Hahn zeigte sich im ZIB2-Interview erfreut über die Entscheidung von Kommissionpräsident Jose Manuel Durao Barroso. Mit dem Regionalressort hätte er einen Tätigkeitsbereich erhalten, wo er seine jahrelange Erfahrung einbringen könne.
Entscheidung erst in finalen Gesprächen
"Ich komme aus diesem Bereich, ich war selbst jahrelang in der Wiener Regionalpolitik tätig", erklärte Hahn. Auch hätte der Umstand, dass Österreich eine gute Tradition im Umgang mit der Regionalpolitik habe, letztlich bei der Entscheidungsfindung geholfen.
Dass es nicht, wie lange vermutet, das Forschungsressort werden würde, habe sich laut Hahn erst in den finalen Gesprächen abgezeichnet.
"Mechanismen verbessern"
Die Aufgabe, dafür zu sorgen, dass die ihm anvertrauten Steuergelder auch wirklich dort ankommen, wo sie gebraucht werden, und nicht in dunkle Kanäle versickern, bezeichnete Hahn als Herausforderung - nicht aber unbedingt als die größte. "Bereits mein Vorgänger (Pawel Samecki, Anm.) hat hier einen Prozess in Gang gesetzt", so Hahn, und diese Mechanismen wolle er verbessern.
Schwieriges Umfeld Osteuropa
Und diese Aufgabe wird keine leichte. Die auf sieben Jahre veranschlagten 347 Milliarden Euro - das entspricht etwa 36 Prozent des gesamten EU-Mehrjahreshaushalts - sollen vornehmlich an die strukturschwachen neuen EU-Staaten in Mittel- und Osteuropa fließen.
An Länder also, die vom EU-Rechnungshof in der Vergangenheit immer wieder gerügt worden waren, mit den geleisteten Hilfszahlungen nicht transparent und offen umzugehen.
EU-Geld für heimische Regionen
Auch Österreich wird künftig von seinem neuen Kommissar profitieren. 1,46 Milliarden Euro aus dem EU-Regionaltopf werden bis 2013 laut Schätzungen an heimische Gemeinden ausgezahlt. Das ehemals strukturschwache Ziel-ein-Gebiet Burgenland sowie die Steiermark und Niederösterreich sind in Österreich Spitzenreiter bei der EU-Regionalförderung.
"Großartiges Ergebnis"
Die Reaktionen der heimischen Regierungsspitze waren positiv. SPÖ-Kanzler Werner Faymann, der mit Vizekanzler Josef Pröll (ÖVP) wochenlang wegen des Kandidaten gestritten hatte, sprach von einem "großartigen Ergebnis für Österreich".
Pröll zeigte sich "stolz", dass Österreich "ein so gewichtiges Ressort" erhalten habe. Dass unterstreiche Österreichs Rolle, die "wir als Brücke zwischen alten und neuen Mitgliedsstaaten spielen", so Pröll in einer Aussendung wörtlich.
Skepsis bei Opposition
Allein bei der Opposition wollte keine rechte Freude aufkommen. Während die Grünen zumindest von einem spannenden Ressort mit großen Chancen sprachen, ortete das BZÖ einen "Abstieg". Die FPÖ und die Liste Hans-Peter Martin zweifeln überhaupt daran, ob Hahn für den Job qualifiziert ist - mehr dazu in oesterreich.ORF.at.
"Erfolgsgeschichte der EU"
Deutlich wohlwollender waren die Reaktionen aus dem Ausland. So zeigte sich Luc Van den Brande, Präsident des EU-Ausschusses der Regionen (AdR), zufrieden über Hahns Ernennung. "Die Regionalpolitik ist eine echte Erfolgsgeschichte der EU", betonte er am Freitag in einer Aussendung.
Der Mehrwert einer auf EU-Ebene koordinierten Regionalpolitik stehe außer Zweifel, während sie an neue Herausforderungen wie die Wirtschaftskrise und den Klimawandel angepasst werden müsse, erklärte der Belgier.
Entscheidung fiel erst am Ende
Der österreichische EU-Botschafter Hans Dietmar Schweisgut sieht die Zuteilung des "Schlüsselressorts" Regionalpolitik an Hahn als Anerkennung für die Stellung, die Österreich in der Europäischen Union habe. Es sei auch Ausdruck der Qualifikation von Hahn, sagte Schweisgut am Freitag in einem Telefongespräch mit der APA.
Schweisgut betonte, die Entscheidung über die Zuteilung des Dossiers an Hahn sei "erst zu Ende gefallen". "Es war ja ein Paket", so der Botschafter. Die endgültige Ressortzuteilung habe erst in Angriff genommen werden können, nachdem Barroso alle Nominierungen von künftigen Kommissaren erhalten habe.
2014 werden Karten neu gemischt
Herausforderungen seien auch der Stellenwert der Regionalpolitik nach Ende der bisherigen EU-Finanzperiode 2013, so Schweisgut. Hier wäre es zu früh, Vorhersagen zu machen, doch betonte Schweisgut: "Die Regionalpolitik wird auch ab 2014 eine Schlüsselstellung haben."
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