Konservative und Liberale in Überzahl

Ein Drittel der Ressorts wird mit Frauen besetzt. Barroso hat sieben Stellvertreter.
In der von EU-Kommissionspräsident Jose Manuel Durao Barroso am Freitag präsentierten künftigen EU-Exekutive haben Konservative und Liberale ein deutliches Übergewicht. Neben Barroso bleiben 13 Kommissare aus der bisherigen Kommission im Amt, erhalten aber neue Ressorts.

©Bild: APA
©Bild: APA
Mit neun Frauen - eine mehr als bisher - ist gut ein Drittel der Kommissare weiblich. Mit Catherine Ashton, Viviane Reding, Joaquin Almunia, Siim Kallas, Neelie Kroes, Antonio Tajani und Maros Sefcovic hat Barroso sieben Vizepräsidenten - sie vertreten den Präsidenten bei Abwesenheit in der genannten Reihenfolge. Nachfolgend Kurzinfos zu den einzelnen Mitgliedern der planmäßig ab Jänner amtierenden Kommission:

Jose Manuel Durao Barroso: Der 53-jährige frühere portugiesische Regierungschef bleibt Kommissionspräsident. Barroso ist Konservativer und Politiker der Europäischen Volkspartei.

Catherine Ashton: Die 53-jährige Britin wird Hohe Repräsentantin für die EU-Außen- und -Sicherheitspolitik und Vizepräsidentin der EU-Kommission. Ashton ist Politikerin der Labour-Partei.

Viviane Reding: Die bisherige Telekommunikationskommissarin übernimmt den neu geschaffenen Posten für Justiz und Grundrechte. Sie ist auch Vizepräsidentin. Die 58-jährige luxemburgische Konservative hat auch Erfahrung als EU-Abgeordnete.

Joaquin Almunia: Der bisherige Wirtschafts- und Währungskommissar übernimmt das Ressort Wettbewerb. Der 61-jährige spanische Sozialist ist auch Vizepräsident.

Siim Kallas: Der bisher für Verwaltungsangelegenheiten zuständige EU-Kommissar übernimmt das Verkehrsressort. Von 2002 bis 2003 war der 61-jährige Liberale Ministerpräsident Estlands. Er bleibt Vizepräsident der EU-Kommission.

Neelie Kroes: Die bisherige niederländische Wettbewerbskommissarin ist künftig für die "Digitale Agenda" und die Informationstechnologie zuständig. Die 68-jährige Liberale ist auch Vizepräsidentin, im Kollegium ist sie die Älteste.

Antonio Tajani: Der italienische Konservative und Vertraute von Ministerpräsident Silvio Berlusconi ist künftig für Industrie und Unternehmen zuständig. Der 56-Jährige war bisher Verkehrskommissar, er bleibt Vizepräsident.

Maros Sefcovic: Der 43-jährige Slowake führte zuletzt das EU-Bildungsressort. Er ist für Verwaltung und für die Beziehungen zu den anderen EU-Institutionen zuständig. Er ist parteilos, gilt aber als den Sozialdemokraten nahestehend.

Johannes Hahn: Der bisherige österreichische Wissenschaftsminister übernimmt das Ressort Regionalpolitik. Der scheidende Wiener ÖVP-Chef feiert am 2. Dezember seinen 52. Geburtstag.

Günther Oettinger: Der bisherige Ministerpräsident von Baden-Württemberg leitet das Energieressort. Der 56-Jährige ist Politiker der deutschen CDU. Der Atomkraftbefürworter ist fortan auch für erneuerbare Energie zuständig.

Michel Barnier: Der französische Ex-Agrar- und Außenminister, Ex-Kommissar und Ex-Europaabgeordnete übernimmt das Binnenmarktportfolio einschließlich der Zuständigkeit für Finanzdienstleistungen. Der 58-jährige Konservative ist Politiker der Regierungspartei UMP.

