Kärntens bisheriger BZÖ-Landeshauptmann Gerhard Dörfler, Landesparteichef Uwe Scheuch sowie FPÖ-Bundesparteiobmann Heinz-Christian Strache hatten am Nachmittag eine Kooperation "nach dem Modell CDU/CSU" in Deutschland bekanntgegeben.
In einer augenscheinlich sehr überraschten ersten Reaktion zeigte sich die stellvertretende BZÖ-Bundesparteiobfrau und Schwester des Parteigründers und früheren Kärntner Landeshauptmannes Jörg Haider, Ursula Haubner, "menschlich sehr enttäuscht".
Bucher auf Tauchstation
"Wir bedauern den Schritt Kärntens. Er widerspricht dem Wählerauftrag sowie Strategie und Intention von BZÖ-Gründer Jörg Haider", kommentierte der stellvertretende BZÖ-Klubobmann Herbert Scheibner die Abspaltung der Kärntner Partei in einer gemeinsamen Pressekonferenz mit seinen Klubkollegen Ewald Stadler und dem steirischen BZÖ-Landesparteiobmann Gerald Grosz. Von BZÖ-Bundesparteichef Josef Bucher gab es vorerst keine Stellungnahme.
"Verrat": Wer geht "Haiders Weg"?
Er sei enttäuscht über die Art und Weise, in der die Abspaltung erfolgte, so Scheibner. Grosz zeigte sich "überrascht, aber nicht betroffen" und sprach ähnlich wie Haubner von "Verrat". Statt um "30 Silberlinge ging es um 1,5 Milliarden Euro für die Hypo. Wir glauben, dass sich Verrat nicht lohnt", so Grosz.
Scheibner sprach am Donnerstag im Ö1-Morgenjournal von einer Chance für das BZÖ, endlich "Profil zu gewinnen". Jetzt sei endlich ein einheitliches orange Gesamtbild möglich, so der stellvertretende BZÖ-Obmann - mehr dazu in oe1.ORF.at.
"Landesgruppe hat sich verkauft"
"Es ist wichtig, dass wir Jörg Haiders Weg weitergehen", betonte Haubner. "Ich glaube, die Kärntner Landesgruppe hat sich verkauft, indem sie einen Deal mit der ÖVP schloss." Verrat sei "nie die Politik Jörg Haiders" gewesen.
Der bisherige Landesobmann des BZÖ Kärnten - nunmehr Die Freiheitlichen in Kärnten (FPK) mit blau anstatt orange als neuer (alter) Parteifarbe - wies den Vorwurf des Verrats zurück und beansprucht seinerseits für sich, den "Weg Haiders" fortzuführen.
Angeblich mit Haider abgesprochen
"Ich führe das Erbe Jörg Haiders in den sicheren Hafen der freiheitlichen Zukunft." Er habe das Erbe nicht verraten, sondern es "zu einem guten Ende gebracht", so Scheuch. Auch FPÖ-Chef Heinz-Christian Strache verwies auf ein Gespräch mit Haider kurz vor dessen Tod.
Scheuch erklärte, er habe die Entscheidung natürlich auch mit Haiders Witwe Claudia abgesprochen. Die habe ihm gesagt, dass auch ihr verstorbener Ehemann die gemeinsame Arbeit mit der FPÖ als Ziel vor Augen gehabt habe.
"Nebenabsprache des Hypo-Deals"
Scheibner und Stadler vermuteten hinter der Fusion dagegen die ÖVP als Drahtzieher. Für Stadler war die keineswegs Zufall, sondern "eine Nebenabsprache des Hypo-Deals, eingefädelt von Josef Prölls ÖVP mit dem Ergebnis: "Die Marionetten Strache und Scheuch spielen mit", wie es in einer Aussendung hieß.
"Die ÖVP versucht offensichtlich, sich eines lästigen Mitbewerbers im bürgerlichen Lager zu entledigen", vermutete BZÖ-Bundesvize Scheibner.
"Villacher Fasching vorverlegt"
Einen Zusammenhang mit dem Bankendebakel bei der Kärntner Hypo Group Alpe Adria (HGAA) vermutete auch Grosz, der in der Steiermark im kommenden Jahr mit seiner Landespartei Gemeinde- und Landtagswahlen vor sich hat. Er fühle sich Haider, den Wählern und dem Parteiprogramm verpflichtet, nehme aber zur Kenntnis, "dass in Kärnten nach der Hypo-Affäre auch der Villacher Fasching vorverlegt wurde".
"Ich bin überrascht. Andererseits war es nur die logische Konsequenz", so Grosz. Er habe allerdings schon länger den Eindruck gehabt, dass das Kärntner BZÖ in seinem täglichen Handeln den Weg Haiders immer mehr verlassen habe.
"Kein Kommentar"
"Begeistert kann man nicht sein", er sehe das Ganze aber "gelassen", betonte der oberösterreichische BZÖ-Landessprecher Rainer Widmann. "Es geht mit dem BZÖ sicher auch in Oberösterreich weiter" - mehr dazu in ooe.ORF.at.
Aus Vorarlberg hieß es, die Folgen der Abspaltung der Kärntner Landespartei für das BZÖ seien derzeit völlig unklar - mehr dazu in vorarlberg.ORF.at.
Der Salzburger BZÖ-Obmann Robert Stark wollte zum Kärntner BZÖ "jetzt überhaupt keinen Kommentar" abgeben. "Wir haben das genau so erfahren wie Sie", erklärte er auf Nachfrage der APA.
"Nicht das Ende des BZÖ"
Kämpferisch, allerdings gleichfalls überrascht zeigte sich BZÖ-Bundesfinanzreferent Harald Fischl. "Das ist nicht das Ende des BZÖ. Das kann eine neue Entschlossenheit sein."
Im Nationalrat erwartet er sich durch die nunmehrige Kooperation der Kärntner Abgeordneten mit der FPÖ eine "spannende Zeit". Noch am Mittwoch legten zwei davon, Bundesgeschäftsführer Manfred Stromberger und Generalsekretär Martin Strutz, ihre Funktionen im Bundes-BZÖ zurück. Durch die Abspaltung eines "Kärntner Klubs" im Parlament verliert das BZÖ auch eine beachtliche Summe seiner bisherigen Parteienförderung.
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