"Dotcom", "Subprime" und viel vernichtetes Geld

Vom Absturz der New Economy schnurstracks in die nächste Krise.
Krisenstimmung im Jahr 2000, Krisenstimmung ab 2008, dazwischen einige Jahre Goldgräberlaune: Das letzte Jahrzehnt glich wirtschaftlich einer Fahrt auf der Hochschaubahn - am Anfang ganz oben und rasch ganz weit unten.

Ganz oben hieß zu Beginn des neuen Jahrtausends auf dem Höhepunkt des Technologiebooms. Jahrelang waren durch den beginnenden Siegeszug von Internet, Handy und Co. Unsummen an Investorengeld in die New Economy gepumpt worden. Am 10. März 2000 kletterte der US-Technologieindex NASDAQ Composite auf sein Rekordhoch von 5.048,62 Punkten.

Das Platzen der Dotcom-Blase
Der Absturz allerdings folgte jäh, als immer klarer wurde, dass unzählige IT-Unternehmen ihre hochgeschraubten Ziele nie würden erfüllen können.

Eine anschließende Investorenflucht und Panik unter Privatanlegern schickte die Technologiebörsen weltweit binnen Wochen auf steile Talfahrt - die Dotcom-Blase war geplatzt. Geschätzte 3,5 Billionen Euro an Unternehmenswerten lösten sich infolge in das auf, was sie ursprünglich oft waren: Luft.

Der Sturz von Enron
Unmittelbare Folge des Platzens der Dotcom war ein Abschwung, der bis Anfang 2003 schwer auf den Märkten lastete. Verstärkt wurde der noch durch die Terroranschläge des 11. September in New York und Washington und die Pleite des US-Energiekonzerns Enron im Dezember 2001.

Der Zusammenbruch der - nach Eigendefinition - "World's Greates Company" ("Großartigstes Unternehmen der Welt") wurde zum Inbegriff für Wirtschaftskriminalität, nachdem klargeworden war, dass der Kollaps Folge eines riesigen Bilanzbetruges war. Am Ende waren Tausende Arbeitsplätze, Milliarden Dollar Anlegerkapital und Geld aus der Pensionskasse des Unternehmens vernichtet.

Das alte Rezept: Geldschleusen auf
Die Notenbanken reagierten auf den Einbruch der Konjunkturlage mit einem mittlerweile sattsam bekannten Rezept: Leitzinsen nach unten, Geldschleusen auf.

In den USA sank der Zinssatz (Federal Funds Rate) zwischen Jänner und Dezember 2001 von 6,0 auf 1,75 Prozent. Im Juni 2003 lag der Leitzinssatz nur noch bei 1,0 Prozent. Der Wirtschaft verhalf diese Politik des billigen Geldes zunächst wieder deutlich auf die Sprünge.

Grundlage für die nächste Blase
Gleichzeitig bereitet sie aber - zumindest zu einem guten Teil - der nächsten Spekulationsblase auf dem US-Immobilienmarkt den Boden, die ab Sommer 2007 die Initialzündung zur größten Finanz- und Wirtschaftskrise seit der Großen Depression in den 30er Jahren.

"Subprime"-Krise als Initialzündung
Das niedrige Zinsniveau hatte dazu geführt, dass sich immer mehr US-Bürger - zumindest vorerst - Eigenheime auf Kredit finanzieren konnten, darunter auch solche mit schlechter Bonität ("Subprime").

Gleichzeitig ließ die steigende Nachfrage die Preise extrem steigen, Banken und Investmentgesellschaften trieben einen schwungvollen und hochspekulativen Handel mit verbrieften Immobilienkrediten.

Nachdem sich der wirtschaftliche Aufschwung in den USA ab 2005 wieder abschwächte und gleichzeitig die Notenbank Federal Reserve (Fed) den Leitzinssatz zwischen Juni 2004 und Juni 2006 schrittweise wieder bis auf 5,25 Prozent anhob, konnten viele Kreditnehmer ihren Zahlungsverpflichtungen nicht mehr nachkommen.

