"Ich hoffe, es wundert sich niemand"

Kroatische Behörden suchen um Rechtshilfe in Österreich an.
Auch wenn sich die ehemaligen Eigentümer der Hypo Group Alpe Adria (HGAA) von den massiven Turbulenzen zuletzt überrascht zeigten - für andere Beteiligte war die Malaise schon lange absehbar.

Für den serbischen Notenbank-Chef Radovan Jelasic etwa erfolgte die Verstaatlichung der Kärntner Hypo nicht überraschend, denn in den vergangenen zwei bis drei Jahren habe es zahlreiche Anzeichen für Ungereimtheiten gegeben.

"Ich hoffe, dass sich niemand über das wundert, was mit der Hypo-Alpe-Adria-Bank geschehen ist. Denn es gab in den vergangenen zwei, drei Jahren bereits viele Anzeichen, dass da vieles nicht stimmt. Sicher ist, dass diesen negativen Prozess die Wirtschaftskrise nur beschleunigt hat", so Jelasic am Donnerstag im Interview mit dem Ö1-Mittagsjournal.

Zwei Hauptvorwürfe
Die nun von der Regierung eingesetzte Ermittlungskommission beginnt eben erst mit der Arbeit, doch zwei Hauptvorwürfe stehen im Raum: das "System Haider", wonach die Bank quasi als Geldmaschine für die zahlreichen populistischen Versprechen des früheren Kärntner BZÖ-Landeshauptmanns Haider fungierte; und die in Medien immer wieder kolportierten Verwicklungen der Bank mit der Mafia bei ihren Töchtern auf dem Balkan.

"Wurden umgangen"
Jelasic betont, seine Aufsichtsbehörde sei von der Zentrale in Klagenfurt bewusst umgangen worden: "Ein großer Teil der Kredite ging nicht von Klagenfurt nach Belgrad und weiter zum Kunden. Man hat uns umgangen und Kredite direkt aus Klagenfurt an Schuldner in der Region vergeben", so der Notenbank-Chef.

Er frage sich, wie man aus Klagenfurt die Bonität eines Schuldners in der Balkan-Region bewerten könne. Er fügte hinzu, dass diese Kunden meist "die beste Bewertung" erhalten hätten.

Verteidigung der Serbien-Tochter
Gleichzeitig betonte Jelasic, dass die serbische Hypo-Tochter eine liquide Bank mit guter Eigenkapitaldecke sei. Generell stehe die Notenbank bei der Ausweitung des Kreditvolumens auf der Bremse. Die negativen Medienberichte über die Region sind seiner Meinung nach nicht gerechtfertigt.

Eine große Zahl der Banken hätten auf dem Balkan "sehr viel Geld verdient. Mit etwas größerer Vorsicht könnte auch künftig gut verdient werden."

Kritik an Kontrollsystem
Befragt zur serbischen Bankenaufsicht im Vergleich zu jener in Österreich sagte Jelasic: "Persönlich denke ich, dass es viel besser ist, die Aufsicht in einer Hand zu haben, anstatt sie zu teilen. Ich bin kein großer Anhänger des deutschen Modells, nach dem einer kontrolliert, der zweite den Bericht schreibt und die Beschlüsse fasst. Ähnlich arbeitet man in Österreich, obwohl sich auch dort in gewissem Maße die Zuständigkeit von der Finanzmarktaufsicht hin zur Nationalbank verschiebt."

Kroatiens Behörden wenden sich an Wien
Die kroatische Staatsanwaltschaft ersuchte mittlerweile in Zusammenhang mit Medienberichten über mögliche Straftaten im Umfeld der Hypo die österreichischen Behörden um Rechtshilfe.

Nachweis für mögliche Straftaten?
Angeblich in Österreich sichergestellte Dokumente würden auf mögliche Straftaten kroatischer juristischer und natürlicher Personen in der Republik Kroatien hinweisen, teilte die kroatische Staatsanwaltschaft auf ihrer Homepage mit.

Kroatiens Justizminister Ivan Simonovic (HDZ) hatte am Mittwoch gesagt, dass er bisher keinen Antrag des österreichischen Justizministeriums erhalten habe. "Das bedeutet aber nicht, dass die österreichischen Behörden nicht direkt die kroatische Staatsanwaltschaft kontaktiert haben."

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