Angst vor Jobverlust

Statistik gibt an, wie viel Prozent der Arbeitnehmer krankgemeldet sind.
Aus Angst um ihre Jobs melden sich Arbeitnehmer in Deutschland immer seltener krank. Zwischen Jänner und September 2009 sank die Zahl der Arbeitnehmer im Krankenstand auf einen der niedrigsten Werte seit Einführung der Statistik im Jahr 1970, wie die Zeitung "Die Welt" im Oktober unter Berufung auf das deutsche Bundesgesundheitsministerium berichtete.

In den ersten neun Monaten des Jahres waren im Schnitt 3,25 Prozent der Arbeitnehmer krankgemeldet, ein Jahr davor lag dieser Anteil bei 3,32 Prozent. Arbeitsmarktexperten und der Deutsche Gewerkschaftsbund führen die seit Jahren sinkende Zahl an Krankmeldungen auf die Sorge vor einem Verlust der Arbeitsstelle zurück. Die Wirtschaftskrise könnte den Trend noch verstärken.

Seit 2005 stark gesunken
Im ersten Halbjahr 2009 lag die Zahl der Arbeitnehmer im Krankenstand in der gesetzlichen Krankenversicherung (GKV) im Schnitt bei 3,24 Prozent. 1995 betrug der Wert noch 5,07 Prozent und sank seither kontinuierlich. Die Statistik des Gesundheitsministeriums erfasst die Krankenstände aller gesetzlich versicherten Arbeitnehmer.

Laut Ministerium wird in der Statistik der Anteil der fehlenden Arbeitnehmer an den Beschäftigten insgesamt beziffert. Es gehe also nicht um die Fehltage.

Frauen fehlen häufiger
Arbeitsmarktexperten machen vor allem die wachsende Angst vor Jobverlust in wirtschaftlich unsicheren Zeiten für die sinkenden Krankenstände in den ersten drei Quartalen verantwortlich, berichtete die "Welt". Am häufigsten waren die Arbeitnehmer im April abwesend (3,94 Prozent), am wenigsten im Jänner (2,72 Prozent). Frauen fehlten mit 3,42 Prozent häufiger als Männer (3,1 Prozent).

Streit über Lohnfortzahlungen
Zwar profitierten die Unternehmen von der sinkenden Zahl der Krankmeldungen, berichtete die Zeitung. Sie müssten aber immer noch rund 30 Milliarden Euro im Jahr für die Lohnfortzahlung im Krankheitsfall ausgeben. Der Deutsche Industrie- und Handelskammertag (DIHK) forderte von der Bundesregierung, die Lohnfortzahlung in den ersten Tagen der Krankheit einzuschränken.

Der Deutsche Gewerkschaftsbund wies diese Forderung als "bodenlose Frechheit" zurück, wie Vorstandsmitglied Annelie Buntenbach der Nachrichtenagentur dpa sagte.

Auch Arbeit kann krank machen
Der Krankenstand sinke "nur deshalb, weil immer mehr Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer Angst haben, ihren Arbeitsplatz zu verlieren". Allerdings mache die Arbeit auch viele Beschäftigte krank. Durch arbeitsbedingte Erkrankungen werde die GKV jährlich mit 17 Milliarden Euro belastet. Die neue Bundesregierung solle die Unternehmen verpflichten, die Gesundheitsvorsorge der Beschäftigten zu fördern, forderte Buntenbach.

Links: