Gegenmittel soll sofort für Nüchternheit sorgen

Forscher suchen noch nach geeignetem Ersatzstoff.
Britische Wissenschaftler arbeiten daran, einen Alkoholersatz zu entwickeln, der einerseits für Wohlgefühl und Entspannung sorgt, andererseits aber keine negativen Folgeerscheinung wie Vollrausch, Stimmungsschwankungen und Kater auslöst. Und mit einem Gegenmittel soll der Trinker sofort wieder vollkommen nüchtern sein.

Während bisherige "Mittelchen", die für sofortige Nüchternheit sorgen sollten, sich entweder als Flop oder gar als Scharlatanerie erwiesen, klingt der neue Ansatz zumindest einigermaßen seriös.

Gefeuerter Drogenbeauftragter federführend
Denn federführend bei dem Projekt am Imperial College London ist ausgerechnet Professor David Nutt. Er war Ende Oktober als Drogenbeauftragter der britischen Regierung gefeuert worden, da er in einer Studie geschrieben hatte, Drogen wie Cannabis, Ecstasy und LSD seien weniger gefährlich als die legalen Suchtstoffe Alkohol und Tabak.

Nach den Vorstellungen des Pharmakologen soll der Stoff anders als Alkohol keine anderen Teile des Gehirns in Mitleidenschaft ziehen. Stimmungsschwankungen, depressives oder aggressives Verhalten oder eine Sucht sollen damit ausgeschlossen werden, berichtet der "Daily Telegraph".

Trinken ohne Trunkenheit?
Nutt malt sich eine Welt aus, in der Menschen trinken, ohne betrunken zu werden. Egal wie viele Getränke man hat, es soll ein angenehmer Zustand der Trunkenheit ausgelöst werden, der dann mit einer Art Ausnüchterungspille beendet wird, sodass man ohne Probleme mit dem Auto nach Hause fahren kann.

Forschung mit Benzodiazepinen
Er und sein Team forschen an Benzodiazepinen, deren angstlösende, beruhigende und teils euphorisierende Wirkung lange bekannt sind und die für Medikamente - allen voran Tranquilizer - genutzt werden. Mediziner warnen allerdings auch hier vor Risiken wie Gewöhnungs- und Suchteffekten bis hin zu gefährlichen Neben- und Wechselwirkungen. Nicht ganz zufällig gelten sie als die Medikamente mit der höchsten Missbrauchsrate.

In der Gruppe der Benzodiazepinen gibt es aber etliche Verbindungen, die bekannteste ist Diazepam, der Grundstoff von Valium, und Nutt hofft nun, jene zu finden, die für das Alkoholsubstitut am passendsten ist und sie wenn nötig noch für die Anforderungen der Gesellschaft zu modifizieren.

Geschmack- und farblos
Idealerweise sollte das chemische Grundelement wie Alkohol geschmack- und farblos sein, um die Charakteristika des jeweiligen Getränks zu beizubehalten. Nutt stellt sich vor, es sollte den Alkohol in Bier, Wein und Schnaps ersetzen, das nicht mehr gebrauchte Ethanol könnte man als Treibstoff verkaufen.

Die neue Droge könnte enorme positive Auswirkungen auf die Gesundheit haben, allein in Großbritannien verursachen die Folgen von Alkoholmissbrauch Milliarden an Gesundheitskosten.

Viele Hürden, teure Tests
Der neu zu entwickelte Stoff müsste natürlich lizensiert werden - und genau das ist für Nutt der Grund, wieso die Idee noch niemand verfolgt hat. Benzodiazepine fallen unter das Medikamentengesetz.

Es werde wohl schwer werden, die Aufsichtsbehörden zu überzeugen: "Alkohol gibt es seit 3.000 Jahren, und es hat eine privilegierte Position im Gesetz. Aber wieso soll man die Fortschritte in der Pharmazie nicht dazu nutzen, etwas Sichereres und Besseres zu entwickeln?"

Klinische Tests seien aber teuer, und woher er das Geld dafür nehmen soll, weiß Nutt noch nicht. Die traditionelle Getränkeindustrie habe kein Interesse gezeigt. Er hofft auf "liberalere" Regierungen wie Spanien oder Griechenland, die seinen Pfad beschreiten könnten.

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