In einer Kettenreaktion brachen erst die hochspekulativen Wertpapiergeschäfte und ab Februar 2007 die ersten US-Immobilienfinanzierer zusammen.

Banken beginnen zu wackeln
Im Sog der Krise mussten Banken - nicht nur in den USA - reihenweise faule Kredite in Milliardenhöhe verbuchen. Den beginnenden Höhepunkt der Krise, die längst den ganzen Finanzmarkt erfasst hatte, markierte am 15. September 2008 der Konkurs der US-Investmentbak Lehman Brothers. Gleichzeitig schlugen die Folgen der Krise immer stärker auf die Realwirtschaft durch.

"Schwarzer Montag" an der Wall Street
An den Börsen war der Lehman-Kollaps ein Schock: Die Indizes setzten in den folgenden Wochen weltweit zum Sturzflug an. An der New Yorker Wall Street wurde der 6. Oktober 2008 zum "Schwarzen Montag": Der Dow Jones Industrial Index verlor in einem Zug über 800 Punkte - so viel wie nie zuvor an einem Tag.

Teure Notfallprogramme
Spätestens ab dem Lehman-Kollaps drehte sich die Finanzwelt vor allem um ein Stichwort: "Bail-out", Hunderte Milliarden schwere staatliche Notfallpläne in Form von Haftungsübernahmen und Kreditlinien.

Die USA nahmen zur Stützung der Banken und für Konjunkturmaßnahmen rund 490 Mrd. Euro in die Hand, China rund 445 Milliarden. Österreich schnürte ein 15-Milliarden-Euro-Paket zur Stützung der Bankenlandschaft.

Euro und Gold auf Höhenflug
Gleichzeitig begannen die Notenbanken, erstmals seit dem 11. September 2001 wieder, im Gleichschritt die Leitzinsen zu drosseln und Liquidität in die Märkte zu pumpen. Die Target-Rate der Fed sank bis auf vorher nie dagewesene null bis 0,25 Prozent, der Euro-Leitzins auf 1,0 Prozent.

Den Dollar setzte das Anwerfen der Notenpressen stark unter Druck und hievte gleichzeitig den Euro mehrfach auf Rekordstände über 1,50 Dollar.

Der Rohölpreis sank von seinem Allzeithoch im Sommer 2008 bei über 140 Dollar pro Barrel (159 Liter) bis Ende des Jahres auf knapp über 30 Dollar. Triebfeder waren der sinkende Verbrauch sowie auch der anhaltende Konjunkturpessimismus. Der war es auch, der den Goldpreis Anfang Dezember 2009 auf ein historisches Hoch von über 1.200 Dollar pro Feinunze 31,1 Gramm hievte.

Ein neues Gleichgewicht
Verschoben hat sich seit der Jahrtausendwende das globale wirtschaftliche Gleichgewicht. Den "Großen" kommen aufstrebende Schwellenländer immer mehr in die Quere, die Wirtschaftssupermacht USA muss sich das Terrain längst mit Ländern wie China und Indien teilen.

Bei der Lösung globaler Probleme - egal ob Wirtschaftskrise oder Klimapolitik - führt an den neuen Boom-Staaten kein Weg mehr vorbei.

Der "Teuro"
Ganz abgesehen von den Finanzmärkten änderte sich für viele Europäer in den Nullerjahren auch die Währung, mit der sie jeden Tag zu tun haben: Am 1. Jänner 2002 wurde der Euro eingeführt und somit das gemeinsame Bargeld Realität.

Zunächst in zwölf Staaten eingeführt, kann man damit inzwischen in 16 EU-Ländern und sechs weiteren Staaten bezahlen. Der Euro dürfte Europa geholfen haben, die aktuelle Wirtschaftskrise zu überstehen. Für viele Menschen bleibt seine Einführung jedoch unter dem Stichwort "Teuro" in Erinnerung. Der Preis zahlreicher Produkte wurde im Zuge der Umstellung angehoben.