Er bezeichnete seine Entlassung als politische Wahlkampfmaßnahme. Nutt rechnet nun mit Rücktritten aus dem Drogenberatungsgremium der Regierung. "Keiner behauptet, Drogen sind ungefährlich." Tabak und Alkohol als legale Droge auszunehmen, sei aber "künstlich".
Reiten gefährlicher als Ecstasy
Die Einnahme von Ecstasy kostet laut Nutt jährlich 30 Menschenleben in Großbritannien, damit sei es nicht gefährlicher als Reiten. Cannabis erzeuge "nur das vergleichsweise geringe Risiko" einer psychischen Erkrankung. Zugleich kritisierte Nutt die staatliche Drogenpolitik, die den Erkenntnissen der Forschung widerspräche.
Innenminister Alan Johnson sah das Vertrauen in Nutt zerstört und entband ihn umgehend von seinen Aufgaben. "Es ist wichtig, dass die Botschaft der Regierung klar ist, und Sie als Beauftragter tun nichts, damit sie die Öffentlichkeit versteht", schrieb Johnson an Nutt.
Debatte über Cannabis-Einstufung
Auslöser der Debatte war die Einstufung von Cannabis: Die britische Regierung hatte im Jänner Cannabis als weiche Droge der Kategorie B eingestuft, deren Besitz mit bis zu fünf Jahren Gefängnis bestraft werden kann. Damit machte sie eine Entscheidung von 2004 rückgängig, als Haschisch noch als einfaches Beruhigungsmittel der Kategorie C eingestuft worden war.
Laut Nutt schlug die Regierung mit der Änderung in diesem Jahr wissenschaftliche Erkenntnisse einfach in den Wind. Die Öffentlichkeit werde durch solch ein Vorgehen verunsichert. Premier Gordon Brown würde komplett irrationale Statements abgeben, wenn er meint, dass Cannabis tödlich sei, so Nutt. "Die meisten Wissenschaftler werden das als ein Beispiel für die Wissenschaftsfeindlichkeit der Regierung sehen."
Unterstützung von Forschern
Unterstützung erhielt Nutt von hochrangigen Wissenschaftlern: Der Oxforder Neurowissenschaftler Colin Blakemore sagte, die Regierung könne nicht erwarten, dass Experten ihre Einwände zurückhalten, wenn ihre Ratschläge schon zurückgewiesen werden noch bevor sie veröffentlicht sind.
Richard Garside, Kriminologe am King's College in London, sprach von einem "schlechten Tag für die Wissenschaft und die auf Fakten beruhende Politik". Die Zeitung "Independent" titelte, Nutt sei gefeuert worden, nur weil er die Wahrheit gesagt habe.
Nüchterne Diskussion gefordert
Nutt fordert "eine breite und offene Diskussion über die wissenschaftlichen Nachweise und eine wohlüberlegte Debatte, warum wir Drogengesetze haben und ob sie ihre Aufgabe leisten".
Suchtmittel müssten nüchterner eingestuft und die Menschen besser über die Gefahren der einzelnen Drogen informiert werden, forderte Nutt. Basierend auf den Kriterien körperliche Schäden, soziale Auswirkungen und Abhängigkeitsgrad stellte der Vorsitzende des Beratergremiums der britischen Regierung zu Drogenmissbrauch selbst eine Rangfolge der gefährlichen Drogen auf.
Alkohol kommt demnach auf Rang fünf, nur Heroin, Kokain, Barbiturate und der Heroin-Ersatzstoff Methadon richten laut Nutt mehr Schaden an. Die Volksdroge Nikotin in Form von Zigaretten belegt bei Nutt Platz neun. Cannabis, LSD und Ecstasy landeten hingegen auf den Plätzen elf, 14 und 18.
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