzneimittelhersteller. Experten rechnen deshalb besonders bei Krebsmedikamenten mit vielen Neuentwicklungen.
Allein 2010 könnte Novartis fünf weitere Zulassungsanträge stellen, darunter den für einen breiteren Einsatz des potenziellen Blockbusters Afinitor.
Links: