Fischler als "Klassenbester"
Österreich war erstmals nach dem EU-Beitritt 1995 mit Fischler vertreten, der gleich das mächtige Agrarressort erhielt. In der ersten Periode, die bis 1999 dauerte, erwarb sich der bärtige Tiroler gleich den Beinamen "Klassenbester".
Die "Agenda 2000", mit der die umfassendste Reform der gemeinsamen Agrarpolitik (GAP) in der über 40-jährigen Geschichte der europäischen Integration verwirklicht wurde, trägt Fischlers Handschrift.
Zu Hause weniger geschätzt
In Österreich selbst war Fischler nicht ganz so geschätzt, unangenehme Wahrheiten wie die Warnung, dass das anonyme Sparbuch auf Dauer wegen der EU-Vorschriften nicht zu halten sein werde, wurden kritisch beäugt. Auch gegenüber der eigenen Partei hielt sich Fischler mit Kritik nicht zurück.
Markenzeichen "Kampflächeln"
2004 kam Ferrero-Waldner als Kommissarin für auswärtige Beziehungen und europäische Nachbarschaftspolitik zum Zug. Ihr "Kampflächeln" wurde neben ihrem Sinn für Etikette und ihrem polyglotten Auftreten schon vor ihrer Zeit als EU-Kommissarin zu ihrem Markenzeichen.
Ihren größten Erfolg als EU-Kommissarin feierte sie im Sommer 2007 mit der Freilassung fünf bulgarischer Krankenschwestern und eines Arztes palästinensischer Herkunft, die in Libyen wegen angeblicher Infizierung von 400 Kindern mit dem HI-Virus mit der Todesstrafe bedroht waren. Von Sofia wurde sie nach ihrer Mission bei Revolutionsführer Muammar al-Gaddafi zur Ehrenbürgerin erklärt.
Der lächelnde Dritte
Der neue österreichische EU-Kommissar Hahn galt lange Zeit als Kompromisskandidat zwischen Wilhelm Molterer, den die SPÖ absolut ablehnte, und Ferrero-Waldner, die von der ÖVP auch wegen der demonstrativen SPÖ-Unterstützung nicht mehr gewollt war.
Von Plagiat bis Quote
Der Vorwurf gegen Hahn, in seiner Dissertation seitenweise abgeschrieben zu haben, ging ins Leere, die Uni Wien prüfte, verzichtete aber auf ein Plagiatsprüfverfahren. Als Wissenschaftsminister musste sich Hahn gleich nach seinem Amtsantritt als Krisenfeuerwehr betätigen und die Quotenregelung für das Medizinstudium auf EU-Ebene verteidigen.
Das schließlich von der EU-Kommission gewährte fünfjährige Moratorium war für ihn "nicht die optimalste Lösung", er hätte das Thema gerne ganz vom Tisch gehabt. Zuletzt hatte Hahn mit den Studentenprotesten zu kämpfen und überlässt seiner Nachfolgerin oder seinem Nachfolger einige Baustellen.
Kurzfristig zwei Austro-Kommissare?
Mit Ferrero-Waldner und Hahn könnte Österreich für die Übergangsphase bis zum Inkrafttreten der neuen Behörde kurzfristig sogar mit zwei Kommissaren vertreten sein. Was Ferrero-Waldner betrifft, hatte es zuletzt aus EU-Kommissionskreisen geheißen, sie könne die Außenhandelsagenden von der bisherigen britischen EU-Handelskommissarin Catherine Ashton übernehmen.
Ashton tritt am 1. Dezember die Ämter der EU-"Außenministerin" und der Vizepräsidentin der EU-Kommission an und wird sich kommende Woche in einer Art informellem Hearing dem außenpolitischen Ausschuss des EU-Parlaments stellen. Ferrero-Waldner könnte aber auch nach Ashtons Amtsantritt für die Dauer der derzeitigen Übergangskommission die EU-Nachbarschaftspolitik oder die Außenhilfe betreuen.
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