Diese Marktdominanz habe sich der Konzern mit Ellbogentechnik gegenüber seiner Konkurrenz und den Lizenznehmern erarbeitet, zitiert die Tageszeitung "Atlanta Journal Constitution" ("AJC") auf ihrer Website die US-Nachrichtenagentur Associated Press (AP).
In mehreren vertraulichen Lizenzvereinbarungen, die der AP vorliegen, beschreibt der US-Pflanzenschutz- und -Saatguthersteller Monsanto seine Unternehmenspraktiken. Diese Abkommen regeln den Einsatz von Monsantos Gentechnologie in rund 200 kleineren Unternehmen.
Mischverbot bremst Konkurrenz aus
In den Vereinbarungen verbiete Monsanto anderen Unternehmen die Aufzucht von Pflanzen, die neben Monsanto-Genen auch Gene eines Konkurrenten beinhalten, solange das nicht explizit erlaubt werde, so die "AJC". Durch die große Verbreitung der Monsanto-Gene sperre das Unternehmen seine Mitbewerber mit dieser Regelung faktisch vom Markt aus.
Vergünstigungen bringen Einschränkungen
Mit großzügigen Rabatten locke Monsanto unabhängige Saatgutproduzenten in sein Lizenzprogramm. Gleichzeitig grenze es damit auch Konkurrenten vom Markt aus. Unternehmen erhielten diese Vergünstigungen nämlich nur, wenn sie sich verpflichten, mindestens 70 Prozent ihres Saatguts von Monsanto zu beziehen, berichtet die "AJC".
Eine andere Lizenzbestimmung habe dem US-Konzern geholfen, 24 unabhängige Saatgutfirmen zu übernehmen, vermutet die AP: Das Abkommen besagt, dass Unternehmen, die ihren Eigentümer wechseln, ihren kompletten Monsanto-Bestand "sofort" vernichten müssten. Unternehmenssprecher Lee Quarles gab gegenüber der AP an, diese Vereinbarung nicht zu kennen.
Ermittlungen gegen Monsanto
Das US-amerikanische Justizministerium und mindestens zwei Staatsanwalte ermitteln gegen Monsanto. Sie prüfen, ob die Unternehmensstrategien gegen das Kartellgesetz verstoßen.
Schon in den vergangenen Jahren musste sich der weltgrößte Saatgutproduzent in Patentstreitfällen mit seinen Mitbewerbern mehrmals vor Gericht behaupten.
"Wir glauben nicht, dass an den Anschuldigungen gegenüber unserer Lizenzvereinbarung oder den enthaltenen Bedingungen irgendetwas dran ist", gab sich Quarles gegenüber AP zuversichtlich. Viele Klauseln könne er nicht kommentieren, da sie vertraulich und Gegenstand laufender Ermittlungen seien.
Monsanto habe aber durch seine Lizenzpolitik einen Vorstoß geleistet, der überhaupt erst Hunderte Saatgutproduzenten ermöglicht habe. Das habe den Wettbewerb gefördert, sagte Quarles.
Fortschrittliche Technologien
Landwirte und Saatgutfirmen stimmten gegenüber der Nachrichtenagentur zu, dass Monsantos Technologien ihre Erträge steigerten. Resistenteres Saatgut und verbesserte Unkrautbekämpfungsmittel sparten den Landwirten außerdem Zeit und Geld.
Aber die Saatgutpreise schnellten in den letzten Jahren in die Höhe: Monsanto steigerte die Preise mehrerer Getreidesorten um bis zu 25 Prozent. Der Preis für Sojabohnensaat wurde 2008 um 28 Prozent angehoben, berichtete die "AJC".
Zudem sei bei beiden Produkten für 2010 ein weiterer Preisanstieg zwischen sechs und sieben Prozent geplant, so Unternehmenssprecherin Kelli Powers.
Weiterer Preisanstieg befürchtet
"Wir glauben, dass Monsanto Kontrolle über so gut wie 90 Prozent des genetisch veränderten Saatguts besitzt. Dieses Kontrolllevel ist nahezu unglaublich", so Neil Harl, Agrarwirtschaftler an der Iowa State University, gegenüber der AP.
Monsanto stärke damit seine Position, was dazu führe, dass das Unternehmen die Preise langfristig erhöhen kann. "Das haben wir schon in den letzten fünf Jahren gesehen, und ein Ende ist nicht in Sicht."
Monsanto könnte dann nach Belieben die Getreidepreise in die Höhe treiben. Als Auswirkungen stiegen die Preise für Konsumenten vom Brotlaib bis zur Tiernahrung.
Monsanto-Gene sind Industriestandard
Ein Ausstieg aus dem Lizenzprogramm komme für viele Unternehmen aber dennoch nicht infrage. Monsantos "Roundup Ready"-Gen sei zum Industriestandard geworden. Kleine Betriebe fürchteten den Verlust von Kunden, wenn sie auf ein anderes Produkt umstiegen, berichtet AP.
Es brauchte außerdem jahrelange Investitionen und Aufzucht, um Monsantos Gene in die jeweilige Produktlinie zu mischen. Ein Ausstieg sei deshalb mit enormen Kosten verbunden.
Monsanto hingegen behalte sich in seinen Bestimmungen vor, Verträge aufzulösen, sobald die vertraulichen Vereinbarungen verletzt würden. Für die Vertragspartner seien die Klauseln festgeschriebene Gesetze.
Präzedenzfall im Kartellrecht
Jeder Prozess gegen den Saatgutriesen könnte neue Wege beschreiten, Patentrechte von Unternehmen gegenüber dem Recht der Mitbewerber auf Wettbewerbsfreiheit auszubalancieren, so Kevin Arquit, Kartellrechtsanwalt in New York, gegenüber der AP.
Der Saatgutproduzent verdankt seinen Erfolg neben dem aggressiven Einsatz von Patentrechten vor allem der Entwicklung von herbizidresistenten Keimen. Diese ermöglichen es Landwirten, jederzeit Unkrautbekämpfungsmittel einzusetzen, anstatt zu warten, bis die Pflanzen groß genug sind, dass sie die Chemikalien auszuhalten.
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