"Systemische Fehler"

CIA: Informationen des Vaters enthielten keine klaren Warnsignale.
Nachdem US-Präsident Barack Obama von katastrophalen Fehlern sowie von menschlichem und systemischem Versagen rund um das nur knapp vereitelte Flugzeugattentat über Detroit gesprochen hatte, hat nun die Suche nach den Verantwortlichen voll eingesetzt. Die zahlreichen US-Sicherheitsbehörden beginnen nun, sich gegenseitig die Schuld in die Schuhe zu schieben.

Vor allem die Tatsache, dass der Vater des Attentäters Umar Faruk Abdulmutallab bereits im letzten Monat die US-Botschaft in Nigeria gewarnt hatte, Abdulmutallab aber trotzdem nicht auf die Flugverbotsliste gesetzt wurde, sorgt für Aufregung. Nicht einmal das Visum wurde aufgehoben.

Infos weitergeleitet
Der Geheimdienst CIA betonte, es habe mit den Vertretern der Botschaft zusammengearbeitet, damit Abdulmutallabs Name in die Regierungsdatenbank für mögliche Terroristen aufgenommen werde. Dabei seien auch seine potenziell extremistischen Beziehungen im Jemen erwähnt worden. Diese Information sei an das nationale Anti-Terror-Zentrum weitergeleitet worden.

"Gab keine klare Warnung"
Laut AP betonte ein Geheimdienstmitarbeiter, dass der Vater des Attentäters keine klare Information lieferte, die es gerechtfertigt hätte, Abdulmutallab auf die Flugverbotsliste zu setzen.

Der Vater habe nicht gesagt: "Mein Sohn ist ein Terrorist." Auch davon, dass er einen Anschlag plane, sei in keinster Weise die Rede gewesen.

"Nicht hinnehmbar"
Zuvor hatte Obama im Fall des vereitelten Flugzeuganschlags "katastrophale" Sicherheitsmängel eingeräumt. Obama korrigierte damit Aussagen von Regierungsmitgliedern, wonach "das System funktioniert" habe.

Die schweren Fehler, die die Sicherheitsbehörden begangen hätten, seien unter keinen Umständen hinzunehmen. "Es ist jetzt essenziell, die Sicherheitsprobleme rasch zu diagnostizieren." Die Verantwortlichen müssten dafür zur Rechenschaft gezogen werden, sagte Obama am Dienstag in einer Audiobotschaft aus seinem Urlaubsort Hawaii.

"Das ist völlig inakzeptabel"
Die Sicherheitsbehörden hätten klare Warnungen übersehen, so Obama. Der Attentäter hätte angesichts der vorliegenden Informationen kein US-Flugzeug betreten dürfen. Es handle sich um eine "Mischung aus menschlichen Fehlern und Systemfehlern", aus denen die Behörden lernen müssten.

"Wenn unsere Regierung schon Informationen über einen bekannten Extremisten hat, diese aber nicht weitergegeben wurden, wie sie eigentlich sollten, kann man von katastrophalen Sicherheitsmängeln sprechen", sagte Obama. "Das ist völlig inakzeptabel."

Im letzten Moment gestoppt
Erst bei dem Versuch, am ersten Weihnachtsfeiertag einen Sprengsatz vor der Landung in Detroit zu zünden, war der Nigerianer Abdulmutallab von einem anderen Passagier gestoppt worden. Obwohl er in den USA auf einer Liste mit Verdächtigen steht, konnte er ohne besondere Kontrolle an Bord gelangen.

Anschlag offenbar im Jemen geplant
Unterdessen mehren sich Hinweise, dass der vereitelte Anschlag auf ein von langer Hand im Jemen vorbereitetes Terrorkomplott unter Beteiligung ehemaliger Guantanamo-Häftlinge zurückgeht.

Zwei von insgesamt vermutlich vier Drahtziehern des Anschlags sollen einem US-Fernsehbericht zufolge Ex-Insassen des Gefangenenlagers auf Kuba sein. Al-Kaida bekannte sich zu den Anschlagsplänen und drohte außerdem mit neuer Gewalt gegen amerikanische Ziele.

An "Kunsttherapie" teilgenommen
Die aus Saudi-Arabien stammenden Häftlinge Nummer 333, Mohammed Attik al-Harbi, und Nummer 372, Said Ali Schari, seien Anfang November 2007 in ihr Heimatland überstellt worden, berichtete der Fernsehsender ABC am Dienstag unter Berufung auf US-Regierungsbeamte und Dokumente des US-Verteidigungsministeriums.

Beide hätten später Führungsrollen im Terrornetz Al-Kaida im Jemen übernommen. In einem im Jänner 2009 veröffentlichten Propagandavideo der Organisation seien sie mit dem mutmaßlichen Ex-Privatsekretär von Osama bin Laden, Abu Basir Naser al-Wahischi, erschienen.

In Saudi-Arabien hätten sie zunächst an einer "Kunsttherapie zur Rehabilitierung" teilgenommen, bevor sie auf freien Fuß gesetzt worden seien, meldete der Fernsehsender.

Weitere Anschläge angekündigt
Im Bekennerschreiben zu den Attentatsplänen von Detroit kündigte die Organisation von Osama bin Laden weitere Anschläge an. "Ihr werdet bekommen, was ihr fürchtet", hieß es in der Internet-Botschaft, die amerikanische Anti-Terror-Ermittler laut US-Medienberichten vom Dienstag für glaubwürdig halten.

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