Der ein Jahr zuvor gewählte US-Präsident George W. Bush rief daraufhin den "War on Terror" ("Krieg gegen den Terror") aus. Es war die Rechtfertigung für den Krieg gegen die Taliban in Afghanistan und Saddam Hussein im Irak sowie die verschärften Anti-Terror-Gesetze in der westlichen Welt, die bis heute ihre Wirkung zeigen.
Erster NATO-Bündnisfall
Zwei Tage nach den Anschlägen, am 13. September 2001, glaubte die NATO den Nachweis für eine Beteiligung Osama bin Ladens an den September-Terroranschlägen zu haben. Sie rief erstmals in ihrer Geschichte den Bündnisfall aus.
Bin Laden, der in Afghanistan vermutet wurde, übernahm die Verantwortung für die Anschläge und drohte mit einem "Heiligen Krieg". Der Kampf gegen die Taliban in Afghanistan begann.
"Führerloser Dschihad"
Bin Laden wurde bisher nicht gefunden, auch die Taliban sind nicht besiegt. Das Phänomen Bin Laden existiert aber weiter. Selbst wenn er noch lebt, ist allerdings fraglich, ob er tatsächlich weiterhin selbst Anschläge plant. In seinem und dem Namen von Al-Kaida sind jedoch nach wie vor Fundamentalisten aktiv.
Der Terrorismusexperte Marc Sageman spricht nunmehr von einem "führerlosen Dschihad". Das Al-Kaida-Netzwerk wurde eine international tätige Bewegung mit mehreren Ablegern und Sympathisanten, die von Nordafrika bis in den Kaukasus ihr Gedankengut mit Anschlägen und Selbstmordattentaten weitertragen.
Guantanamo und Abu-Ghoraib-Skandal
Die USA reagierten mit der Einrichtung eines Gefangenenlagers in Guantanamo für ausländische Terrorverdächtige, Geheimgefängnissen der CIA - die Bush 2006 erstmals zugegeben hatte - und "verschärften" Verhörmethoden, die vielfach als Folter bezeichnet wurden.
Die Veröffentlichung von Fotos misshandelter irakischer Gefangener im Gefängnis Abu Ghoraib brachte 2004 den Folterskandal durch US-Soldaten ins Rollen.
Irak folgt auf Afghanistan
9/11 hatte eine Spirale der Gewalt in Gang gesetzt. Neben dem bis heute andauernden Afghanistan-Einsatz ließ sich Bush 2003 auch auf eine Auseinandersetzung mit dem Irak ein - der Kampf gegen die von der US-Regierung definierte "Achse des Bösen" begann. Am 19. März wurde dem Regime von Saddam Hussein der Krieg erklärt: mit der - wie sich später heraus stellte - falschen Behauptung, der irakische Diktator verfüge über Massenvernichtungswaffen.
Europa war über den Irak-Krieg und die Unterstützung der USA gespalten. Während Großbritannien eine wichtige Stütze wurde, gewannen Gerhard Schröder (SPD) und Joschka Fischer (Grüne) in Deutschland aufgrund ihrer strikten Anti-Kriegshaltung die Bundestagswahl.
Europa blieb nicht verschont
Obwohl viele Attentate mit Hunderten Verletzten und Toten außerhalb Europas verübt wurden, etwa in Bali, dem indonesischen Jakarta und der indischen Metropole Mumbai, blieb auch Europa nicht vom Terror verschont.
Im März 2004 starben bei einer verheerenden Anschlagsserie auf Pendlerzüge und Bahnhöfe in Madrid 173 Menschen, 700 wurden verletzt. Bei den Londoner Anschlägen im Juli 2005 gab es 50 Tote und rund 700 Verletzte. Beide Fälle wurden mit Al-Kaida in Verbindung gebracht.
Verschärfte Sicherheitsregeln
Die Reaktionen des Westens ließen nicht lange auf sich warten. Bereits 2002 installierte Bush das Ministerium für Heimatschutz (Department of Homeland Security), das es bis heute gibt. Es ist für die innere Sicherheit und den Schutz der USA vor Terroranschlägen zuständig. In strikten Anti-Terror-Gesetzen wurden in den USA umfassende Abhöraktionen ermöglicht und umstrittene Verhörmethoden genehmigt.
Auch Europa reagierte. Die Anti-Terror-Gesetze wurden verschärft und damit die Weitergabe von Passagier-, Internet- und Telefondaten im Sinne des Anti-Terror-Kampfs erleichtert. Frankreichs Anti-Terror-Bestimmungen zählen zu den schärfsten in Europa.
2005 wurden sie noch strikter - mit mehr Befugnissen für Richter, einem Ausbau der Videoüberwachung auf Straßen und im öffentlichen Raum und einer stärkeren Kontrolle von Mobiltelefonen.
Anti-Terror-Gesetze bis heute Thema
Beendet sind diese Entwicklungen nach wie vor nicht. Was der 11. September 2001 auf der gesetzlichen Ebene auslöste, setzt sich bei Themen wie Vorratsdatenspeicherung, der Überwachung von Flugpassagieren sowie dem Austausch von Finanztransaktionsdaten zwischen EU und USA (SWIFT) bis heute fort.
Die im Namen des Anti-Terror-Kampfs in der EU aufgesetzten Datenbanken und Informationsaustauschsysteme beschäftigen weiterhin die Datenschützer.
Krieg nicht beendet
Auch die Attentate sind nicht weniger geworden. Zwar zog mit dem Ende 2008 gewählten US-Präsidenten Barack Obama eine dialogorientierte Außenpolitik ins Weiße Haus ein. Im März 2009 verkündete US-Außenministerin Hillary Clinton zudem, dass die Regierung die Bezeichnung "Krieg gegen den Terror" nicht mehr verwenden werde.
Krieg gibt es aber weiterhin. Einen heftigen Kampf liefern einander derzeit pakistanische Streitkräfte und Extremisten im Grenzgebiet zwischen Pakistan und Afghanistan. Die Anschläge im Irak reißen ebenfalls nicht ab. Zwar wurde Hussein zum Tod verurteilt, das Land aber schlitterte in einen Bürgerkrieg, der Tausende das Leben kostete.
Und auch der Kampf gegen die Taliban in Afghanistan geht unvermindert und sogar mit einer weiteren Truppenaufstockung der USA weiter - ungeachtet dessen, dass am Ende des Jahrzehnts ein US-Präsident an die Macht gekommen ist, der wenige Monate nach Beginn seiner Amtszeit mit dem Friedensnobelpreis ausgezeichnet wurde.
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