Laszlo Andor: Der 43-jährige Ungar arbeitete zuletzt als Direktor der Europäischen Bank für Wiederaufbau und Entwicklung (EBRD). Er führt künftig das Sozial- und Beschäftigungsressort. Andor steht den Sozialisten nahe.

Olli Rehn: Der finnische Liberale wechselt vom Erweiterungs- in das Wirtschafts- und Währungsressort. Der 47-Jährige war vor seinem Wechsel nach Brüssel Wirtschaftsberater der finnischen Regierung.

Karel de Gucht: Der bisherige Entwicklungshilfekommissar übernimmt den Außenhandel in der EU-Kommission. De Gucht war vor seinem Wechsel in die EU-Behörde belgischer Außenminister, der flämische Liberale ist 55 Jahre alt.

Stefan Füle: Der frühere tschechische Europaminister ist künftig für die Erweiterungs- und Nachbarschaftspolitik zuständig. Der 47-Jährige ist parteilos, wurde aber von den Sozialdemokraten nominiert. Er ist wegen seiner KP-Vergangenheit umstritten.

Dacian Ciolos: Der frühere rumänische Landwirtschaftsminister übernimmt das Agrarressort. Der 40-Jährige ist parteilos, steht aber den Liberalen nahe. Er ist der Jüngste in Barrosos Team.

Janez Potocnik: Der bisherige Forschungskommissar übernimmt das Umweltressort. Der 51-jährige Slowene ist parteilos, steht aber den Liberalen nahe. Er war Chefverhandler für den EU-Beitritt seines Landes und Europaminister.

Algirdas Semeta: Der 47-jährige Litauer war zuletzt Budgetkommissar. Er ist künftig für Steuer- und Zollangelegenheiten und für die Betrugsbekämpfung zuständig. Er steht den Konservativen nahe.

Andris Piebalgs: Der 52-jährige Lette gibt das Energieressort ab und macht stattdessen Entwicklungshilfe. Der frühere Liberale gilt mittlerweile als den Konservativen nahestehend.

Androulla Vassiliou: Die bisherige zypriotische Gesundheitskommissarin leitet künftig das Ressort Bildung, Kultur, Mehrsprachigkeit und Jugend. Die 65-jährige Liberale ist die Ehefrau des früheren zypriotischen Staatspräsidenten Giorgos Vassiliou.

Rumiana Jelewa: Die bisherige bulgarische Außenministerin wird für humanitäre Koordination und Hilfe zuständig und das Krisenmanagement der EU leiten. Die konservative Politikerin ist 40 Jahre alt.

Maire Geoghegan-Quinn: Die frühere irische Justizministerin ist künftig für Forschung und Innovation zuständig. Die 59-Jährige ist Politikerin der Regierungspartei Fianna Fail, die sich im Frühjahr den europäischen Liberalen anschloss.

Cecilia Malmström: Schwedens bisherige Europaministerin ist fortan für Inneres zuständig. Darunter fallen Migrationsfragen, Visa- und Asylangelegenheiten sowie die Polizeizusammenarbeit. Malmström ist Liberale, sie ist 41 Jahre alt. Als EU-Abgeordnete hatte sie sich für die Streichung eines von zwei EU-Parlamentssitzen engagiert.

Janusz Lewandowski: Der frühere Chef des Budgetausschusses im EU-Parlament übernimmt jetzt auch in der EU-Kommission die Budget- und Finanzplanung. Der 58-jährige Konservative aus Polen war in den 90ern auch Privatisierungsminister.

Maria Damanaki: Die griechische Sozialistin war bisher nationale Parlamentsabgeordnete. Die 57-Jährige ist in der nächsten Kommission für Fischerei und Meeresangelegenheiten zuständig.

Connie Hedegaard: Die bisherige dänische Energie- und Klimaministerin übernimmt in der Kommission den neuen Posten für Klimaschutz. Die 49-Jährige ist Konservative.

John Dalli: Maltas bisheriger Sozialminister wird sich um Gesundheit und Konsumentenschutz kümmern. Zuletzt waren beide Portfolios getrennt. Der 61-jährige Dalli ist konservativer Politiker.

Links: